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Nicht-interventionelle Studie

Aspirin 500 mg überzogene Tabletten im Alltag

21.06.2016
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Von Christoph Theurer und Uwe Gessner / Die weiterentwickelte 500 mg Aspirin® Tablette (Aspirin® 500 mg überzogene Tablette) zeigte in klinischen Studien im Vergleich zur bisherigen Formulierung einen rascheren Wirkeintritt bei gleichbleibender Wirkdauer und Wirkstärke. Die vorliegende nicht-interventionelle apothekenbasierte Erhebung bestätigt, dass die Anwender auch unter Alltagsbedingungen von der schnellen schmerzlindernden Wirkung der weiterentwickelten Tablette profitieren und sie gut verträglich ist.

Die im Juli 2014 eingeführte weiterentwickelte Aspirin Tablette (Aspirin 500 mg überzogene Tablette) mit Micro­Aktiv-Technolgie enthält den Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) in Form von um 90 Prozent kleineren Wirkstoffpartikeln und Natriumcarbonat als aktiven Zerfallsbeschleuniger. In-vitro-Dissolutionsstudien zeigen eine deutlich schnellere Freisetzung und damit Auflösung des Wirkstoffs dieser Formulierung (2).

Die schnelle Freisetzung der Acetylsalicylsäure führt zu einer rascheren Resorption: Maximale Plasmaspiegel werden unter der weiterentwickelten Formulierung bereits nach 17,5 Minuten erzielt – im Vergleich zu 45 Minuten unter der bisherigen Tablette (2). Von den optimierten pharmako­kinetischen Eigenschaften profitierten die Teilnehmer einer klinischen Studie mit einer deutlich reduzierten Zeit bis zur spürbaren Linderung ihrer Schmerzen (1). Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit der weiterent­wickelten Aspirin-Tablette im Alltag der Patienten fehlten jedoch bisher.

 

Ziel der Datenerhebung in der Apotheke war deshalb die Erfassung von Wirksamkeit und Verträglichkeit sowie des Anwendungsverhaltens bei der Selbstmedikation von Schmerzen und Fieber mit der Aspirin 500 mg überzogenen Tablette. Die Erhebung wurde von Juni bis November 2015 durch­geführt.

 

Apothekenbasierte Datenerhebung

 

An der Studie beteiligten sich deutschlandweit 350 Apotheken. Sie gaben Fragebögen an Anwender aus, die Aspirin 500 mg überzogene Tabletten in einer teilnehmenden Apotheke käuflich erworben und sich zur Teilnahme an der Datenerhebung bereit erklärt hatten. Insgesamt wurden 1457 Fragebogen zurückgeschickt und konnten ausgewertet werden. 48 Anwender wurden aus der Wirksamkeitsanalyse ausgeschlossen, da die Fragebogen keine Angaben zur Schmerzintensität nach der ersten Einnahme enthielten. Das Wirksamkeitskollektiv umfasst somit 1409 Teilnehmer, das Verträglichkeitskollektiv 1457.

 

Die Intensität des Schmerzes wurde mithilfe einer 100 mm langen visuellen Analogskala (VAS) bestimmt. 0 mm stand definitionsgemäß für »kein Schmerz« und 100 mm für »stärksten vorstellbaren Schmerz«. Leichter Schmerz war definiert als VAS < 45 mm, mittelstarker Schmerz umfasste VAS ≥ 45 mm bis < 75 mm und bei starken Schmerzen lag der VAS-Wert ≥75 mm.

PZ-Originalia . . .

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Die Teilnehmer (n = 1409) waren im Mittel 42,5 ± 15,2 Jahre alt, Frauen waren mit 63,5 Prozent in der Mehrheit. 40,9 Prozent der Teilnehmer wendeten das Präparat in der neuen Formulierung zum ersten Mal an, die anderen Anwender hatten bereits Erfahrungen mit dem Präparat. Die Mehrheit der Anwender (70,6 Prozent) bezeichnete ihren allgemeinen Gesundheitszustand als sehr gut oder gut, nur 87 Anwender (5,9 Prozent) bezeichneten diesen als weniger gut beziehungsweise schlecht.

