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Arzneimittelimporte

Streit um die Quote

01.08.2018
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Von Stephanie Schersch / Der aktuelle Fall mutmaßlich gestohlener Krebsmedikamente aus Griechenland hat die Diskussion über die Importquote neu entfacht. Dabei kämpfen Apotheker und die AOK ausnahmsweise an einer Front.

Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands (DAV), Fritz Becker, hatte zu Beginn der letzten Woche den Aufschlag in der Debatte gemacht und die Importquote scharf kritisiert. Kurz darauf sprang ihm ausgerechnet Christopher Hermann bei, Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg. Während sich die beiden in Arzneimittelfragen sonst eher selten einig sind, vertreten sie in diesem Punkt ausnahmsweise die gleiche Position. »Die Quote ist ein bürokratisches Monster und trägt zur dringend notwendigen Transparenz im Markt Nullkommanix bei«, so Hermann.

 

Quote seit 2002 verbindlich

 

Die Importquote gibt es seit 2002. Sie verpflichtet Apotheker, mindestens 5 Prozent ihres Umsatzes mit rezeptpflichtigen Fertigarzneimitteln über Importe zu bestreiten. Dabei müssen die entsprechenden Präparate entweder 15 Euro oder aber 15 Prozent günstiger sein als das deutsche Originalpräparat. Den Apothekern ist diese Regelung schon lange ein Dorn im Auge. Sie sorge nicht nur für Bürokratie, sondern gefährde auch die Sicherheit der Patienten, hatte Becker am Dienstag erklärt und damit auf die Vorfälle rund um den brandenburgischen Pharmahändler Lunapharm reagiert (lesen Sie dazu Seite 10). Dieser soll jahrelang gestohlene Krebsmedikamente über eine Apotheke aus Griechenland importiert und hierzulande vertrieben haben. Da bezweifelt wird, dass die Präparate vorschriftsmäßig gelagert wurden, steht die Wirksamkeit der betroffenen Arzneimittel infrage. Das brandenburgische Gesundheitsministerium hat inzwischen einzelne Chargen zurückgerufen.

 

Leider seien Chargenrückrufe bei Importarzneimitteln keine Einzelfälle, so Becker. Grenzüberschreitende Lieferketten erhöhten schlichtweg das Risiko, dass gefälschte oder gestohlene Ware eingeschleust werde. Auch Kassenchef Hermann sieht die Importquote als »Teil des Problems der europaweiten Intransparenz über Versorgungswege«. Insgesamt 7 Millionen Euro habe die AOK Baden-Württemberg im Jahr 2017 über Reimporte gespart, verbunden mit jeder Menge Bürokratie, vor allem aufseiten der Apotheker. Diese sollten ihre Zeit stattdessen lieber in die Beratung der Patienten investieren, so Hermann.

 

Ohnehin sei die Importquote überholt. Denn während es zum Zeitpunkt ihrer Einführung kaum Wettbewerb im Arzneimittelmarkt gegeben habe, seien Marktsituation und Preise heute völlig anders. Hermann führt das vor allem auf die Rabattverträge zurück. Sie hätten die AOK Baden-Württemberg im vergangenen Jahr um ganze 230 Millionen Euro entlastet.

 

Ganz anders sieht das natürlich der Verband der Arzneimittelimporteure Deutschlands (VAD). Die aktuellen Vorfälle hätten nichts mit dem legalen und politisch gewollten Arzneimittelhandel innerhalb der EU zu tun, heißt es in einer Mitteilung. Die Forderung nach einem Ende des Importquote sei »weder sachgerecht noch zielführend und zeugt insgesamt von wenig Marktkenntnis«. Die Quote hätten die Apotheker selbst verhandelt, betonte der VAD. Auch Beckers Sicherheitsbedenken lässt der Verband nicht gelten. Schließlich stehe es den Apothekern jederzeit frei, »bei einem in Zweifel geratenen Anbieter nicht mehr zu bestellen«.

 

Dem AOK-Vorsitzenden Hermann werfen die Importeure vor, mit nicht nachprüfbaren Zahlen zu argumentieren. »Während die Preise für Importarzneimittel aller Wettbewerber jederzeit transparent in der Taxe nachzuvollziehen sind, kennt niemand seine verhandelten Rabattpreise.« Zudem sorgten gerade Importarzneimittel für Wettbewerb und damit letztlich für niedrigere Preise im patentgeschützten Markt. /

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