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HPV-Impfung

Günstiger Impfstoff für die Dritte Welt

12.06.2012  14:09 Uhr

Von Eugenie Wulfert, Berlin / Obwohl die HPV-Impfung in Deutschland jedem Mädchen zur Verfügung steht, wird sie bislang nur von wenigen angenommen. Ganz anders ist die Situation in der Dritten Welt: Hier würde der Impfstoff dringend gebraucht, war aber bisher zu teuer. Das soll sich jetzt ändern.

Rund eine viertel Million Frauen stirbt jährlich an Gebärmutterhalskrebs, die meisten davon in Entwicklungsländern. Viele dieser Krebserkrankungen könnten durch Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) verhindert werden. Die Global Alliance for Vaccines and Immunization (GAVI Alliance) will die Bedeutung der HPV-Impfung stärker in das öffentliche und politische Bewusstsein rücken und veranstaltete daher kürzlich in Berlin einen parlamentarischen Abend zum Thema Frauen- und Kindergesundheit in Entwicklungsländern.

 

»HPV-Impfungen sind für Entwicklungsländer besonders wichtig, da Frauen und Mädchen dort nicht über den Zugang zu Screening- und Behandlungsmöglichkeiten bei einer Erkrankung an Gebärmutterhalskrebs verfügen wie Frauen in reicheren Ländern. Es gibt oft nicht einmal eine Schmerztherapie«, sagte Renate Bähr, Geschäftsführerin Stiftung Weltbevölkerung, in Berlin.

 

Häufigste Krebstodesursache in der Dritten Welt

 

Nach Angaben der Weltgesundheits­organisation erkrankt weltweit jährlich rund eine halbe Million Frauen an einem invasiven Zervixkarzinom. Etwa 288 000 sterben daran. Mehr als 85 Prozent der Neuerkrankungen und Todesfälle entfallen auf die Entwicklungsländer. Im südlichen Afrika ist diese Krebsart die häufigste überhaupt und auch die häufigste Krebstodes­ursache bei Frauen. Experten befürchten, dass bis zum Jahr 2030 rund 430 000 Frauen jährlich an Gebärmutterhalskrebs sterben könnten.

 

Die GAVI Alliance hat daher die HPV-Impfung in ihr Finanzierungsprogramm aufgenommen. »Natürlich liegt der Preis, der in den Industrieländern für die Impfung verlangt wird, in Afrika jenseits aller finanziellen Möglichkeiten. Deshalb war es wichtig, die Impfung erschwinglicher zu machen«, sagte Joelle Tanguy von der GAVI Alliance. Seit dem vergangenen Jahr bietet die Organisation eine HPV-Impfdosis für 5 US-Dollar an. »Allerdings wird nicht nur Impfstoff gebraucht, sondern auch eine Infrastruktur, um ihn zu verteilen«, gab Tanguy zu bedenken.

 

Diese Ansicht vertrat auch Dr. Michael Pawlita vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. »Damit eine Impfung erfolgreich ist, reicht es nicht, sie billig zu machen«, sagte der HPV-Experte. Das beste Beispiel dafür sei Deutschland. Obwohl hierzulande die Kosten der HPV-Impfung für Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren von allen Krankenkassen übernommen werden, lässt sich im Durchschnitt nur etwa jedes dritte Mädchen gegen die humanen Papillomaviren impfen.

 

Welche eindrucksvollen Erfolge sich mit hohen Impfraten erzielen lassen, zeigt sich laut Pawlita am Beispiel Australien. Das Land kann aufgrund seines nationalen HPV-Impfprogramms Impfraten von mehr als 70 Prozent vorweisen. Dort habe sich die Anzahl der Neuerkrankungen an Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses bei jungen Frauen unter 18 Jahren fast halbiert.

 

Tragfähige Impfstrategie ist das A und O

 

Die Gründe für die hohen Impfraten liegen nach Ansicht von Pawlita ganz wesentlich in der Organisation des Impfprogramms. In Australien wird die HPV-Impfung im Rahmen des Schul­impfprogramms angeboten. »Damit kann man offenbar eine hohe Akzeptanz bei der Zielgruppe erzielen«, sagte Pawlita. Eine solche Strategie, die hilft, die wichtige Zielgruppe der jungen Mädchen zu erreichen, fehle in Deutschland. Auch in den Entwicklungsländern wird der Erfolg der HPV-Impfung nach Ansicht von Pawlita davon abhängen, ob es gelingt, eine tragfähige Impfstrategie zu entwickeln. / 

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