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Wehrpharmazie

Gute militärische Transportpraxis

28.08.2012
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Von Thomas Budde / Der Transport von kühlpflichtigen/temperatursensitiven Arzneimitteln stellt in Einsatzgebieten mit extremen klimatischen Bedingungen wie Afghanistan das pharmazeutische Personal vor eine echte Herausforderung. Daher fand während des Einsatzes die Fortbildung »Gute militärische Transportpraxis« statt. Ein Erfahrungsbericht.

Die Apotheke des Sanitätseinsatzverbandes im »Camp Marmal« in Mazar-e Sharif (Afghanistan) versorgt als Krankenhausapotheke neben dem Einsatz-Lazarett im Camp Marmal die Bundeswehrapotheken der Rettungszentren Kunduz und Fayzabad sowie die Sanitätseinrichtungen der Bundeswehr in Kabul und Termez (Usbekistan) mit Arzneimitteln und Medizinprodukten. Aber auch die Sanitätseinrichtungen in einigen kleineren Außenposten sowie mobile landgebundene und luftgestützte Rettungskräfte werden von ihr versorgt.

Der Transport von kühlpflichtigen oder temperatursensitiven Arzneimitteln und Medizinprodukten unter militärischen Einsatzbedingungen und über mehrere Tage stellt unter den extremen klimatischen Bedingungen in Afghanistan (extrem heiße Sommer und sehr kalte Winter) für den Sanitätsdienst eine große logistische Herausforderung dar. Es ist nicht nur der lange Transportweg von Deutschland nach Afghanistan, auf dem die Produkte klimatischen Risiken ausgesetzt sind, sondern auch die Transportwege innerhalb Afghanistans, die häufig witterungsbedingt beziehungsweise aufgrund der Sicherheitslage nur verzögert durchgeführt werden können. Hierzu bedarf es sicherer Transportsysteme, die eine mehrtägige zuverlässige Thermoisolation gewährleisten können.

 

Daher wurde während des Afghanistan-Einsatzes eine zweitägige, von der Bayerischen Landesapothekerkammer zertifizierte Fortbildung zum Thema »Gute militärische Transportpraxis« für das pharmazeutische Personal durchgeführt. Organisator, Leiter und Referent der Fortbildung war Oberst­apotheker Dr. Thomas Zimmermann vom Zentralen Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in München (ZInstSanBw MCH), der zu dieser Zeit als Leitender Apotheker im Einsatz in Mazar-e Sharif war.

 

Im Vorfeld hatte das ZInstSanBw MCH eine Studie zur Weiterentwicklung und Eignung verschiedener Kühlsysteme durchgeführt, da Styroporboxen mit handelsüblichen Kühlakkus unter problematischen Umgebungsbedingungen Kühlware über mehr als zwei Tage nicht zuverlässig bei einer Temperatur zwischen 2 und 8 °C halten können. In der Folge wurden neue, passive Kühlsysteme eingesetzt, die diesen Temperaturbereich bis zu 14 Tage halten können.

 

Aktuell setzt der Sanitätsdienst zwei Systeme mit unterschiedlichen Volumina und speziellen Latentwärmespeichern ein. Zusätzlich wird die Temperatur mit einem Datenlogger während des Transportes überwacht und aufgezeichnet. Diese Systeme erfordern aber dennoch ein spezifisches Packregime und Konditionieren der Latentwärmespeicher; das haben die Validierungsuntersuchungen ergeben.

 

Die Fortbildung begann mit praktischen Packversuchen. Hierzu wurden von den Teilnehmern unterschiedliche Boxen (von der üblichen Styroporbox bis hin zu Behältnissen mit Aluhülle und Vakuumisolationspaneelen) mit unterschiedlichen Kühlakkus und La­tentwärmespeichern als Transportbehältnisse für Kühlware präpariert und für den übungsmäßigen Versand vorbereitet. Innen ausgerüstet mit Thermologgern wurden diese Behältnisse über drei Tage in einem ungekühlten Seecontainer eingelagert. Aufgrund der Klimasituation herrschten in diesen Containern Temperaturen > 40 °C, die in etwa auch den realen Bedingungen entsprechen.

 

Das Ergebnis nach drei Tagen: Während die Kühlkapazität der Styroporbox bereits nach wenigen Stunden erschöpft war, wurde bei den validierten Systemen der vorgegebene Temperaturkorridor problemlos eingehalten. Dazu müssen die Latentwärmespeicher zunächst tiefgefroren und danach zur Vermeidung von Kälteschäden auf Kühlschranktemperatur gebracht werden. Zudem sind die Behältnisse möglichst vollständig zu beladen, um größere Luftansammlungen im Innenraum zu vermeiden. Dann werden auch Transporte über einen Zeitraum von bis zu 14 Tagen bei hohen Außentemperaturen (circa 40 °C) möglich. /

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