 

Die häufigsten Gründe für die Einnahme des Analgetikums waren Kopfschmerzen beziehungsweise Migräne (59,4 Prozent), Rückenschmerzen (19,1 Prozent) sowie Gelenk- und Gliederschmerzen (14,5 Prozent). Weitere von den Teilnehmern häufig genannte Gründe für die Behandlung waren Erkältungsschmerzen, Kopfschmerzen nach Alkoholgenuss, Nackenschmerzen und Regelschmerzen (Abbildung 1).

Die Angaben der Teilnehmer (n = 1409) zur Dosierung und Anwendungsdauer zeigen, dass sie verantwortungsvoll mit der Selbstmedikation umgehen: 487 Teilnehmer (34,7 Prozent) nahmen zur Behandlung der aktuellen Schmerzepisode nur eine Dosis des Schmerzmittels ein, 65,3 Prozent nahmen die Medikation mehrmals ein. Die mediane Anwendungsdauer betrug 2 Tage (Mittelwert 2,0; Standardabweichung ± 1,5 Tage). Bei der ersten und zweiten Anwendung nahmen die Verwender im Median jeweils eine Tablette ein (Mittelwert: 1,4 ± 0,6 beziehungsweise 1,4 ± 0,7). Die Gesamtdosis zur Behandlung einer Schmerzepisode betrug im Median 3 Tabletten (Mittelwert: 4,6 ± 5,6 Tabletten). 11,2 Prozent der Verwender gaben an, gleichzeitig weitere Analgetika wie Ibuprofen, Di­clofenac, Paracetamol oder Triptane eingenommen zu haben.

 

Rasche und effektive Schmerzlinderung

 

Primärer Zielparameter waren die Zeit bis zum erstmaligen Erreichen einer 50-prozentigen Reduktion des Baseline-VAS-Wertes sowie die Zeit bis zum erstmaligen Erreichen einer Schmerzintensität von 10 mm VAS (= annähernde Schmerzfreiheit). Nach subjektiver Einschätzung der Teilnehmer (n = 1409) waren die Beschwerden vor Beginn der Behandlung der aktuellen Schmerz­episode bei der Mehrheit (90 Prozent) mittelstark bis stark ausgeprägt. Die mediane Schmerzintensität lag bei 65 mm VAS (Mittelwert: 65,1 ± 18,0 mm), was einer mäßig starken Intensität entspricht.

Nach Einnahme von Aspirin 500 mg überzogene Tabletten ging die mittlere Schmerzintensität innerhalb der ersten 20 Minuten erkennbar auf 42,3 ± 24,2 mm VAS zurück (Median 43 mm VAS). 30 Minuten nach Einnahme verspürten die Anwender eine deutliche Schmerzreduktion mit einem Rückgang auf 27,2 ± 23,9 mm VAS (Median 24 mm VAS; Abbildung 2). Die anhand einer Kaplan-Meier-Schätzung errechnete mediane Zeit bis zum Erreichen einer 50-prozentigen Schmerzreduktion betrug 26,4 Minuten (95 Prozent-Konfidenz­intervall: 25,6-27,5; Abbildung 3). Der Anteil an Teilnehmern, die eine 50-prozentige Schmerzreduktion erreichten, stieg im Zeitverlauf an. Den deutlichsten Anstieg gab es dabei zwischen 20 und 30 Minuten. Nach 40 Minuten war der Schmerz bei etwa drei Viertel der Anwender (73,3 Prozent) um die Hälfte reduziert (Abbildung 4). Männer und Frauen sprachen vergleichbar gut auf das Analgetikum an. Die mediane Zeit bis zum Erreichen einer VAS-Schmerzintensität von ≤ 10 mm VAS (weitgehende Schmerzfreiheit) nach der Einnahme des Prüfpräparates lag bei 39,1 Minuten (95 Prozent-KI: 38,0-41,8). Nach 40 Minuten erreichte mehr als die Hälfte (51,2 Prozent) der Anwender eine weitgehende Schmerzfreiheit.

 

Die mittels log-rank-Test errechneten deskriptiven p-Werte für den Vergleich zwischen verschiedenen Subgruppen waren fast immer < 0,05, das heißt, nahezu in allen Subgruppen wurden Unterschiede gefunden. Dennoch waren die numerischen Unterschiede in den geschätzten medianen Zeiten gering. So erreichten Anwender mit geringerer Baseline-Schmerzintensität rascher eine Schmerzreduktion als diejenigen mit mittelstarker oder starker Schmerzintensität. Ebenso trat die Schmerzlinderung rascher ein

 

  • bei Anwendern mit gutem Gesundheitszustand als bei jenen mit weniger gutem,
  • bei Anwendern mit Kopfschmerzen als bei jenen mit anderen Schmerzen,
  • bei Anwendern, die auf die Einnahme weiterer Medikamente gegen Schmerz verzichteten, als bei jenen, die weitere Medikamente einnahmen.

