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DocMorris

Fehlstart für Apothekenbus

20.08.2013  18:35 Uhr

Von Anna Hohle und Werner Kurzlechner / DocMorris will Arzneimittel künftig in rollenden Abgabestellen verkaufen. Derzeit fährt ein Prototyp durchs Land, der Werbung für die Forderungen des Unternehmens nach einer Reform des Apothekenrechts machen soll. Gleich am ersten Standort protestierten ortsansässige Apotheker gegen den Bus.

Die Versandapotheke DocMorris macht mit einem Apothekenbus buchstäblich mobil. Seit vergangener Woche zuckelt das Gefährt durch die Republik, um in ländlichen und zum Teil unterversorgten Regionen für die Medikamentenabgabe auf vier Rädern zu werben. Weil diese gesetzlich untersagt ist, zieren den Truck Werbebotschaften und der Slogan »Das könnte Ihre neue Apotheke sein!«. Es handelt sich also letztlich vor allem um eine Reklame-Tour in eigener Sache.

 

Genehmigungen fehlen

 

Ein Dutzend Zielorte sollen angefahren werden, was aber nicht reibungslos klappt. Wie Max Müller, Vorstandsmitglied des niederländischen Unternehmens, während einer Präsentation am Startort Berlin berichtete, haben fünf Kommunen ihre Stellplatzgenehmigungen kurzfristig zurückgezogen ? wohl auf Druck der örtlichen Apotheker. Auf der Tour muss also improvisiert werden.

 

Ausgerüstet ist der Bus nicht mit Arzneimitteln zum Verkauf, wie es das Unternehmen gerne hätte, sondern mit einer Handvoll Flachbildschirmen und einer kleinen Kabine mit Leitung zur Konzernzentrale im niederländischen Heerlen. Via Kopfhörer und Videokonferenz sollen sich Patienten in der schönen neuen DocMorris-Welt multimedial von weit entfernten Apothekern beraten lassen. Durchschau­bares Ziel der ganzen Aktion ist es, den eigenen Namen bekannter zu machen und den in einem Manifest geforderten Änderungen des Apothekenrechts Nachdruck zu verschaffen (lesen Sie dazu auch Grundsatzerklärung: DocMorris wird politisch).

 

Den vorerst als einsamer Prototyp durch Deutschland kurvenden Bus will DocMorris übrigens auch als Kooperationsangebot an die Apotheken vor Ort verstanden wissen. In der Zukunft könne DocMorris mithilfe des Busses in den Dörfern auch die Beratungsleistung für inhabergeführte Apotheken in der Nähe übernehmen, die dann die Medikamente via Bote ausliefern könnten, heißt es. Wirklich ausgegoren erscheint diese Idee allerdings nicht.

 

Im Brandenburgischen Bad Freienwalde, der ersten Station des Apothekenbusses, protestierten ortsansässige Apotheker spontan gegen das Gefährt, das direkt gegenüber einer alteingesessenen Apotheke auf dem Marktplatz Stand bezogen hatte. Den Apothekern fehlt jedes Verständnis für die DocMorris-Aktion, zumal in Bad Freienwalde bereits vier Apotheken bereitstehen, die auch umliegende Gemeinden täglich über Rezeptsammelstellen versorgen. An einem Informationsstand in Sichtweite des Busses suchten die Apotheker deshalb in der vergangenen Woche das Gespräch mit den Bürgern. Man habe den Menschen erklärt, »dass wir vor Ort immer für sie da sind, regelmäßig die Rezeptsammelstellen abfahren und auch unkomplizierter und schneller liefern«, sagte Robert Witzke von der Alten Apotheke in Bad Freienwalde der Pharmazeutischen Zeitung. Die Resonanz der Bad Freienwalder sei durchweg positiv gewesen.

 

Beim Brandenburgischen Apothekerverband (AVB) hält man die DocMorris-Tour nicht nur für überflüssig, sondern auch für gefährlich. »Gerade haben wir Apotheker eine bessere Vergütung des Nacht- und Notdienstes erwirkt, um damit insbesondere die Apotheken auf dem Land zu stärken«, sagte ein Verbandssprecher. Mit den DocMorris-Bussen werde dieser Erfolg ad absurdum geführt. »Dabei werden die Busse wohl kaum für Nachtdienste bereitstehen.« Der Versandhändler wolle mit der Bus-Konkurrenz anscheinend erst die bestehenden Apotheken in Bedrängnis bringen, »um dann das passende Argument von den versorgungsschwachen Regionen an der Hand zu haben«. Das könnte dem Versender schließlich auch politisch nützen.

 

Weitere Stationen

 

Nun bleibt abzuwarten, ob auch die Apotheker an den anderen Stationen des Apothekenbusses Protest-­Aktionen durchführen werden. Nach Kröpelin in Mecklenburg-Vorpommern und Maasholm in Schleswig-Holstein will der Bus DocMorris zufolge an diesem Donnerstag in Timmendorfer Strand und kommenden Montag im niedersächsischen Dannenberg haltmachen. /

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