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Videoapotheke

CoBox vor dem Aus

19.07.2011  17:26 Uhr

Von Stephanie Schersch / Die CoBox AG steht vor der Pleite. Anfang Juli hat der Vertreiber für Videoapotheken Insolvenz angemeldet. Was das für die bereits aufgestellten Beratungsboxen heißt, ist bislang unklar.

Am Amtsgericht Wetzlar wurde am 5. Juli ein Insolvenzverfahren gegen die CoBox AG eröffnet. Das bestätigte ein Sprecher des Gerichts gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung (PZ). Ein Insolvenzverwalter wurde demnach bereits eingesetzt, er wird in den kommenden Wochen ein Gutachten zur wirtschaftlichen Lage des Unternehmens erstellen. Bei der CoBox AG war für eine Stellungnahme niemand zu erreichen – die Verantwortlichen haben sich bis zum 25. Juli in die Betriebsferien verabschiedet.

Die CoBox ist eine kleine Kabine, in der Kunden per Videokonferenz mit einer angeschlossenen Apotheke Kontakt aufnehmen. Rezepte können eingescannt werden, ein Bote liefert die Arzneimittel schließlich aus. Das Ganze ist eine Erfindung des Architekten Ulrich Baudisch, der auch Vorstand der CoBox AG ist. Das Unternehmen aus Waldsolms im Taunus war vor knapp zwei Jahren zunächst erfolgreich gestartet.

 

Das Konzept zog nicht

 

Im Oktober 2009 wurde die erste CoBox in einer Sparkassen-Filiale im hessischen Massenheim eröffnet. Großen Wirbel gab es um die Genehmigung der Videoapotheke. Das zuständige Regierungspräsidium in Darmstadt hatte Bedenken und tat sich schwer mit der Entscheidung. Schließlich erlaubte es die CoBox. Zur Begründung hieß es, die Box werde als Apothekenbetriebsraum gewertet, der dem Versandhandel dient. Die Betreiberapotheke brauchte demnach lediglich eine Versandhandelserlaubnis.

 

Nach Massenheim folgten weitere Standorte. Anfang 2011 verkündete Baudisch in Berlin ein neues Vertriebskonzept: In jedem Land- oder Stadtkreis sollte es einen »Flaggschiffapotheker« geben, der exklusiv alle Standorte in dem jeweiligen Gebiet betreibt (lesen Sie dazu auch PZ 5/2011, Seite 45). Zahlreiche Verträge seien bereits abgeschlossen, erklärte Baudisch damals. Doch offenbar zog das Konzept nicht so gut wie erhofft.

 

Das könnte auch an den hohen Kosten liegen, die Apotheker in eine CoBox investieren müssen. Eine fertig installierte Box kostet zwischen 80 000 und 100 000 Euro. Für Miete und Nebenkosten kommen monatlich knapp 2500 Euro netto zusammen. Damit sich die Investition rentiert, müssen täglich rund 15 bis 20 Kunden in der Videoapotheke Arzneimittel bestellen. Nicht immer ist das der Fall. Zuletzt mussten einige CoBoxen auf dem Land wieder abgebaut werden, weil einfach zu wenige Kunden kamen.

 

Für Baudisch und sein Unternehmen kam die große Ernüchterung mit den zuletzt bekannt gewordenen Eckpunkten für die neue Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO). Denn darin werden Videoapotheken mit keinem Wort erwähnt. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hatte zwischenzeitlich erwogen, audiovisuelle Beratung in die neue ApBetrO aufzunehmen. Damit sollte die Arzneimittelversorgung in strukturärmeren Gebieten gesichert werden. Doch Baudisch wollte seine CoBox nicht nur in unterversorgten Regionen sehen. Inzwischen gibt es sogar eine Videoapotheke im Foyer eines großen Unternehmens in Frankfurt am Main.

 

Unsichere Zukunft

 

Der Schwenk des BMG bei der Apothekenbetriebsordnung könnte der CoBox AG nun zum Verhängnis geworden sein. Denn die Zukunft der CoBox ist politisch betrachtet unsicher. Vieles hängt davon ab, was letztlich offiziell in der neuen ApBetrO stehen wird. Neue Investoren konnte das Unternehmen so zuletzt nicht gewinnen, obwohl der Betrieb Mitte Mai sogar versuchte, über eine Kapitalerhöhung neue Geldgeber an Land zu ziehen.

 

Die Betreiber der bereits laufenden Videoapotheken traf die Insolvenz der CoBox AG ohne Vorankündigung. Apotheker Thorsten Junk aus Marburg zeigte sich enttäuscht über die schlechte Kommunikation. Er habe durch einen Brief vom ­Insolvenzverwalter von der Pleite erfahren, sagte er im Gespräch mit der PZ. »Wir haben die Insolvenz mit keiner Faser gespürt.« Junk war bis vor Kurzem Betreiber der CoBox in einem Medizinischen Versorgungszentrum in Marburg. Dort wurde die Videoapotheke wegen Umbauarbeiten demontiert, soll aber in Kürze an einem anderen Standort wieder aufgestellt werden. Junk wartet derzeit auf die Betriebserlaubnis. Er setzt auf das Konzept der CoBox und glaubt, die Videoapotheke auch ohne die CoBox AG weiterbetreiben zu können. Das Unternehmen, das die CoBox technisch betreut und die Wartung übernimmt, gebe es schließlich weiterhin, sagte Junk.

 

Nur drei Boxen in Hessen

 

Tatsächlich aber ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar, was mit den laufenden Standorten geschieht. Ob der Betrieb der Videoapotheken aufrechterhalten werden kann, wird sich vermutlich erst in den kommenden Wochen im weiteren Verlauf des Insolvenzverfahrens klären.

 

Unsicher ist auch, wie viele CoBoxen es deutschlandweit überhaupt gibt. Die Videoapotheke ist durchaus nicht in jedem Bundesland zugelassen. In Hessen, dem »Vorreiter« in Sachen CoBox, stehen laut Regierungspräsidium in Darmstadt mittlerweile nur noch drei Boxen. Demnach hat es zwischenzeitlich durchaus mehr Videoapotheken in dem Bundesland gegeben, viele hätten jedoch schließen müssen, weil sich der Betrieb nicht mehr lohnte, teilte die Aufsichtsbehörde mit. / 

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