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Gefährlicher Geiz

02.06.2015
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Nein, Geiz ist nicht geil. Selbst die Elektromarkt-Kette Saturn, die diesen Werbeslogan über Jahre verwendete, hat dies erkannt. Seit 2011 wirbt sie nicht mehr damit. Das ist gut, denn Geiz ist überhaupt nicht geil. Geiz kann sogar gefährlich sein, zum Beispiel im Gesundheitswesen, wenn die Kontrolle der Kosten wichtiger wird als eine maximal sinnvolle Versorgung der Patienten.

 

Ein schlechtes Beispiel dafür ist das Gezerre um den Medikationsplan. Anstelle Gas zu geben bei dem Projekt, drückt die Bundesregierung auf die Kostenbremse. Nach einigem Hin und Her sind die Apotheker nach dem aktuellen Gesetzentwurf zum E-Health-Gesetz kaum noch daran beteiligt (lesen Sie dazu E-Health-Gesetz: Apotheker in der Nebenrolle). Der Hausarzt soll den Medikationsplan ausfüllen, die Fachärzte werden noch als Beteiligte erwähnt. Den Apothekern bleibt, den Medikationsplan zu ergänzen »soweit Veranlassung dazu besteht«. Eine sinnvolle Kooperation zwischen Ärzten und Apothekern sieht anders aus.

 

Medikationsplan weitgehend ohne Apotheker? Geht das denn? Natürlich nicht, das ist klar, und das weiß ganz sicher auch die Bundesregierung. Ohne Apotheker ist der Medikationsplan löchrig wie ein Schweizer Käse. Die vom Patienten in der Apotheke selbst gekauften Arzneimittel können nur vom Apotheker zuverlässig in den Plan geschrieben werden; die von Fachärzten initiierte Medikation kennt der Apotheker ganz sicher besser als der Hausarzt; ein Medikationsplan ist nur dann wirklich sinnvoll, wenn auch eine Analyse der Medikation eines Patienten gemacht wird. In diesem Dickicht von Interaktionen und anderen Arzneimittelrisiken findet sich niemand besser zurecht als die Apotheker.

 

All dies weiß auch das Bundesgesundheitsministerium (BMG) und vermutlich sogar die Krankenkassen. Natürlich erwarten sie, dass die Apotheker diese für sie prädestinierte Aufgabe übernehmen. Kosten darf es aber nichts. Die vom BMG gewählte Formulierung, der Medikationsplan sei für die Apotheker Teil der Beratung, sagt genau das. Genauso gut könnte man Zahnärzten auferlegen, bei der jährlichen Prophylaxe gleich noch kostenlos Zahnplomben zu erneuern. Dahinter steckt viel Zynismus. Der gehört nicht ins Gesundheitswesen, genauso wenig wie Geiz.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur

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