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Biologika bei Rheuma

Auch sinnvoll nach Krebserkrankung

20.08.2014
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Von Sven Siebenand / Es besteht kein Grund, Rheuma-Patienten mit vorherigen Krebserkrankungen die Therapie mit einem Biologikum vorzuenthalten. Zu dieser Einschätzung kommt Dr. Anja Strangfeld vom Deutschen Rheuma-Forschungszentrum in Berlin.

 

Wie aus einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie hervorgeht, bilden Daten des sogenannten Rabbit-Registers die Grundlage für diese Aussage. Rabbit ist die Abkürzung für »Rheumatoide Arthritis: Beobachtung der Biologika-Therapie«.

 

Um das Krebsrisiko zu ermitteln, wertete eine Arbeitsgruppe um Strangfeld die Rabbit-Daten von 367 Patienten mit rheumatoider Arthritis aus, bei denen in der Vergangenheit eine Krebserkrankung diagnostiziert worden waren. Gut ein Drittel hatte während der gesamten Beobachtungszeit nur synthetische Basistherapeutika (sDMARD) erhalten, einem Drittel wurde das Biologikum Rituximab, einem weiteren Drittel TNF-α-Hemmer verabreicht. Das Ergebnis: Gelenkrheumatiker mit einer etwa drei bis sieben Jahre zurückliegenden Krebserkrankung hatten unter einer Biologika-Therapie im Vergleich zur sDMARD-Behandlung kein erhöhtes Risiko für ein Krebsrezidiv. Nicht abschließend geklärt ist laut den Autoren das Risiko für das Auftreten von Hautkrebs unter einer TNF-α-Inhibitor-Behandlung. Bisher liegen wenige Daten vor, die ein leicht erhöhtes Risiko zeigen: zwei zusätzliche Melanome je 10 000 Patientenjahre unter TNF-α-Inhibitor-Therapie, so Strangfeld. In einer aktuellen Studie gingen derzeit mehrere europäische Biologika-Register dieser Frage nach. Die Ergebnisse würden noch in diesem Jahr erwartet.

 

Die Behandlung von Menschen mit entzündlichem Gelenkrheuma, die zudem an Krebs erkrankt sind, ist für Ärzte eine besondere Herausforderung. »Die Aufgabe des betreuenden Rheumatologen ist es, die Krankheitsaktivität zu kontrollieren bei gleichzeitig minimalem Risiko für erneut auftretende Tumore«, sagt Strangfeld. Sie betont aber auch, dass Patienten mit rheumatoider Arthritis per se ein erhöhtes Risiko für verschiedene Krebsarten tragen. So sei zum Beispiel das Risiko für Lungenkrebs im Vergleich zu gesunden Menschen 2,4-fach erhöht, das für Lymphome 3- bis 13-fach, das für Melanome steige um das 1,5-Fache. »Wir empfehlen Patienten mit entzündlichem Gelenkrheuma daher, jährlich das Hautkrebs-Screening in Anspruch zu nehmen, sowie andere Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung wahrzunehmen«, so die Medizinerin. / 

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