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Angiotensin-Rezeptorblocker

Bei Diabetikern gezielt einsetzen

26.07.2013
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Von Annette Mende / Angiotensin-Rezeptorblocker sind bevorzugte Antihypertonika bei Diabetikern, da sie auch makrovaskuläre Komplikationen verhindern können. Die verschiedenen Vertreter dieser Wirkstoffgruppe sind dabei aber nicht gegeneinander austauschbar. Telmisartan und Valsartan wirken besser protektiv als andere Sartane, wie eine aktuelle kanadische Vergleichsstudie zeigt.

Arzneistoffe, die den Angiotensin-II- Rezeptor (AT) 1 blockieren, haben zwangsläufig viele strukturelle Gemeinsamkeiten, doch unterscheiden sie sich sowohl in Strukturdetails als auch in ihrer pharmakologischen Wirkung. So ist etwa Telmisartan als einziger AT1-Blocker in üblicher Dosierung ein partieller Agonist am Peroxisom-Proliferator- aktivierten Rezeptor γ (PPARγ). Dieser Ligand-gesteuerte Transkriptionsfaktor reguliert den Lipidmetabolismus und die Insulinsensitivität. 

Forscher um Dr. Tony Antoniou der Universität Toronto untersuchten daher in einer populationsbasierten, retrospektiven Kohortenstudie, ob Telmisartan bei Diabetikern kardiovaskuläre Ereignisse besser verhindern kann als andere Sartane (»Canadian Medical Association Journal«, doi: 10.1503/cmaj.121771).

 

Die Wissenschaftler werteten die Daten sämtlicher Bewohner der Provinz Ontario aus, die im Zeitraum zwischen April 2001 und März 2011 66 Jahre oder älter und an Diabetes erkrankt waren und eine Therapie mit Candesartan, Irbesartan, Losartan, Telmisartan oder Valsartan begannen. Insgesamt waren das mehr als 54 000 Patienten. Die Analyse ergab, dass Patienten unter Telmi­sartan, aber auch unter Valsartan seltener aufgrund eines Herzinfarkts, eines Schlaganfalls oder einer Herzinsuffizienz ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten als Patienten, die ein anderes Sartan einnahmen. Zwischen den weiteren untersuchten AT1-Blockern zeigte sich kein signifikanter Unterschied.

 

Zur Prävention kardiovaskulärer Ereignisse sollten Diabetiker daher bevorzugt Telmisartan oder Valsartan erhalten, schlussfolgern die Autoren. Obwohl die Bestätigung ihres Ergebnisses durch weitere Studien noch aussteht, kann man aus ihrer Sicht nicht mehr von einem Klasseneffekt der AT1-Blocker ausgehen. Weitere Forschung ist sicher auch nötig, um zu klären, wie der beobachtete Schutzeffekt von Valsartan zustande kommt. Anders als beim Telmisartan kommt eine PPARγ-Modulation als Erklärung dafür nicht infrage. Er könnte stattdessen auf einer Hemmung der Plättchenaggregation beruhen, die in einer früheren Untersuchung unter Valsartan besonders bei Diabetikern zu beobachten war. /

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