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Pharmacon Meran

ABDA-Spitze stellt sich der Diskussion

27.05.2008
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Pharmacon Meran

ABDA-Spitze stellt sich der Diskussion

Von Hartmut Morck, Meran

 

Die Versandhandelsinitiative und das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum Fremdbesitzverbot waren zwei Themen der berufspolitischen Diskussion. In beiden Fällen sehen die Standesvertreter Chancen für eine Entscheidung im Sinne der Apotheker.

 

Nach längerer Zeit wurde die berufspolitische Diskussion auf dem Pharmacon Meran in diesem Jahr wieder aktiviert. Unter der Moderation von Karin Graf, Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes der Bundesapothekerkammer (BAK) und Vizepräsidentin der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg, stellten sich neben der Präsidentin der Bundesapothekerkammer, Magdalena Linz, ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf, der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands Hermann Stefan Keller und die ABDA-Geschäftsführer Dr. Christiane Eckert Lill und Karl-Heinz Resch den Fragen der Kongressteilnehmer.

 

In der offenen Diskussion wurden zunächst mehrere Fragen nach der EU-Potitik und dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) gestellt. Hier wurden die Ängste der Apothekerinnen und Apotheker vor einer Deregulierung und Liberalisierung sowie einer Konzentration deutlich. Wolf betonte in seiner Antwort, das Urteil des EuGH könne nicht vorhergesagt werden. Die Bundesregierung stehe allerdings auf der Seite der Apotheken. Sie wolle Fremd- und Mehrbesitz in Deutschland nicht haben. Den Vorwurf, die ABDA spreche zu wenig mit den Parteien, konnte Wolf eindrucksvoll mit Fakten widerlegen.

 

Auch der von Kollegen initiierte Preiskampf unter den Apotheken wurde angesprochen. Linz bewertete die zurzeit existierenden Konzepte nicht. Eines sollte aber bedacht werden. Die Beratung dürfe in keinem Fall darunter leiden. Sie sei der Garant für den Erhalt der Apothekenpflicht der Selbstmedikationsarzneimittel.

 

Einige Apotheker fragten nach der Honorierung neuer Leistungen, die den Apotheken abverlangt würden. Keller kündigte eine Analyse darüber an, was mit dem Apothekenaufschlag von 8,10 Euro abgedeckt sei. Ein Medikationsmanagement in den Apotheken sei sicher zusätzlich honorierungsfähig. Apotheken seien eben nicht nur Arzneimittelabgabestellen, sondern Problemlöser in Arzneimittelfragen. Sie leisteten also mehr für die Gesellschaft. Auch Einsparungen, die durch die Leistung des Apothekers erreicht würden, sollten honoriert werden, so die Meinung des Plenums.

 

Natürlich waren auch die Rabattverträge Gegenstand der Diskussion. Noch einmal wurde die Forderung aus dem Publikum gestellt, dass Rabatte offengelegt werden müssten, um Transparenz über die Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu schaffen. Keller verstärkte diese Forderung mit der Ergänzung, nur echte Zahlen, keine Schätzungen, könnten Transparenz schaffen. Er setze auf die Ankündigung des Bundesgesundheitsministeriums, die Einsparungen in Zukunft separat darzustellen. Keller ist darüber hinaus weiterhin der Meinung, dass die von der Apothekerschaft entwickelten Zielpreise die bessere Lösung seien. Resch ergänzte, dass die Kassen ab 2009, wenn gleiche Beiträge erhoben und ein gleicher Leistungskatalog für alle Kassen gültig wird, stärker auf Patientenzufriedenheit setzen müssten. Das sei eine neue Chance für die Zielpreise.

 

Auf die Frage, was aus der Initiative des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministers Karl-Josef Laumann bezüglich des Verbotes des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimittel geworden sei, wurde von den ABDA-Vertretern geantwortet: Sie werde weiter diskutiert, es bestehe Hoffnung.

 

Bei den pharmazeutischen Themen wurde nach dem Beschluss der Apothekerkammer (AK) Westfalen-Lippe, eine Pflichtfortbildung einzuführen, über eine bundesweite Einführung diskutiert. Nach der Vorstellung des Konzeptes durch den Präsidenten der AK Westfalen-Lippe, Hans-Günter Friese, kündigten die BAK-Vertreter auf dem Podium an, der Vorstoß von Westfalen-Lippe werde auf der Bundesebene in den nächsten Monaten intensiv diskutiert. Auch die Frage, ob Pflichtfortbildung und QMS in die nächste Apothekenbetriebsordnung aufgenommen würden, stehe an.

 

Flexible Arbeitszeiten

 

Kein Patentrezept gibt es nach Meinung von Eckert-Lill, um den Mangel an Pharmazeuten zu beheben. Neue Konzepte sollten allerdings zum Ziel haben, mit flexiblen Arbeitszeiten Familie mit dem Beruf vereinbar zu machen.

 

Die schriftlich eingereichte Forderung, PTA als befristet Vertretung für den Apotheker zuzulassen, wurde von Linz kategorisch abgelehnt. Weitere Fragen drehten sich um die Steuerzahlungen und die Erhebung von Zuzahlungen ausländischer Versandapotheken. Hier sind die Berufsvertretungen allerdings nicht die richtigen Ansprechpartner, darüber entscheiden letztlich die Gerichte.

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