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Vitamin D

Kein Einfluss auf Erkrankungen

13.08.2014
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Von Manfred Schubert-Zsilavecz / Ein Zusammenhang zwischen 25-Hydroxy-Vitamin-D-Serumspiegeln und verschiedenen Erkrankungen wird seit Jahren in Wissenschaftskreisen heftig diskutiert.

 

Während Beobachtungsstudien oft auf einen Zusammenhang zwischen niedrigen Vitamin-D-Spiegeln und Krankheiten hindeuten, lässt sich dies in randomisierten Studien meist nicht nachweisen. Die Studienlage präsentiert sich bis heute nicht eindeutig, vielmehr fehlt es an überzeugenden Daten, die eine eindeutige Bedeutung von Vitamin D für einen zweifelsfreien Effekt auf die Gesundheit belegen.

 

In einem aktuellen »Umbrella Review« haben Wissenschaftler 107 systematische Literaturreviews, 74 Metaanalysen von Beobachtungsstudien und 87 Metaanalysen von randomisierten kontrollierten Studien ausgewertet. Dabei analysierten sie die Beziehung zwischen Vitamin D und mehr als hundert Erkrankungen, darunter eine Vielzahl kardiovaskulärer, infektiöser, maligner und Autoimmunerkrankungen. Als Ergebnis zeigte sich, dass bei keiner der untersuchten Krankheiten eine Korrelation zu erniedrigten Vitamin-D-Spiegeln zweifelsfrei nachzuweisen war. Es zeigte sich lediglich eine Tendenz beim Geburtsgewicht, Kariesstatus von Kindern sowie Parathormonspiegel bei Patienten mit Niereninsuffizienz. Auch ein Nutzen konnte die Gruppe um Evropi Theodoratou von der Universität Edinburgh durch Vitamin-D-Supplementierung nicht feststellen, schreiben sie im Fachmagazin »British Medical Journal« (doi: 10.1136/bmj.g2035). /

Kommentar

Unkritische Gabe nicht sinnvoll

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie werden die kontroverse Diskussion um Sinn und Notwendigkeit einer Vitamin-D-Supplementierung weiter anheizen – nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass ein großer Anteil der deutschen und europäischen Bevölkerung die als optimal definierte Serumspiegelkonzentration für 25-Hydroxy-Vitamin-D in Höhe von mehr als 75 nmol/L nicht erreicht. Ein grundsätzliches Umdenken in Bezug auf eine Vitamin-D-Supplementierung ist nach meiner Einschätzung nicht notwendig. Vielmehr gilt auch weiterhin uneingeschränkt, dass eine unkritische Vitamin-D-Gabe nicht sinnvoll ist. Entscheidend ist der Blick auf Risikopersonen (Schwangere oder ältere Menschen in Einrichtungen für Senioren), bei denen im Einzelfall die Messung der Serumspiegelkonzentration von 25-Hydroxy-Vitamin D die Grundlage für eine gezielte Supplementierung bilden sollte.

 

Professor Dr. Manfred 

Schubert-Zsilavecz

Mitglied der Chefredaktion

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