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Gesundheitsreform

Arzneiversorgung ist kein Laborversuch

18.08.2010
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Von Daniel Rücker / Das von der Bundesregierung geplante Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) belastet die Apotheker erheblich. Die ABDA bereitet deshalb Proteste vor.

PZ: Die ABDA verbreitet in der aktuellen PZ ein Plakat, das auf die Auswirkungen des AMNOG hinweist. Warum jetzt?

 

Bellartz: In wenigen Tagen endet die parlamentarische Sommerpause, auch die Ferien gehen zu Ende. Dann startet die heiße gesundheitspolitische Phase rund um das Gesetz und die darin vorgesehenen Belastungen für die Apotheken. Der Zeitpunkt ist sicherlich gut, um zum einen die Apotheken als vom AMNOG Betroffene noch einmal aufmerksam zu machen auf die anstehenden Herausforderungen, gleichzeitig aber auch die Kommunikation Richtung Patienten und Kunden zu starten.

 

PZ: Andere Berufsgruppen wie die Hausärzte starten mit viel mehr Schärfe und sogar mit Praxisschließungen. Ähnliche Forderungen gibt es manchmal auch aus der Apothekerschaft. Was spricht dagegen?

 

Bellartz: Das ist richtig. Wir gehen aber einen anderen Weg. Es ist schwierig, eine Eskalationsstrategie aufzubauen, wenn man gleich mit der höchsten Stufe einsteigt. Im Übrigen halte ich es für schwierig, Patienten in Schutzhaft für eigene Interessen zu nehmen. Während sich die Hausärzte auf ihr Honorar fokussieren, sind unsere Themen durchaus komplexer.

 

PZ: Aber am Ende geht es doch auch ums Geld?

 

Bellartz: Natürlich. Aber die Politik stellt die Honorierung des pharmazeutischen Großhandels um und will sich in diesem Zuge beim Großhandel bedienen. Und der wiederum schiebt alles auf die Apotheken ab. Es ist schwierig, dies den Menschen klar zu machen. Wichtiger wird es deshalb sein, die Folgen einer solchen falschen Entscheidung zu beschreiben. Das tun wir.

 

PZ: Was ist das Ziel der Kampagne?

 

Bellartz: Ich würde unsere Maßnahmen noch nicht als Kampagne beschreiben, sondern als einen Maßnahmenkatalog. Das Ziel ist klar: Die geplante Belastung von bis zu 500 Millionen Euro durch AMNOG und Großhandel muss verhindert werden. Ansonsten droht vielen Apotheken das Aus – und damit drohen im letzten Schritt auch Versorgungsengpässe. Versorgung hat ihren Preis. Diese Nachricht ist als solche zwar schlicht, aber dennoch schwer zu kommunizieren. Denn genau das wird jeder von seiner Leistung behaupten. Wir müssen und werden der Öffentlichkeit und Politik klar machen, dass die Arzneimittelversorgung kein Laborversuch ist, sondern Realität für täglich vier Millionen Menschen.

 

PZ: Was haben Sie geplant?

 

Bellartz: In dieser und den kommenden PZ-Ausgaben erhalten die Apotheken zunächst unterschiedliche Plakate. In dieser Ausgabe mit der Überschrift »Achtung, Nacht- und Notdienst in Gefahr«. Wir sagen den Menschen draußen also, was den Apotheken und im Anschluss womöglich ihnen droht. Zusätzlich platzieren wir schlichte Erläuterungen und bemühen uns, erste Zusammenhänge zu erklären. Ein zweiseitiges Faktenblatt erläutert den Apothekerinnen und Apothekern die Daten und Fakten, unterstützt das Apothekenteam mit Argumentationshilfen, auch für das Gespräch mit Patienten und Kunden.

 

PZ: Damit allein wird es nicht getan sein. Was planen Sie noch?

 

Bellartz: Das werden wir recht kurzfristig entscheiden. Es wäre töricht, den ganzen Maßnahmenkatalog zu veröffentlichen. Aber wir sind darauf vorbereitet, nicht nur unsere Position, sondern auch die massiven Gefahren für die Apotheken und die Versorgung der Menschen zu skizzieren. Ein Gesetz zugunsten einer Handvoll milliardenschwerer Großhandelskonzernen, die am Ende nicht nur den Großhandel, sondern auch die Apothekenstufe kontrollieren – und damit auch den Zugang der Menschen zu Arzneimitteln dirigieren – wird nie und nimmer im öffentlichen, und damit auch nicht im politischen Interesse sein.

 

PZ: Wenn nötig, wird also auch die Kampagne schärfer?

 

Bellartz: Definitiv. Wir werden kein Blatt vor den Mund nehmen. Und wir werden die Interessen der einzelnen Player herausstellen, bis der Letzte verstanden hat, was gespielt wird. /

Thomas Bellartz ist Pressesprecher und Leiter der Stabsstelle Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit bei der ABDA. Seine Aufgabe ist, die Interessen der Apothekerschaft in die Medien zu kommunizieren. Außerdem entwickelt er zusammen mit seiner Abteilung und den Geschäftsbereichen und dem Vorstand der ABDA Kampagnen zu gesundheitspolitischen Themen, die die Apothekerschaft tangieren.

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