 

Studienergebnisse bestätigt

 

Wurden die Teilnehmer gefragt, wann sie nach der Einnahme den Eintritt der schmerzlindernden Wirkung verspürten, gaben die Verwender im Median 20 Minuten (Mittelwert: 20,7 ± 11,2 Minuten) zu Protokoll. Die mediane Zeit bis zur deutlichen Schmerzreduktion lag bei 30 Minuten (Mittelwert: 32,2 ± 17,3 Minuten). Für die Dauer bis zum Wirkeintritt war es unerheblich, ob die Verwender Aspirin zum ersten Mal einsetzten, oder ob sie bereits mit dem Produkt vertraut waren. Auch zwischen Männern und Frauen gab es keine relevanten Unterschiede. Gleiches galt für die Intensität der behandelten Schmerzen (leicht/mittelstark/stark).

 

Diese Angaben der Anwender stehen im Einklang mit den Ergebnissen einer klinischen Studie, bei der die weiterentwickelte Aspirin Tablette in einer Dosierung von 1000 mg Acetylsalicylsäure bei mittelstarken bis starken postoperativen Schmerzen nach Zahnextraktion zum Einsatz kam. Vergleichsmedikationen in der randomisierten Doppelblind-Studie waren die bisherige Aspirin 500 mg-Tablettenformulierung und Placebo. Die mit der Stoppuhrmethode ermittelte mediane Zeit bis zur ersten wahrnehmbaren Schmerzreduktion lag bei 16,3 Minuten unter der weiterentwickelten Formulierung im Vergleich zu 20,0 Minuten unter der herkömmlichen Formulierung. Die mediane Zeit bis zur deutlich spürbaren Schmerzreduktion betrug unter der weiterentwickelten Aspirin Formulierung 49,4 Minuten, im Vergleich zu 99,2 Minuten unter der früheren Tablette (1).

Fast die Hälfte der Anwender (n = 651) war durch die Schmerzen vor Behandlungsbeginn stark in ihren Tagesaktivitäten beeinträchtigt beziehungsweise nicht in der Lage, die gewöhnlichen Tagesaktivitäten durchzuführen. Zwei Stunden nach der Einnahme von Aspirin 500 mg überzogene Tabletten lagen bei 96 Prozent der Anwender keine oder nur noch eine geringe Beeinträchtigung vor (Abbildung 5). Insgesamt ergab sich bei 81,6 Prozent der Anwender ein Rückgang der schmerzbedingten Beeinträchtigung der Tagesaktivitäten innerhalb von zwei Stunden nach der Analgetika-Einnahme, bei 16,6 Prozent ergab sich keine Verbesserung und bei lediglich 1,9 Prozent ein Verschlechterung.

 

Die schmerzlindernde Wirkung von Aspirin 500 mg überzogene Tabletten hielt in der Regel bis vier Stunden oder länger an. 78,4 Prozent der Verwender gaben eine Wirkdauer von bis zu acht Stunden zu Protokoll.

 

Gute Verträglichkeit

 

Die Gesamtinzidenz unerwünschter Wirkungen war gering: Nur 5,1 Prozent der Patienten (n = 74) gaben Nebenwirkungen an, davon betrafen 4,8 Prozent den Magen-Darm-Trakt (Abbildung 6). Die Nebenwirkungsrate in der vorliegenden Apothekenerhebung lag damit nahezu um die Hälfte niedriger als in einer Metaanalyse vergleichbarer nicht-interventioneller Studien, die mit der bisherigen und weiteren ASS-Formulierungen durchgeführt worden waren. In dieser Metaanalyse wurde eine Gesamtinzidenz von Nebenwirkungen von 10,1 Prozent und von gastrointestinalen Nebenwirkungen von 8,8 Prozent angegeben (4). Die große Mehrheit der Anwender (n = 1132; 80,6 Prozent) beurteilte die Verträglichkeit von Aspirin 500 mg überzogene Tabletten auf einer fünfstufigen Skala mit Note 1 oder 2 (Mittelwert 1,9 ± 0,9; 1 = sehr zufrieden, 5 = nicht zu­frieden).

