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Opioid-induzierte Obstipation

Leitlinie im Wandel

26.08.2015
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Von Kerstin A. Gräfe, Frankfurt am Main / Die leitliniengerechte Behandlung der Opioid-induzierten Obstipation (OIC) könnte sich bald ändern. Hintergrund ist die Markteinführung des neuen Wirkstoffs Naloxegol (Moventig®) zum 1. August. Mit dem µ-Opioid-Rezeptor­antagonist steht erstmals eine kausale Therapieoption zur Verfügung.

 

»Der Bedarf für neue Behandlungsansätze der OIC ist enorm hoch«, sagte Dr. Viola Andresen vom Israelitischen Krankenhaus in Hamburg auf einer Pressekonferenz von Hersteller Astra-Zeneca. So entwickelten etwa 60 bis 65 aller Patienten unter einer Opioid-Therapie innerhalb von zwölf Wochen trotz aller Gegenmaßnahmen eine OIC. Die Hauptkoordinatorin der Konsusgruppe der Sk2-Leitlinie »Chronische Obstipation« skizzierte, wie aus ihrer Sicht künftig die leit­liniengerechte Behandlung der OIC aussehen sollte.

Prinzipiell sollten unter jeder Opioid-Behandlung prophylaktisch Laxanzien gegeben werden. Hier kommen osmotische Wirkstoffe wie Makrogol und stimulatorische Laxanzien, zum Beispiel Anthrachinone, infrage. »Diese zielen jedoch lediglich auf die Symptome ab und ihre Wirkung ist selten zufriedenstellend, da sie bei einer ohnehin schon gehemmten Darmmotorik nur unzureichend wirken«, sagte Andresen. Als Alternative könne in der nächsten Stufe zusätzlich das prokinetisch wirksame Prucaloprid verabreicht werden. Doch auch hier sei der Behandlungserfolg schnell selbstlimitierend. An diesem Punkt sieht Andresen nun den Einsatz für den neuen Wirkstoff Naloxegol.

 

Dieser ist ein pegyliertes Naloxon-Derivat aus der Gruppe der peripher wirksamen µ-Opioid-Rezeptorantago­nisten (PAMORA). PAMORA blockieren selektiv die peripheren μ-Opioid­rezeptoren im Gastrointestinaltrakt und wirken so einer Verstopfung entgegen. Durch die Pegylierung kann Naloxegol die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren und gelangt somit nicht ins zentrale Nervensystem. »Die analgetische Wirkung gleichzeitig verabreichter Opioide wird daher nicht beeinflusst«, erklärte Andresen.

 

Als Reserveoption führte die Ärztin bei unzureichendem Ansprechen oder falls die Patienten nicht mehr schlucken können den PAMORA Methylnaltrexon (Relistor®) an. »Es sollte eher als akute Rescue-Medikation verwendet werden, da er subkutan verabreicht werden muss«, begründete Andresen ihre Einordnung. /

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