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Hauptsache forschen

12.08.2015
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Bilharziose, Chagas- und Schlafkrankheit sind Leiden, die in nördlichen Breitengraden bisher nicht vorkommen, in den Tropen aber Millionen Menschen bedrohen. Die allermeisten Betroffenen sind so arm, dass sie für eine Behandlung nichts oder nur sehr wenig bezahlen können. Tropenkrankheiten sind daher für Pharmaunternehmen kein besonders lukra­tives Forschungsgebiet – dachte man bislang. Eine Recherche der PZ zeigt, dass hier erfreulicherweise ein Umdenken stattgefunden hat (lesen Sie dazu Mittel gegen Tropenkrankheiten: Gewinn fürs Image).

 

Der Erfolg eines Arzneimittelherstellers hängt nicht nur von der finan­ziellen Bilanz des Unternehmens ab. Hersteller, die auch für Entwicklungs­länder produzieren, oder solche Unternehmen, die mit natürlichen Ressourcen nachhaltig umgehen, haben im weltweiten Wettbewerb um die besten Köpfe oft bessere Chancen als diejenigen, die nur mit Geld werben können. Das haben viele große Pharmahersteller verstanden und nutzen ihr Engagement gegen Tropenkrankheiten mittlerweile gezielt, um ihr Image aufzupolieren.

 

Hinzu kommt, dass sich aufgrund des Klimawandels einige tropische Krankheiten immer weiter nach Norden ausbreiten, was den Kreis potenzieller Käufer von Gegenmitteln vergrößert (Seite 36). Es gibt also mehrere handfeste Gründe für Pharmafirmen, ihre Forschungstätigkeit in diesem Bereich zu intensivieren. Dass sie es nicht allein aus einer moralischen Verpflichtung heraus tun, macht die erzielten Fortschritte kein bisschen weniger wertvoll.

 

In Amerika verfahren nicht nur Firmen, sondern auch reiche Privatleute oft nach dem Motto »Do good and talk about it« – eine Herangehensweise, über die hierzulande so mancher die Nase rümpft. Warum eigentlich? Bill Gates etwa hat Milliarden Dollar in die Bekämpfung tropischer Krankheiten investiert und damit sehr vielen Menschen das Leben gerettet. Statt sich insgeheim darüber zu beklagen, dass die Forschungsinvestitionen auf dem Gebiet der vernachlässigten Krankheiten noch zu gering ausfallen, sollte man den Herstellern lieber viel Erfolg dabei wünschen.

 

Annette Mende 

Redakteurin Pharmazie

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