Pharmazeutische Zeitung online

Nachgefragt

11.10.2016  11:26 Uhr

Bei Präparaten mit dem Wirkstoff Metoprolol­tartrat gibt es momentan Lieferprobleme. Woran liegt das? Wie gehen Offizinapotheker damit um? Was sagen Hersteller und Großhändler? Die PZ hat sich umgehört.

Ein großes, spürbares Problem ist der Lieferengpass nicht. 50 mg ist noch lieferbar, retard 100 mg von einigen Firmen nicht, retard 200 mg zurzeit gar nicht. Allerdings bekommt kaum jemand 200 mg. In einem Fall war 100 mg nicht lieferbar und nach Rücksprache mit dem Kardiologen wurde Succinat 95 mg verordnet – das war wohl kein Problem.

Dr. Katja Renner

Apotheke am Medizinzentrum

Heinsberg



Die Lieferbarkeit lässt bei diversen Firmen seit vier Monaten sehr zu wünschen übrig, allerdings »nur« bei 100 mg und 200 mg retard oder in der Formulierung mit nullter Ordnung. Auskunft, wann wieder Ware erhältlich sein wird, gibt es nicht und einen Grund nennt man uns ebenfalls nicht. Zunächst haben wir andere Apotheken gefragt, ob dort noch das eine oder andere Präparat an Lager ist. Dann hat der Patient sein Rezept dort eingelöst. Mittlerweile schlagen wir direkt dem Arzt vor, auf 95 mg beziehungs­weise 190 mg des Succinats zu wechseln. Diesem Vorschlag folgt der Arzt zumeist. Noch scheint es beim Succinat keinen Lieferengpass zu geben.

 

Kathrin Müller

Apotheke am Goetheplatz

Bünde



Die Lieferfähigkeit ist seit einiger Zeit sehr durchwachsen. Für uns ist kein »Muster« erkennbar, da je nach Hersteller, enthaltenem Metoprolol-Salz und Großhändler die Liefer­fähigkeit variiert. Bisher konnten wir nahezu alle Patienten in Absprache mit dem behandelnden Arzt versorgen.

 

Dr. Miriam und Dr. Christian Ude,

Stern Apotheke,

Darmstadt



Probleme gibt es nur bei Meto­prolol 100 mg. Die 200 mg und das Succinat bekommen wir. Lieferschwierigkeiten bestehen schon seit März. Angeblich gibt es kein Metoprololtartrat als Substanz auf dem Weltmarkt. Bisher konnten wir immer auf andere Firmen ausweichen. Der Umsatz von Metoprololsuccinat ist um ein Vielfaches größer als der des Tartrats.

 

Dr. Annette Schimpke-Meier

Paracelsus Apotheke,

Heidelberg



Seit mindestens einem halben Jahr sind circa 50 Prozent aller Metoprolol Tabletten nicht lieferbar. Die Hersteller wechseln sich in der Liefer­fähigkeit ab. Vom Großhändler gibt es keinen Liefertermin. Die Firmen können zu 90 Prozent auch nichts Verbindliches dazu sagen. Gründe werden immer neue genannt, auch bei derselben Firma. Wir erklären den Pa­tienten dann, dass wir die Firma wechseln müssen und rufen notfalls den Arzt an, der das Ok dafür gibt. Man findet immer eine Firma, die Metoprolol Tabletten liefern kann. Immerhin gibt es 98 gelistete Präparate.

 

Ludwig Meyer

Wittelsbacher-Apotheke

München


 

NOWEDA: Den Lieferengpass von Präparaten mit dem Wirkstoff Metoprolol können wir bestätigen. Derzeit sind mehrere Häuser der Noweda betroffen. Ursache für den Engpass ist aus unserer Sicht erneut die Rabattvertragspolitik, konkret in diesem Fall die vertragliche Vereinbarung zwischen der AOK und Hexal zum Wirkstoff Metoprolol. Nachdem Hexal nicht in ausreichender Menge lieferfähig war, war ein Ausweichen auf andere Hersteller unumgänglich. Die Folge ist ein Engpass für einen wichtigen Wirkstoff und damit eine erneute Gefährdung einer flächendeckenden Arzneimittelversorgung der Bevölkerung.

SANACORP: Sanacorp ist aktuell bei einer Vielzahl der Metoprolol-haltigen Darreichungsformen verhältnismäßig gut lieferfähig, weil wir uns mit hohem Aufwand bemühen, die eingeschränkte Verfügbarkeit entsprechend zu managen. Insgesamt sind immer wieder gewisse Warenkontingente verfügbar, aber eben leider nicht in ausreichender Menge. Die Hersteller nennen uns keine Begründungen, sondern lassen uns nur wissen, dass sie derzeit nicht lieferfähig sind.

HEXAL: Von den Metoprololprodukten von Hexal sind derzeit von 33 PZNs 27 lieferbar. Bei MetoHEXAL retard (100 mg und 200 mg) haben wir leider Lieferprobleme. Wir haben bei diesen Präparaten eine erfreulich hohe Nachfrage. Das führte leider zu Kapazitätsengpässen. Um diese zu beseitigen, waren Änderungen in den Produktionsabläufen nötig. Diese müssen gemäß allgemein gültigen Qualitätsstandards getestet und bewertet werden. Das ist sehr zeitintensiv und wird noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, schnellstmöglich wieder komplett lieferfähig zu sein und hoffen ab Ende November 2016 die Lieferfähigkeit wieder aufgebaut zu haben.

 

ABDATA: Metoprololtar­trat-haltige Präparate können aufgrund fehlender Übereinstimmung in den Wirkstärken der Metoprololbase nicht gegen Metoprololsuccinat-hal­tige ausgetauscht werden (§ 4 Abs. 1b des Rahmenvertrags nach §129 SGB V). Das heißt: Ist nur eines der Salze lieferbar und der Arzt hat das andere verordnet, muss er die Verordnung abändern oder ein neues Rezept ausstellen, wenn er den Patienten auf das lieferbare Wirkstoffsalz umstellen will.

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