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Pharmatechnik

»Jetzt haben wir einen Wettbewerbsvorteil«

03.08.2010
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Von Daniel Rücker / In den Markt der Apothekenrechenzentren kommt Bewegung. Das Softwarehaus Pharmatechnik will nun für seine Kunden selbst abrechnen. Geschäftsführer Dr. Detlef Graessner erläutert die Beweggründe.

PZ: Pharmatechnik hat vor einiger Zeit in Essen in eigenes Rechenzentrum gegründet. Warum haben Sie das getan?

 

Graessner: In Deutschland gibt es folgende Situation: Die etablierten Rechenzentren VSA, ARZ und NARZ haben vor vielen Jahren Apothekensoftwarehäuser gekauft. Grund war die Erwartung des elektronischen Rezeptes und die damit verbundene Sorge, dass es nach der Einführung der elektronischen Abrechnung und des elektronischen Rezeptes keinen Bedarf mehr für die Rechenzentren mit der Papierabrechnung gibt. Die Kombination aus Apothekensoftwarehaus und Rechenzentrum sollte die Kundenbindung stärken. Pharmatechnik hatte bislang selbst kein Rechenzentrum. Auch wenn das elektronische Rezept noch lange auf sich warten lässt, ist das ein klarer Wettbewerbsnachteil. Den beseitigen wir nun mit der Gründung eines eigenen Rechenzentrums, dem Deutschen Apotheken Rechenzentrum in Essen. Wir sind ein Software-Haus und haben ein eigenes Rechenzentrum dazu gegründet. Im Prinzip sind wir nur den umgekehrten Weg gegangen. Jetzt haben wir sogar einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den anderen Anbietern, denn wir haben 5000 Apotheken mit der gleichen Software und können nun die Warenwirtschaft in den Apotheken mit dem Rechenzentrum perfekt aufeinander abstimmen.

 

PZ: Sie haben das Deutsche Apotheken Rechenzentrum gegründet und arbeiten trotzdem jetzt mit dem Schweriner Rechenzentrum zusammen. Warum?

 

Graessner: Wir wollten möglichst schnell beginnen und haben deshalb auf die über 20-jährige Erfahrung des Schweriner Rechenzentrums als Dienstleister zurückgegriffen, sodass wir in einer hervorragenden Weise unser eigenes Rechenzentrum mit dem Know-how der Schweriner verbinden können.

 

PZ: Wie viele Apotheken rechnen heute schon über das Deutsche Apotheken Rechenzentrum ab?

 

Graessner: Wir haben das Deutsche Apotheken Rechenzentrum vor zweieinhalb Monaten gegründet. Um die ganzen Prozesse durchzuspielen, haben wir im ersten Monat mit einer Apotheke begonnen. Im zweiten Monat, dem Juli, rechneten bereits 11 Apotheken über uns ab. Ab August wird die Zahl wesentlich steigen. Es gibt deutliche Signale aus unserer Kundschaft, dass sich sehr viele Apotheken für diese Dienstleistung interes­sieren.

 

PZ: Pharmatechnik hat heute rund 5000 Kunden. Wie viele, glauben Sie, werden Sie davon für Ihr Rechenzentrum gewinnen können?

 

Graessner: Es ist heute noch zu früh, detaillierte Zahlen zu nennen, aber wir gehen davon aus, dass innerhalb von fünf Jahren circa 1500 Apotheken über uns abrechnen werden. Neben unserem Warenwirtschaftssystem XT und der Neuentwicklung IXOS werden wir das Thema natürlich auch auf der Expopharm vorstellen und mit unseren Kunden die Vorteile diskutieren, alles in Zukunft aus einer Hand zu bekommen.

 

PZ: Bieten Sie die Dienstleistung Ihres Rechenzentrums ausschließlich für Pharmatechnik-Kunden an?

 

Graessner: In den Apotheken, die mit unserer Software arbeiten, besteht eine ganz besonders enge Abstimmung zwischen dem Warenwirtschaftssystem, dem Bedrucken der Rezepte in der Apotheke und dem Rechenzentrum. Deshalb beginnen wir mit den Pharmatechnik-Kunden und werden zu einem späteren Zeitpunkt auch Apotheken anderer Softwarehäuser be­dienen.

 

PZ: Die Zahl der Apotheken in Deutschland wird in den kommenden Jahren nicht steigen und jede Apotheke hat heute schon für ihre Abrechnung einen Dienstleister. Wenn Sie jetzt in den Markt eintreten, können Sie nur auf Kosten der anderen Rechenzentren wachsen. Setzen Sie dabei auf einen Preis- oder Qualitätswettbewerb?

 

Graessner: Zunächst werden wir diese Leistung allen Neugründungen anbieten. Darüber hinaus wird es sicherlich ei­­­nen Leistungs- und Qualitätswettbewerb geben.

 

PZ: Wie viele zusätzliche Mitarbeiter werden Sie für das Deutsche Apotheken Rechenzentrum benötigen?

 

Graessner: Da die gesamte Infrastruktur bereits vorhanden ist, sowohl im Vertrieb als auch im technischen Bereich durch das Schweriner Rechenzentrum, ist der zusätzliche Personalbedarf für das Rechenzentrum außerordentlich gering. Wir gehen von maximal 10 bis 12 zusätzlichen Mit­­arbeitern aus.

 

PZ: Sie arbeiten im Augenblick mit dem Schweriner Rechenzentrum zusammen. Wird es in Zukunft auch noch einen weiteren Dienstleister geben?

 

Graessner: Wir sprechen aktuell mit einem zweiten Anbieter und denken, auch diesen in den kommenden Wochen vorstellen zu können, sodass wir zum einen eine Nord-Süd-Verteilung, aber zum anderen auch die Abrechnungssicher­­­­­­heit für unsere Kunden gewährleisten können.

 

PZ: Sie haben mit der Gründung des Deutschen Apotheken Rechenzentrums sehr viel Wirbel im deutschen Apothekenmarkt ausgelöst. War dies Ihre Absicht?

 

Graessner: Nein, wir haben lediglich unsere hoch spezialisierte Leistung in der Warenwirtschaft der Apotheke mit einem technologisch sehr gut ausgestatteten Rechenzentrum verbunden. Dass daraus im Apothekenmarkt ein Wettbewerb entsteht, kann nur zum Vorteil unserer Kunden sein. / 

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