Die Ergebnisse zur Verträglichkeit stehen auch im Einklang mit der klinischen Studie, die zeigt, dass die weiterentwickelte Formulierung der Aspirin Tablette ebenso verträglich ist wie die bisherige: Das Auftreten von Nebenwirkungen war unter beiden Formulierungen vergleichbar gering wie unter Placebo – auch mit Blick auf gastrointestinale Effekte (1). Diese Untersuchung bestätigt außerdem frühere Studienergebnisse: Eine Metaanalyse, die die Daten aus über 20 Jahren Forschung mit insgesamt 67 Studien und mehr als 13 000 Patienten bündelt, zeigt, dass ASS bei der kurzzeitigen Anwendung im Rahmen der Selbstmedikation gut verträglich ist – mit einer Gesamtrate an unerwünschten Ereignissen auf Placebo­niveau. Zudem erwies sich Aspirin in dieser Analyse als vergleichbar gut verträglich wie Ibuprofen oder Paracetamol (3).

 

Hohe Zufriedenheit

 

Die Zufriedenheit der Anwender mit der Prüfmedikation wurde mithilfe einer fünfstufigen Skala (1= sehr zufrieden, 5 = nicht zufrieden) für die Parameter Schnelligkeit des Wirkeintritts, generelle Wirkung, Schlucken der Tablette erhoben. Die Auswertung zeigt eine hohe Zufriedenheit mit dem Produkt bezüglich des Schluckens der Tablette (Mittelwert 1,8 ± Standardabweichung 0,8 Punkte), der generellen Wirkung (1,9 ± 0,8) und der Schnelligkeit des Wirkungseintritts (2,0 ± 0,8). Der Median für alle Beurteilungen betrug 2,0 (1,9 ± 0,8). Die große Zufriedenheit der Anwender spiegelt sich auch in dem hohen Anteil an potenziellen Wiederverwendern wider: 91 Prozent der Teilnehmer würden das Produkt im Falle einer weiteren Schmerzepisode erneut einnehmen.

 

Fazit

Die weiterentwickelte Formulierung – Aspirin 500 mg überzogene Tabletten – zeigte bei der Behandlung eines breiten Spektrums unterschiedlicher Schmerzarten im Rahmen der Selbstmedikation eine rasche und zuverlässige Wirkung. Für die Reduktion der Baseline-Schmerzen auf 50 Prozent wurde eine mediane Zeit von 26 Minuten errechnet. Die mediane Zeit bis zum erstmaligen Erreichen einer annähernden Schmerzfreiheit (VAS 10 mm) betrug 39 Minuten. Die Anwender gaben im Median eine Zeit von 20 Minuten bis zum ersten Wirkeintritt und von 30 Minuten bis zur deutlichen Schmerzlinderung an. Die Gesamtinzidenz von Nebenwirkungen unter Aspirin 500 mg überzogene Tabletten war gering und die unerwünschten Wirkungen entsprachen dem bereits bekannten Profil. Die Zufriedenheit der Anwender mit dem Analgetikum war hoch. Der Großteil der Anwender (91 Prozent) würden das Präparat bei einer erneuten Schmerzepisode wieder einnehmen. /

 

Literatur

 

  1. Cooper SA, Voelker M: Evaluation of onset of pain relief from micronized aspirin in a dental pain model. Inflammopharmacolgy 2012; 20: 233-242
  2. Voelker M, Hammer M: Dissolution and pharmacokinetics of a novel micronized aspirin formulation. Inflammopharmacology 2012; 20: 225-231
  3. Lanas A et al., Short-Term Acetylsalicylic Acid (Aspirin) Use for Pain, Fever, or Colds – Gastrointestinal Adverse Effects. A Meta-Analysis of Randomized Clinical Trials. Drugs in R&D 2011; 11: 277-288
  4. Gessner U, Petersen-Braun M. Metaanalyse–Aspirin bewährt sich unter Alltagsbedingungen. Pharm Ztg 2008, 153(27): 68-72.

Kontakt

Dr. Uwe Gessner

Bayer Vital GmbH

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E-Mail: uwe.gessner@bayer.com

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