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Krebsimmuntherapie

PPI als möglicher Hemmschuh

Protonenpumpeninhibitoren (PPI) wie Omeprazol oder Pantoprazol könnten laut einer neuen Untersuchung die Wirksamkeit von Krebsimmuntherapeutika verringern.
Sven Siebenand
25.01.2022  07:00 Uhr

Ein Team um Dr. Ashley M. Hopkins von der Flinders University in Adelaide, Australien, hat die Auswirkungen von PPI wie Omeprazol oder Pantoprazol bei Patienten untersucht, die sich einer Behandlung gegen metastasierten nicht kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) unterzogen hatten. Entweder kam eine Chemotherapie oder eine Kombination aus Chemotherapie und Atezolizumab zum Einsatz. Der Antikörper Atezolizumab gehört zu den sogenannten Immun-Checkpoint-Inhibitoren, die das Immunsystem für den Kampf gegen Krebszellen wieder aktivieren sollen.

Wie die Forscher im »British Journal of Cancer« schildern, war die Verwendung von PPI bei Patienten, die mit Atezolizumab plus Chemotherapie behandelt wurden, mit einem schlechteren Überleben assoziiert. Bei Patienten, die nur eine Chemotherapie erhielten, war dies nicht der Fall.

»Magenprobleme und Reflux sind bei Krebspatienten häufig, daher ist die Verwendung von Antazida und PPI üblich. Ungefähr 30 Prozent der Krebspatienten verwenden sie, normalerweise über einen längeren Zeitraum«, sagt Hopkins in einer Pressmitteilung seiner Universität. Besorgniserregend sei, dass PPI oft zu häufig oder unangemessen verwendet würden. Bestätigen sich seine Untersuchungsergebnisse, wäre der PPI-Einsatz an dieser Stelle eher schädlich als nützlich.

Wie lässt sich dieser mögliche negative Effekt der PPI erklären? Studien haben gezeigt, dass PPI signifikante Veränderungen der Darmmikrobiota verursachen, was sich wiederum auf den Erfolg der Krebsimmuntherapie auswirken könnte. Wenn nämlich bestimmte Darmbakterien betroffen sind, könnte dies die Effektivität von Checkpoint-Inhibitoren beeinflussen. Weitere Studien sind allerdings erforderlich, um konkrete Aussagen treffen zu können. Möglicherweise sollten Onkologen dann zukünftig den Einsatz von PPI bei Krebspatienten noch stärker hinterfragen.

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