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Fertigarzneimittelseminar Uni Frankfurt

Blut und Gefäße im Fokus

26.07.2013
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Von Nathalie Bylitza / Seit 1995 findet an der Uni Frankfurt zweimal im Jahr vor einem Fachpublikum das Fertigarzneimittelseminar statt. Organisiert und durchgeführt wird das Seminar traditionell vom Abschlusssemester Pharmazie. In Gruppen erarbeiten die Studenten im Laufe ihres letzten Semesters unter der Betreuung eines Hochschullehrers Fachvorträge. »Blut und Gefäße« lautete das Thema des vergangenen Seminars.

Ein Vortrag mit dem Titel »Das Endothel – Ein lange verkanntes endokrines Organ«, gab einen Einblick in Aufbau und Funktion des vaskulären Endothels. Ein besonderer Schwerpunkt wurde hierbei auf das vom Endothel produzierte Stickstoffmonoxid (NO) gelegt. Nitroglycerin-Zerbeißkapseln und Nitrate werden im Körper zu NO metabolisiert und können so ihre gefäßdilatierende Wirkung entfalten. Die Geschichte dieser Medikamentengruppe reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück.

1847 synthetisierte der aus Turin stammende Professor Ascanio Sobrero den Sprengstoff Nitroglycerin. 19 Jahre später gelang es Alfred Nobel, das hochexplosive Nitroglycerin in Form von Dynamit beherrschbar zu machen. Bereits seit 1876 wird Nitroglycerin zur Behandlung von Angina Pectoris eingesetzt, allerdings vergingen noch mehr als 100 Jahre bis der Wirkmechanismus vollständig geklärt werden konnte. Dies gelang im Wesentlichen den drei Pharmakologen Furchgott, Ignarro und Murad. Für ihre Forschungsarbeiten wurden sie 1998 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

 

Ein anderer Vortrag informierte über Leukopenie und Agranulozytose, gefährliche Nebenwirkungen zahlreicher Arzneistoffe. Die Leukopenie ist eine pathologisch verminderte Anzahl an Granulozyten. Die Agranulozytose stellt dabei eine besonders schwere Verlaufsform der Leukopenie dar. Zahlreiche Wirkstoffe können diese Nebenwirkung – wenn auch selten – auslösen. Ein prominenter Vertreter ist hierbei das Analgetikum Metamizol. Zeigt sich eine Agranulozytose anfänglich mit harmlosen grippeähnlichen Symptomen, kann es im weiteren Verlauf zu schweren und lebensgefährlichen Infektionen kommen. Liegt eine Agranulozytose vor, »ist die erste Maßnahme das Absetzen des Medikamentes«, so der Referent Omar Barhoum. Die Agranulozytose bildet sich im Regelfall von alleine zurück. Beim Vorliegen schwerer Infektionen bieten sich Antibiotika, Antimykotika und eine Therapie mit G-CSF an.

 

Eine weitere Gruppe beschäftigte sich mit der Frage, welche Auswirkungen Alkoholkonsum auf die Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen hat. Im Vordergrund standen hierbei besonders folgende Fragen: Was hat es mit dem französischen Paradox auf sich? Ist die Ursache dafür wirklich Rotweinkonsum? Und wenn ja, muss es wirklich Rotwein sein oder können andere alkoholische Getränke den gleichen Nutzen bringen? Die Recherche zeigte: ein regelmäßiger, moderater Alkoholkonsum ist gut für die Gefäße, egal ob Wein, Bier oder Spirituosen.

 

Die Gruppe um Romy Mahler bearbeitete das Thema rund um Mikro- und Makroangiopathien als Spätfolge des Diabetes. Diabetes mellitus gehört zu den meistverbreiteten Krankheiten, doch nicht nur der Diabetes mellitus selbst, sondern auch seine Spätfolgen erfordern eine adäquate Behandlung. Mikroangiopathie sind Mikrozirkulationsstörungen in verschiedenen Organen mit partiellem oder komplettem Funktionsverlust der Arteriolen und Kapillaren. Dazu zählt auch die diabetische Nephropathie, deren stadiengerechte Behandlung vor allem präventive Maßnahmen und bewährte Wirkstoffklassen wie ACE-Hemmer umfassen. Makroangiopathien beschreiben eine progrediente Veränderung der großen Gefäße, vor allem beim Typ-2-Diabetes. Hier gibt es keine diabetikerspezifische Therapie, und es wird auf die Standardblutglucosetherapie zurückgegriffen. /

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