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ASCO-Kongress

Neue Erkenntnisse zur Brustkrebstherapie

24.06.2008
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ASCO-Kongress

Neue Erkenntnisse zur Brustkrebstherapie

Von Annette Junker, Chicago

 

Osteoanaboles Medikament reduziert Rückfallrisiko, Trastuzumab auch nach Progress wirksam und Vitamin-D-Mangel kann gefährlich sein: Auf dem 44. Treffen der amerikanischen Krebsgesellschaft ASCO vom 31. Mai bis 3. Juni in Chicago stellten Wissenschaftler einige interessante Studienergebnisse vor.

 

Bereits in früheren Studien konnte gezeigt werden, dass die Kombination aus Bevacizumab und Paclitaxel bei Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs die Zeit des progressionsfreien Überlebens verdoppeln konnte. Nun wurde die erste Phase-III-Studie vorgestellt, in der die Kombination von Bevacizumab mit Docetaxel getestet wurde, dem Taxen, das in Europa, Asien und Australien viel verbreiteter ist als Paclitaxel. In der Studie (1) wurden 736 Patientinnen in drei Arme randomisiert: Placebo plus Docetaxel, höhere Dosis Bevacizumab (15 mg/kgKG) plus Docetaxel und niedrige Dosis Bevacizumab (7,5 mg/kgKG) plus Docetaxel. Nach einem medianen Follow-up von elf Monaten zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Tumorprogress in der niedrig dosierten Gruppe 21 Prozent geringer war als unter Placebo, in der hoch dosierten Gruppe sogar 28 Prozent geringer. Auch die Ansprechraten waren im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant besser. In den beiden Bevacizumab-Gruppen kam es zwar häufiger zu Nebenwirkungen, dabei handelte es sich aber überwiegend um einen Bluthochdruck, der gut behandelbar war. Die Studie zeigt, dass die antiangiogenetische Behandlung bei Brustkrebs effektiv und unabhängig davon ist, mit welchem Taxen kombiniert wird, so das Resümee der Forscher. Da es nicht zu einer deutlichen Verstärkung der Toxizität im Vergleich zur Monotherapie mit dem Taxen gekommen sei, sollte diese Kombination in der Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Brustkrebs auch in der Erstlinientherapie demnächst eine Rolle spielen.

 

Trastuzumab auch nach Progress

 

Bisher bestand in der Fachwelt Uneinigkeit darüber, ob Trastuzumab auch nach einem Progress noch weiter gegeben werden sollte oder nicht. In einer Studie wurden nun Her2-positive Patientinnen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs, die zuvor Trastuzumab (mit oder ohne Chemotherapie) erhalten hatten und trotzdem progredient geworden waren, randomisiert: Die eine Gruppe wurde weiter behandelt mit Capecitabin, die andere mit einer Kombination aus Capecitabin und Trastuzumab (2). Über mehr als drei Jahre wurden 156 Patientinnen randomisiert, und im Hinblick auf drei Zielparameter (Ansprechrate, Zeit bis zur Progression und Gesamtüberleben) verglichen. Trotz vorherigem Progress unter einer Therapie, die Trastuzumab enthalten hatte, zeigten sich bei allen drei Zielparametern statistisch signifikant bessere Ergebnisse für die Kombinationsgruppe.

 

Zoledronsäure senkt Rückfallrisiko

 

In einer Studie mit 1803 Brustkrebspatientinnen hat sich gezeigt, dass das Bisphosphonat Zoledronsäure, das eigentlich eingesetzt wird, um Knochenmetastasen zu therapieren, offensichtlich auch einen direkten Einfluss auf das Rückfallrisiko bei Brustkrebs-Patientinnen in einem frühen Stadium hat, die endokrin behandelt werden (3). Die Patientinnen waren nach der Operation zunächst einer Ovarialsuppression mit Goserelin unterzogen worden. Im Anschluss erhielten sie eine antihormonelle Therapie mit dem Antiestrogen Tamoxifen oder dem Aromatasehemmer Anastrozol. Zur Prävention von Knochenabbau bekamen die Patientinnen zudem Zoldedronsäure oder in den Vergleichsarmen nur Tamoxifen beziehungsweise Anastrozol. Bei den Patientinnen kam es unter Zoledronsäure zu einer signifikanten Verlängerung des progressionsfreien Überlebens. Das deutet auf eine eigene Antitumorwirkung von Zoledronsäure hin.

 

Gefährlicher Vitamin-D-Mangel

 

Kanadische Forscher haben erstmals festgestellt, dass sich bei Frauen, die zum Zeitpunkt der Brustkrebsdiagnose einen Mangel an Vitamin D aufwiesen, zu 94 Prozent wahrscheinlicher Metastasen bilden, und die Wahrscheinlichkeit zu sterben um 73 Prozent höher ist (4). Mehr als ein Drittel (37,5 Prozent) der Frauen mit Brustkrebs wies Vitamin D-Spiegel auf, die als »defizient« klassifiziert wurden (< 50 nmol/l), die Spiegel von weiteren 38,5 Prozent wurden als »nicht ausreichend« klassifiziert (50 bis 72 nmol/l). Die Frauen mit defizientem Vitamin D-Spiegel hatten zudem auch aggressivere Tumoren. Nach zehn Jahren waren noch 83 Prozent der Frauen mit adäquatem Vitamin D-Spiegel (> 72 nmol/l) frei von Metastasen und 85 Prozent lebten noch im Vergleich zu 69 beziehungsweise 74 Prozent aus der Vergleichsgruppe mit dem defizienten Vitamin-D-Spiegel. Weitere Studien sollten folgen, bevor Empfehlungen ausgesprochen werden können.

Literatur

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Randomized, double-blind, placebo-controlled, phase III study of bevacizumab with docetaxel or docetaxel with placebo as first-line therapy for patients with locally recurrent or metastatic breast cancer (mBC): AVADO. D. Miles, A. Chan, G. Romieu et al. Proceed. Am. Soc. Clin. Oncol. 2008, abstr. LBA1011

Capecitabine vs. capecitabine + trastuzumab in patients with HER2-positive metastatic breast cancer progressing during trastuzumab treatment: the TBP phase III study (GBG 26/BIG 3-05). G. von Minckwitz, C. Zielinski, E.M. Kaufmann et al. Proceed. Am. Soc. Clin. Oncol. 2008, abstr. 1025

Anti ovarian suppression combined with tamoxifen or anastrozole, alone or in combination with zoledronic acid, in premenopausal women with hormone-responsive, stage I and II breast cancer: First efficacy results from ABCSG-12. M. Gnant, B. Mlineritsch, W. Schippinger et al. Proceed. Am. Soc. Clin. Oncol. 2008, abstr.LBA4

Frequency of vitamin D (Vit D) deficiency at breast cancer (BC) diagnosis and association with risk of distant recurrence and death in a prospective cohort study of T1-3, N0-1, M0 BC. P.J.Goodwin, M. Ennis, K.I. Pritchard et al. Proceed. Am. Soc. Clin. Oncol. 2008, abstr. 511

 

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