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Metoprolol

»Die AOK wusste, wann wir liefern können«

30.08.2011
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Von Daniel Rücker / Der Generikahersteller Betapharm steht wegen Metoprololsuccinat in der Kritik. Das Unternehmen kann das Rabattarzneimittel noch nicht liefern. Geschäftsführer Michael Ewers hält die Vorwürfe gegen sein Unternehmen dennoch für nicht gerechtfertigt.

PZ: Ab wann werden Sie für Metoprolol lieferfähig sein?

 

Ewers: Das Arzneimittel wird Mitte September im Markt in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.

 

PZ: Sie werden dann den gesamten Bedarf abdecken können?

 

Ewers: Wir werden in jedem Fall die Menge zur Verfügung stellen können, die wir für den AOK-Rabattvertrag brauchen, wahrscheinlich sogar mehr.

 

PZ: Wusste die AOK, dass es mindestens drei Monate dauert, bis Metoprololsuccinat zur Verfügung steht?

 

Ewers: Die AOK-Ausschreibung hat bereits vorgesehen, dass ein Unternehmen auch ein Angebot für ein Medikament abgeben kann, dass noch nicht in den Markt eingeführt ist. Es reicht, wenn es eine Zulassung hat. Wir haben in unserem Angebot deutlich gemacht, dass wir Metoprololsuccinat erst noch produzieren müssen und das dies drei bis vier Monate in Anspruch nimmt. Die AOK wusste, wann wir liefern können. Mit dieser Frist sind wir noch sehr schnell. Eine Markteinführung dauert in der Regel zwischen drei und sechs Monate. Da der Zuschlag erst Mitte Mai erfolgte, war klar, dass wir dieses Medikament frühestens im September liefern können. Wir müssen auch laut Vertrag erst vier Monate nach Start vollständig lieferfähig sein.

 

PZ: Es gab also keine produktionsbedingten, unvorhersehbaren Verzögerungen?

 

Ewers: Nein, knapp vier Monate bis zur Einführung ist ein guter Wert. Schneller konnte es nicht gehen.

 

PZ: Sie sind mit einer ganzen Reihe weiterer Arzneimitteln an der sechsten Rabattrunde beteiligt. Wie steht es hier um die Lieferfähigkeit?

 

Ewers: Wir haben für zwölf Präparate den Zuschlag bekommen. Darunter ist auch Simvastatin. Bei diesen Produkten sind wir marktkonform lieferfähig.

 

PZ: Was bedeutet das?

 

Ewers: Wir können den Markt ausreichend bedienen. Natürlich können wir vorübergehende Lieferschwierigkeiten für einzelne Packungsgrößen nicht vollständig ausschließen.

 

PZ: Wie hätte man das Chaos um die Lieferfähigkeit abwenden können? Solche Probleme sind ja mittlerweile Tradition.

 

Ewers: Das Problem ließe sich ziemlich einfach lösen. Es reicht, wenn zwischen der Vergabe des Auftrags und dem Start des Vertrages drei oder besser vier Monate liegen. Dann hätten die Hersteller ausreichend Zeit, sich zu bevorraten. Beim aktuellen AOK-Vertrag waren es nur zwei Wochen. Die AOK wollte unbedingt im Juni starten, weil Ende Mai ein anderer Rabattvertrag auslief.

 

PZ: Halten Sie die Kritik der AOK an den Apothekern für gerechtfertigt?

 

Ewers: Ich kann das nicht abschließend beurteilen. Ich kann nur sagen, dass in den Rechenzentren rund 30 000 Rezepte angekommen sind für unser Präparat, obwohl dies noch gar nicht im Markt war. Dafür sollten wir den Herstellerrabatt bezahlen, ohne jemals Umsatz generiert zu haben. Das können wir natürlich nicht hinnehmen. Der Großhandel war über die Situation bei Metoprololsuccinat informiert. Ich bin davon ausgegangen, dass er die Information an seine Kunden weitergibt. Ich kann aber nicht sagen, wer woran schuld ist und welche Vorwürfe gerechtfertigt sind.

 

PZ: Glauben Sie, dass das Verhältnis zwischen Apothekern und Betapharm Schaden genommen hat?

 

Ewers: Ich sehe einen deutlichen Imageschaden für Betapharm. Wir werden für die Probleme verantwortlich gemacht und gelten bei Apothekern als derjenige, der die Schuld an den Strafandrohungen der AOK hat. Da werden Vorwürfe laut, wir seien eben ein indischer Hersteller und deshalb unzuverlässig. Dabei wird übersehen, dass wir seit 1993 ein vertrauenswürdiger Partner im deutschen Markt sind. Unser Metoprolol stammt auch nicht aus Asien, sondern von einem spanischen Lohnhersteller. / 

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