Pharmazeutische Zeitung online
Stiftung Warentest

Leitungs- und Mineralwasser gleichwertig

03.08.2016
Datenschutz bei der PZ

Von Annette Mende / Wer Kisten schleppt, ist selber schuld. Auf diesen Nenner lässt sich das Ergebnis einer Untersuchung der Stiftung Warentest zur Qualität von Trink- und Mineralwasser in Deutschland bringen. Die Tester prüften für ihre in der Zeitschrift »Test« erschienene Studie Trinkwasser aus 28 Städten und Gemeinden, die 24 deutschen Mineralwässer sowie sechs Mineralwässer aus Frankreich und Österreich. Ihr Fazit: Das Wasser aus dem Hahn ist nicht schlechter als Mineralwasser. Vor allem der hohe Mineralstoffgehalt der Mineralwässer ist häufig ein Mythos.

Leitungswasser ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland und hat eine gute Qualität, heißt es in einer Pressemitteilung der Stiftung. Die untersuchten Proben stammten aus den sechs größten Städten Deutschlands sowie aus den 22 Quellorten, an denen auch die käuflichen Mineral­wässer abgefüllt werden. Alle Leitungswasser-Proben entsprachen den strengen Vorgaben der Trinkwasserverordnung. In einigen Wässern fanden sich zwar Verunreinigungen mit Chemika­lien, namentlich Chrom IV und Uran, Arzneimitteln oder Röntgenkontrastmitteln. Die Konzentrationen waren aber so gering, dass sie als gesundheitlich unbedenklich eingestuft werden.

Es ist offenbar ein Trugschluss, dass Mineralwasser per se reich an Mineralien ist: Von den 30 untersuchten Mineralwässern enthielt fast die Hälfte wenig Mineralstoffe, nur acht hatten höhere Mineralstoff-Gehalte als das mineralstoffreichste Leitungswasser. Sechs untersuchte Mineralwässer waren so stark mikrobiologisch belastet, dass sie für Menschen mit Immunschwäche riskant sein könnten. In diesem Zusammenhang ist wichtig, dass die Tester ausschließlich stille Mineralwässer untersuchten, die anfälliger für Keime sind als mit Kohlensäure versetzte. Für Gesunde ist die teilweise erhöhte Keimbelastung aber ebenso unbedenklich wie Spuren von Pflanzenschutzmitteln und deren Abbauprodukten sowie Süßstoffen, die sich in fünf Mineralwässern fanden. Die Mengen sind laut Stiftung Warentest gesundheitlich unbedenklich, weisen aber darauf hin, dass die Quellen nicht ausreichend geschützt sind.

 

Hubertus Primus, Vorstand der Stiftung Warentest, sagte bei der Präsentation der Ergebnisse: »Leitungswasser ist genauso gut wie Flaschenware, unschlagbar günstig und umweltschonend obendrein.« Ein Liter Leitungswasser koste einen halben Cent, das teuerste getestete Mineralwasser dagegen 70 Cent pro Liter. Allerdings schmeckt Leitungswasser aufgrund der enthaltenen Mineralien nicht überall gleich. Wem das Wasser aus dem heimischen Hahn nicht schmecke, der solle am besten auf ein regionales Mineralwasser umsteigen. /

Mehr von Avoxa