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Sachverständige

Mehr Aufgaben für Apotheker

26.06.2012
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Von Daniel Rücker / Früher hat der Sachverständigenrat für das Gesundheitswesen die Apotheker vor allem als Kostenfaktor gesehen. Das hat sich geändert. Apotheker gelten heute auch in diesem Gremium als wichtiger Teil der Gesundheitsversorgung.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen hat am 20. Juni in Berlin Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr das aktuelle Gutachten mit dem Titel »Wettbewerb an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Gesundheitsversorgung« übergeben. Auf 4 der 473 Seiten kommen Apotheker vor. Bereits mit dem Gutachten von 2009 hatten die Professoren die Integration von Apothekern in die Arzneimittelversorgung bei sektorenübergreifenden Konzepten gefordert.

In ihrem aktuellen Gutachten bleiben die Sachverständigen dieser Linie treu. So bescheinigen sie dem von Apothekern ausgeführten Medikations-Check für multimorbide, ambulante Patienten aus dem Agnes-Projekt in Mecklenburg-Vorpommern ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis. Die Kosten für eine Medikationsüberprüfung lägen bei 26 Euro. Angesichts des Nutzens durch das Vermeiden von Medikationsproblemen sei dies akzeptabel. In dem Gutachten regen die Sachverständigen an, Apotheker sollten Heimbewohner noch intensiver betreuen. Dies gelte vor allem dann, wenn ein pflegebedürftiger Patient nach einem Krankenhausaufenthalt zurück ins Pflegeheim komme. Hier sei eine Überprüfung der Medikation sinnvoll.

 

Kritik an Beratungsqualität

 

Aus Sicht der Sachverständigen sind die Apotheken eine wichtige Informationsstelle für die Patienten. Der Bedarf an Beratung durch die Apotheker steige weiter, weil die Patienten häufiger Selbstmedikationsarzneimittel einnehmen. Im Gutachten wird ebenfalls auf Modellversuche zum Ausbau der Beratung in den öffentlichen Apotheken und zum Medikationsmanagement verwiesen. Es fehlt aber auch nicht der Verweis auf Untersuchungen der Stiftung Warentest, die weiterhin Mängel in der Beratung offenbarten.

 

Trotz des aktuellen Finanzpolsters von Krankenkassen und Gesundheitsfonds in Höhe von rund 20 Milliarden Euro warnen die Experten vor steigenden Beitragslasten für die Versicherten. Schon in der zweiten Hälfte des Jahres 2013 und 2014 ohnehin müsse ein Großteil der Kassen wieder Zusatzbeiträge erheben, sagte Gesundheitsökonom Professor Dr. Eberhard Wille. Die derzeitigen Überschüsse seien eine vorübergehende Erscheinung. Bei der Anhebung des Beitragssatzes auf 15,5 Prozent Anfang 2011 habe man mit einer schlechteren konjunkturellen Entwicklung gerechnet. Wenn man sich die Entwicklung der beitragspflichtigen Einnahmen in den vergangenen Jahrzehnten ansehe, komme man schnell zu dem Ergebnis, dass die finanzielle Situation nicht auf Dauer anhalte. Bundesgesundheitsminister Bahr widersprach allerdings der Prognose, es werde schon 2013 wieder Zusatzbeiträge in größerem Umfang geben und bezog sich dabei auf die aktuellen GKV-Zahlen.

 

Die Sachverständigen gingen in ihrem Gutachten auch auf die Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung ein und kritisierten die Trennung zwischen Arztpraxen und Kliniken. Der stellvertretende Vorsitzende des Sachverständigenrates, Professor Dr. Ferdinand Gerlach, sprach dabei von einer »Mauer zwischen den Sektoren«. Es gebe kaum eine Abstimmung, wenn ein Patient aus dem Krankenhaus entlassen oder dort eingeliefert werde. Nach den Vorstellungen des Sachverständigen sollen Ärzte in Praxis und Krankenhaus, Apotheker und andere Gesundheitsberufe einer Region gemeinsam die Menschen, die dort leben, versorgen. Dafür bekommen sie ein bestimmtes Budget, das nach einem vorher festgelegten Schlüssel unter den Beteiligten aufgeteilt wird. So entstehe für die Leistungserbringer – im Gegensatz zur heutigen Situation – ein Anreiz, Menschen gesund zu machen. Heute sei es dagegen aus ökonomischen Gründen sinnvoller, Menschen krank zu halten.

 

Qualität statt Preis

 

Außerdem fordern die sieben Gesundheitsexperten mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen. Bei diesem dürfe nicht der Preis im Mittelpunkt stehen, sondern die Qualität, so ihre Empfehlung. Dabei seien die Bedürfnisse der Patienten zentral. Das Gutachten fordert deshalb interne und externe Qualitätssicherung sowie die Veröffentlichung der Behandlungsergebnisse von Krankenhäusern und Arztpraxen.

 

Der siebenköpfige Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen berät die Bundesregierung. Das Gremium unter Leitung des Mannheimer Volkswirtschaftlers Professor Dr. Eberhard Wille erstellt alle zwei Jahre ein Gutachten über das Gesundheitswesen. /

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