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SPD fordert Freigabe der Pille danach

06.08.2014
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Von Stephanie Schersch  / Der Streit um die Freigabe der Pille danach geht in eine neue Runde. Hintergrund ist eine Entscheidung der Europäischen Arzneimittelagentur EMA. Diese hatte zuletzt Daten zu den Wirkstoffen Levonorgestrel und Ulipristalacetat ausgewertet. Das Ergebnis: Ein erhöhtes Körpergewicht hat, anders als bislang angekommen, keinen Einfluss auf die Wirksamkeit der Pille danach.

SPD-Gesundheitsexpertin Mechthild Rawert sieht sich durch diese Einschätzung bestätigt. Immer wieder hätten die Gegner einer Freigabe von Levonorgestrel argumentiert, das Präparat wirke bei Frauen ab einem Körpergewicht von 75 kg unter Umständen nicht mehr und den Verzicht auf eine Beratung beim Arzt als gefährlich bezeichnet. »Mit diesem Mythos ist jetzt Schluss«, sagte Rawert. Levonorgestrel sei unabhängig vom Körpergewicht ein geeignetes Notfallkontrazeptivum. »Ungefährlich für die Gesundheit der Frauen ist es auch.« Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) müsse die Freigabe des Wirkstoffs daher nun per Verordnung umsetzen. »Alles andere ist ein massiver Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Frauen«, so Rawert.

Der Streit um Levonorgestrel schwelt in Deutschland bereits seit Jahren. Die Große Koalition ist in diesem Punkt tief gespalten. Während die SPD vor der letzten Bundestagswahl über eigene Anträge versucht hatte, die Freigabe voranzutreiben, scheut die Union diesen Schritt.

 

Das freut unter anderem die Frauenärzte, die an der Rezeptpflicht in jedem Fall festhalten wollen. Bei ihnen stößt auch die aktuelle Entscheidung der EMA auf Kritik. So stellen der Berufsverband der Frauenärzte und die Deutsche Gesellschaft für gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin die Qualität der untersuchten Studien infrage und führen andere Untersuchungen ins Feld. Die Zuverlässigkeit der Notfallkontrazeptiva lasse demnach mit steigendem Körpergewicht durchaus nach, so die Verbände. /

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