Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Menschen und Arzneimittel
-
Hitze gefährdet alle

Übermäßige Hitze schadet Menschen. Hitzebedingte Todesfälle und Erkrankungen nehmen zu. Auch manche Medikamente sind hitzeempfindlich – oder lösen neue Gesundheitsprobleme aus. Was können Patienten tun?
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 27.05.2026  18:00 Uhr

»In Europa zeigt sich ein besorgniserregender Anstieg hitzebedingter Sterbefälle«, berichtete Angelina Taylor von der Geschäftsstelle für Klimawandel und Gesundheit, Robert-Koch-Institut, heute bei einer Online-Fortbildung der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände und des Instituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) zum Thema »Hitze & Arzneimittel«. In Deutschland gebe es geschätzt 3000 bis 4000 hitzebedingte Sterbefälle pro Jahr – mehr als Verkehrstote.

Die hitzebedingte Morbidität sei noch schwerer zu erfassen als die Mortalität, so Taylor. Fast ein Drittel der Bevölkerung habe in einer Befragung 2024 über eine (sehr) hohe gesundheitliche Belastung berichtet. »Am stärksten betroffen sind Frauen ab 80 Jahren.« Mit dem Klimawandel werde die Hitzebelastung zunehmend zum Dauerproblem, und die Mortalität werde deutlich steigen, prognostizierte die Expertin.

Taylor nannte direkte Folgen von Hitze wie Dehydrierung, Hitzekrämpfe, -kollaps oder Hitzschlag, die Verschlimmerung von Erkrankungen wie Diabetes, Atemwegsleiden und psychischen Krankheiten sowie vorzeitige Todesfälle, beispielsweise wegen Atemwegs- und kardiovaskulären Erkrankungen.

Daneben gebe es indirekte Folgen. Für Apotheken relevant seien zum Beispiel Fragen zur Arzneimittellagerung und -anwendung, aber auch vermehrte ärztliche Kontakte, die die Patienten dann wieder in die Apotheke führen. Im Extremfall könne die Stromversorgung und damit die Kühllagerung von Medikamenten gefährdet sein.

»Hitze gefährdet alle Personen, aber manche sind vulnerabler und/oder stark exponiert«, so die Expertin. Risikogruppen seien unter anderem Menschen mit Behinderungen oder Vorerkrankungen, ältere oder schwangere Personen sowie Menschen, die im Freien leben oder arbeiten. »Viele unterschätzen ihr eigenes Risiko. Als vertraute Anlaufstelle vor Ort können Apotheken eine Schlüsselrolle in der Prävention übernehmen.«

Mehr von Avoxa