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Durchbruchschmerzen

Rapid-Onset-Opioide sind Mittel der Wahl

20.08.2013  14:50 Uhr

Von Ulrike Viegener / Durchbruchschmerzen sind »blitzartig eintretende, extrem starke und nicht selten unerträgliche Exazerbationen« von Tumorschmerzen. So heißt es in einer Praxisleitlinie, mit der die Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie (DGS) zu einer adäquaten Versorgung von Tumorpatienten beitragen will.

Arzt und Patient auf Augenhöhe: Das ist das Leitbild, das die DGS vor Augen hat. Und sie hat diese Vision bei der Erarbeitung zweier neuer Praxisleitlinien, eine zum Tumorschmerz allgemein und eine zu Durchbruchschmerzen, auch umgesetzt. Die Leitlinien sind in Zusammenarbeit mit der Deutschen Schmerzliga sowie der Patientenorganisation chronisch Schmerzkranker entstanden und liegen in einer Arztversion sowie einer Patientenversion vor.

Bis zu 80 Prozent aller Tumorpatienten mit Dauerschmerzen werden tagtäglich von heftigen Schmerzattacken überfallen, obwohl sie eine angemessene Basisanalgesie erhalten. Diese Durchbruchschmerzen, die von den Patienten sehr gefürchtet werden, sind in den meisten Fällen nicht an einen Auslöser gekoppelt und damit nicht vorhersehbar. Sie verhindern maßgeblich, dass Tumorpatienten ein bestmöglich normales Leben führen können.

 

Vorrangiges Ziel müsse es vor diesem Hintergrund sein, die Autonomie Betroffener durch eine maßgeschneiderte Therapie der Durchbruchschmerzen zu erhalten oder wieder herzustellen, so die DGS. Nach optimaler Ausschöpfung der Basisanalgesie mit einem retardierten Opioid seien persistierende Durchbruchschmerzen als eigenständige Schmerzentität zu behandeln.

 

Mittel der Wahl sind hier – im Unterschied zur Basistherapie – nicht retardierte Opioide der WHO-Stufe III, und zwar sogenannte Rapid-Onset-Opioide (ROO). Diese wenden die Patienten bei Einsetzen der Schmerzattacke selbst an. Bereits nach wenigen Minuten erreicht das transmukosal applizierte ROO seine maximale Wirkstärke. Andererseits hält die Wirkung nur kurz an, was ebenfalls den Charakteristika von Durchbruchschmerzen entspricht.

 

ROO, wie im Kommentar zur Leit­linie betont, sind nicht zu verwechseln mit SAO, also »Short Acting Opioids«. Deren träges Profil mit einem Wirkeintritt nach frühestens einer halben Stunde und einer Wirkdauer von mehreren Stunden gehe an den Erfordernissen der Durchbruchschmerz-Therapie vorbei. Dessen ungeachtet, so die DGS, würden die SAO von den Kassen aufgrund der niedrigeren Kosten immer wieder fälschlich als Mittel der Wahl propagiert. /

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