Pharmazeutische Zeitung online

Euphorie am Kap

15.06.2010
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Tanzende Menschen in den Straßen, bunte, verrückte Outfits und Jubel in den Stadien: Die Bilder aus Südafrika, die wir in den vergangenen Tagen gesehen haben, sind ausgesprochen stimmungsvoll und positiv. Sie zeigen Lebensfreude, die Freude am Fußball und den Stolz einer Nation, die erste Fußball-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden auszurichten. Die WM in Südafrika hat die Pharmazeutische Zeitung zum Anlass genommen, den Kontinent und vor allem das Gastgeberland unter medizinischen und pharmazeutischen Aspekten genauer vorzu­stellen (zur Übersicht).

 

Denn das Land hat in dieser Hinsicht einiges zu bieten. So ist Südafrika eines der artenreichsten Länder der Welt, mit einer üppigen Flora, die für die Pharmaforschung ein ungeheures Potenzial birgt. Nur 38 der 3000 Arten, die zu den traditionellen afrikanischen Heilpflanzen zählen, werden bislang kommerziell genutzt. Dazu gehören einige für deutsche Apotheker sehr vertraute Pflanzen wie die Kapland-Pelargonie, Uzarawurzel und Teufelskralle. Über diese nachwachsende Ressource des Landes berichtet unser Titelbeitrag Heilpflanzen Südafrikas: Zwischen Raubbau und Anbau.

 

Beim Zusammenstellen eines Schwerpunktheftes zum Thema Afrika stößt man aber unweigerlich auf noch ungelöste Probleme. Eines davon ist die immer noch bestehende Ungerechtigkeit in der medizinischen Versorgung, der starke Unterschied zwischen dem gut ausgebauten privaten Gesundheitssystem für die reichen Südafrikaner und dem staatlichen System für den Rest (siehe dazu Südafrika: Große Unterschiede in der Versorgung). Trotz aller Anstrengungen konnten in den 16 Jahren nach Ende der Apartheid die extremen Unterschiede in der Lebenserwartung und Krankheitslast noch nicht beseitigt werden. Ein großes Problem des Landes sowie der gesamten Region südlich der Sahara ist die hohe Müttersterblichkeit (siehe dazu Müttersterblichkeit: Schwanger mit dem Tod). In einigen Ländern bezahlt etwa jede achte Frau die Schwangerschaft mit dem Leben – ein unerträglicher Zustand, der in Europa bislang fast unbeachtet blieb.

 

Doch zum Glück gibt es auch einiges Positives zu berichten, wie etwa die Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe gegen Malaria (siehe dazu Malaria: Partnerschaften für neue Medikamente), den verstärkten globalen Kampf gegen diese Parasitenerkrankung (siehe dazu Malaria: Zurückdrängen ist Programm) und neue Möglichkeiten, Arzneimittelfälschungen in Entwicklungsländern schnell und preiswert identifizieren zu können (siehe dazu Arzneimittelfälschungen: Hilfe für Apotheken in Afrika). Bei allen Problemen gibt es also auch Hoffnung auf eine bessere Zukunft in Südafrika und auf dem gesamten Kontinent. Die Euphorie am Kap und das derzeitige starke Interesse an Afrika können dazu beitragen, diese positiven Entwicklungen zu verstärken.

 

Christina Hohmann

Ressortleitung Medizin

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