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Pharmacon Meran 2007

Zur Beratung gehört auch das Abraten

04.06.2007  15:59 Uhr

Pharmacon Meran 2007

Zur Beratung gehört auch das Abraten

Von Hartmut Morck, Meran

 

Rund 700 Teilnehmer konnte Magdalene Linz zum 45. Internationalen Fortbildungskurs für praktische und wissenschaftliche Pharmazie der Bundesapothekerkammer in Meran begrüßen. In ihrer Begrüßungsansprache ging die BAK-Präsidentin auch auf die jüngsten Entwicklung im Apothekensektor ein und zog eine Bilanz der aktuellen Gesetzgebung.

 

In den vergangenen 15 Jahren waren die Apotheker von fast allen Gesetzgebungsverfahren betroffen. In den zwei Gesetzen der jüngsten Vergangenheit, dem GKV-Modernisierungsgesetz (GMG) und dem Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz (AVWG) gab es für die Apothekerschaft auch positive Ansätze, indem die Position der Apotheker als Heilberuf gestärkt wurde, so die BAK-Präsidentin. Dieser Weg sollte allerdings im GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG) ursprünglich wieder verlassen werden. Es habe viel Überzeugungskraft gekostet, dass der eingeschlagene Pfad von der Politik fortgesetzt und keine Höchstpreise für verschreibungspflichtige Arzneimittel auf der Apothekenebene eingeführt wurden. Trotzdem habe auch dieses Gesetz wirtschaftliche Einbußen für die Apotheken gebracht. Linz ist davon überzeugt, dass die wirtschaftliche Belastung der Apotheken inzwischen eine unzumutbare Grenze erreicht habe.

 

Kritisch setzte sich die BAK-Präsidentin mit den Rabattverträgen auseinander. Die Apotheker unterschützten deren Umsetzung und leisteten damit auch einen Beitrag zu den Sparbemühungen im Arzneimittelbereich. Allerdings bereiten vor allem die Rabattverträge der AOK Schwierigkeiten. Sie seien nicht praktikabel und würden zu unnötigen Diskussionen mit den Patienten führen. Mit pharmazeutischer Beratung habe dies nichts mehr zu tun. Nur praktikable Regelungen ermöglichten eine vernünftige Versorgung der Patienten ohne Zeitvergeudung durch übermäßige Bürokratisierung.

 

Die BAK-Präsidentin ging auch auf das Engagement von Celesio bei DocMorris ein. Damit wolle Celesio nicht mehr nur als Großhandel mit den Apotheken Geschäfte machen, sondern stelle sich in Konkurrenz zur inhabergeführten Apotheke. Dass der Europäische Gerichtshof das Verbot von Fremd- und Mehrbesitz für rechtswidrig erklärt, sei nicht sicher. Die Politik in Deutschland ist zurzeit auch nicht bereit, von der Regelung Abschied zu nehmen. Deutschland habe ohnehin mit der Niederlassungsfreiheit das liberalste System in Europa. Es sei außerdem ein Irrglaube, dass der EuGH, sollte er das Fremd- und Mehrbesitzverbot für rechtswidrig erklären, nur den Apotheken nahe stehenden Unternehmen erlauben würde, Apothekenketten zu betreiben.

 

Auch die Hoffnung, dass eine Niederlassungsbeschränkung mit der Aufhebung des Verbotes möglich wäre, nannte Linz unrealistisch. Abgesehen davon scheint der Fremd- und Mehrbesitz in einigen EU-Staaten an Charme verloren zu haben. So gibt es in Polen die Absicht, ihn wieder rückgängig zu machen. Die ABDA, so die BAK-Präsidentin, wird sich weiterhin mit aller Kraft für den Erhalt des Verbotes von Fremd- und Mehrbesitz einsetzen.

 

Dem Streben der Politik, die Position des Apothekers als Heilberuf zu stärken, sollte der Berufsstand mit eigenen Maßnahmen Rechnung tragen. Dazu zählte Linz die Vertraulichkeit beziehungsweise die Diskretion bei der Beratung, die auch von der Bevölkerung gewünscht würde. Sie müsse in den Apotheken umgesetzt werden. In einem ersten Schritt würden einfache Mittel schon ausreichen. Auch die Inhalte der Beratung und der Information über Arzneimittel müssen verbessert werden. Darin liege das Alleinstellungsmerkmal der Apotheken. Zur Beratung gehöre auch das Abraten. Dies sei eine vertrauensbildende Maßnahme. Darin liege auch die Begründung für die Apothekenpflicht bei nichtrezeptpflichtigen Arzneimitteln. Die BAK will in Zukunft ihre Kongresse auch dazu nutzen, über den aktuellen Stand der Bewertung von bekannten Arzneimittelgruppen zu diskutieren.

 

Auch in den Rezepturen haben die Apotheken ein Alleinstellungsmerkmal. Immerhin würden pro Jahr 20 Millionen Rezepturen in den Apotheken hergestellt. Dazu seien Versandapotheken nicht in der Lage. Dieses Pfund solle man nicht leichtfertig in Frage stellen. Es dürfe auch keine Abrüstung im Labor stattfinden. Das Labor müsse als Eigenschutz der inhabergeführten Apotheke angesehen werden.

 

In seinem Grußwort berichtete der Präsident der Apothekerkammer der Provinz Bozen, Dr. Maximin Liebl, dass in Italien das Monopol der Apotheken bei OTC-Arzneimitteln »in einer Nacht-und-Nebel-Aktion« aufgehoben und auch die Preise frei gegeben wurden. Den Supermärkten sei es zukünftig erlaubt, Arzneimitteln zu verkaufen, was sie auch zu deutlich niedrigeren Preisen tun. Einzige Bedingung, es muss ein Apotheker anwesend sein. Bisher würde die Möglichkeit von der Bevölkerung nur wenig angenommen. In Südtirol habe bisher noch kein Supermarkt eine »Apothekenecke« eröffnet.

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