Pharmazeutische Zeitung online
Diabetikerbetreuung

Apotheker testen neue Angebote

07.08.2012  18:48 Uhr

Von Daniel Rücker / Wohl jede Apotheke in Deutschland betreut Diabetiker. Die Betreuung könnte aber insgesamt noch umfassender sein, sagt Professor Dr. Gerhard Riegl. Nach einer von ihm initiierten Untersuchung genießen die Apotheken unter den Patienten eine hohe Wertschätzung. Gleichzeitig gibt es noch Potenzial in der Versorgung. Eine gute Basis für neue Angebote.

Die Zahl der Typ-2-Diabetiker in Deutschland steigt schnell. Zu den derzeit rund 7,5 Millionen diagnostizierten Diabetikern kommen jährlich etwa 300 000 hinzu. Rund 16 Milliarden Euro zahlen die Krankenkassen für deren Behandlung. Mit einer zusätzlichen Betreuung der Patienten ließen sich diese Kosten deutlich senken, sagt Riegl, der das Institut für Management im Gesundheitswesen leitet. Denn Diabetes ist ene chronische Erkrankung, die gut über eine Änderung der Lebensweise beeinflusst werden kann. Riegl setzt hier auf Apotheker. Zusammen mit der Apothekenkooperation Elac hat er den Bedarf und die Akzeptanz für eine intensive Diabetikerbetreuung in Apotheken untersucht.

 

Ohne Honorar keine Leistung

Riegl geht es dabei nicht um Dienstleistungen, die Apotheker schon heute für ihre Patienten erbringen und auch nicht um ein weiteres kostenfreies Angebot, mit dem Apotheker ihr Image stärken. Riegl: »Mit der Untersuchung wollten wir ermitteln, in welchem Umfang wir mit unserem Angebot die Krankheitskosten von Diabetikern senken können. Außerdem wollten wir klären, ob die Apotheker von den Patienten das Kompetenz-Mandat erhalten, diese Aufgabe zu übernehmen.« Mit den Ergebnissen sollten dann Krankenkassen davon überzeugt werden, die umfassende Betreuung der Diabetiker aus den Einsparungen angemessen zu honorieren. Ein kostenloser Service sei ausgeschlossen, sagt Riegl. Erst müsse das Honorar geklärt werden. Mehr Leistung gebe es nur für mehr Geld.

 

Mit der Untersuchung haben Riegl und die Elac-Apotheken in den vergangenen Monaten den Bedarf für neue Leistungen aus der Apotheke ermittelt. Etwa 130 der 400 Elac-Apotheken beteiligten sich an dieser Versorgungsstudie. In einem Fragebogen für Patienten ermittelten sie die Kenntnisse der Diabetiker zu Erkrankung und Behandlung, zur richtigen Lebensweise, der Frequenz der Arztbesuche und der Selbstkontrolle physiologischer Werte. Befragt wurden rund 3000 Diabetiker, die mindestens fünf verschiedene Medikamente gleichzeitig einnehmen

 

Das nun vorliegende Ergebnis offenbarte, warum viele Diabetiker mehr gesundheitliche Probleme haben, als es eigentlich sein müsste. Riegl: »Die Einschätzung des eigenen Wissens liegt deutlich über dem tatsächlichen Kenntnisstand. Manche Patienten gehen viel zu selten zu ihren Ärzten. Jeder zweite Befragte geht zu selten zum Diabetologen, andere zu häufig. Beides lässt die Kosten für die Krankenkassen steigen.«

 

Die Ergebnisse der Umfrage machten auch deutlich, dass die Patienten Apotheken für die richtige und kompetente Anlaufsstelle halten. Die befragten Diabetiker bewerten die Qualität der Apotheken mit der Schulnote 1,6. Damit stehen sie noch vor den Diabetologen (1,8), den Hausärzten (2,0) und den Krankenhäusern (2,2). Noch schlechter schneiden Krankenkassen (2,3) und Versandapotheken (2,6) ab. Nach ihren Wünschen befragt, gab gut die Hälfte der Patienten an, sie würde Angebote der Apotheken in jedem Fall wahrnehmen, 37 Prozent waren sich noch nicht sicher, 12 Prozent haben kein Interesse. 54 Prozent der Patienten gaben an, persönliche Ratschläge der Mitarbeiter seien ihnen wichtig. Rund ein Drittel ist an Vorträgen zu Diabetes in der Apotheke interessiert. Jeder Fünfte würde zu einer Patientenschulung kommen. Nur 10 Prozent der Befragten lehnte diese Leistungen ab.

 

Mit diesen Ergebnissen wollen Riegl und die Elac-Apotheker nun den Krankenkassen Angebote machen, wie sie die Versorgung der Diabetiker durch gezielte Beratung und Betreuung verbessern können. Riegl macht sich keine Illusionen darüber, was die Kassen wollen: »Es kann hier nur um außergewöhnliche pharmazeutische Leistungen über den bisherigen Standard hi-naus gehen. Dabei wird es nicht reichen, die subjektive Zufriedenheit der Patienten zu steigern. Das Einzige, was wirklich zählt, ist eine kurzfristig wirksame Kostensenkung.« Erste Gespräche mit der DAK hat es bereits gegeben. Andere Kassen sollen auch interessiert sein. Allerdings gibt es bislang noch keine Vereinbarung.

 

Auch wenn Riegl das Konzept derzeit exklusiv mit Elac-Apotheken testet, sollen es in der Zukunft alle Apotheken nutzen können. Der Institutsleiter betont auch, dass er keine Konkurrenz zum ABDA-KBV-Modell schaffen will. Dazu sei der Ansatz viel zu klein. Vielleicht könne aber umgekehrt das ABDA-KBV-Modell von den Erkenntnissen der Elac Apotheken profitieren.  /

Mehr von Avoxa