Pharmazeutische Zeitung online
Herzinfarktrisiko

Protonenpumpenhemmer unter Verdacht

17.06.2015
Datenschutz bei der PZ

Von Rolf Thesen / Patienten könnten unter der Therapie mit Protonenpumpenhemmern (PPI) häufiger einen Herzinfarkt erleiden als unter anderen säurehemmenden Arzneistoffen – auch ohne kardiovaskuläre Vorerkrankung.

 

Das legen zumindest die Ergebnisse einer umfangreichen Analyse von Patienten­daten nahe, die kürzlich im Fachblatt »Plos one« veröffentlicht wurden (DOI: 10.1371/journal.pone.0124653).

 

Frühere Studien hatten zeigen können, dass PPI das Endothel der Blutgefäße angreifen. Schon damals war der Verdacht aufgekommen, dass PPI dadurch das Herzinfarktrisiko erhöhen könnten. Um diese Hypothese zu untermauern, analysierten US-Forscher um Professor Dr. Nigam Shah von der Universität Stanford die Gesundheitsdaten von rund 2,9 Millionen Menschen. Es fanden sich insgesamt knapp 300 000 Erwachsene, die wegen Sodbrennens behandelt worden waren. Die Forscher konnten zeigen, dass diejenigen, die PPI wie Omeprazol, Lansoprazol oder Panto­prazol eingenommen hatten, ein deutlich höheres Risiko hatten, später einen Herzinfarkt zu erleiden, als diejenigen, die mit H2-Blockern wie Cimetidin, Ranitidin oder Nizatidin behandelt worden waren. Je nach statistischer Methode lag die Risikoerhöhung bei 16 bis 21 Prozent. Das galt auch für ansonsten gesunde Patienten unter 45 Jahren.

 

Weil die Daten von so vielen Menschen ausgewertet werden konnten, PPI zu den am meisten verordneten Arzneimitteln weltweit gehören und zum Teil auch frei verkäuflich sind, sollten die Bedenken der Autoren ernst genommen werden. Sie selbst fordern allerdings, diese vorläufigen Erkenntnisse in einer weiteren großen klinischen Studie zu bestätigen.

 

PPI sind schon einmal bezüglich kardiovaskulärer Komplikationen in Verdacht geraten, und zwar bei Anwendung an Patienten, die wegen KHK das Blutverdünnungsmittel Clopido­grel einnahmen. Dafür wurde allerdings eine Wechselwirkung verantwortlich gemacht: Einige PPI, vor allem Omeprazol und Esomeprazol, hemmen CYP2C9, das Enzym, das das Prodrug Clopido­grel in den aktiven Metaboliten überführt. Es ist daher zu erwarten, dass die Gabe von CYP2C9-hemmenden Arzneimitteln zu einem Abfall des Spiegels des aktiven Metaboliten von Clopido­grel führt. Die neue Studie konnte jetzt zeigen, dass möglicherweise auch herzgesunde Menschen durch Gabe von PPI gefährdet sind. /

Mehr von Avoxa