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Pharmacon Meran

Quo vadis Apotheke?

04.06.2013
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Von Brigitte M. Gensthaler und Sven Siebenand / Die berufs­politische Diskussion im Rahmen des Fortbildungskongresses Pharmacon in Meran stand unter dem Motto »Weiterentwicklung der pharmazeutischen Berufsausübung und der Apotheken«. Haupt- und Ehrenamtler standen unter anderem zu den Themen Apothekenbetriebsordnung, Medikationsmanagement und Ausbildung Rede und Antwort.

In seinem Eingangsreferat nannte der Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), Andreas Kiefer, wichtige Ziele für die nahe Zukunft. Dazu gehören die Fortschreibung des Leitbildes vom Beruf Apotheker und die Weiterentwicklung der pharmazeutischen Dienstleistungen. Letztere, so Kiefer, sollen sich immer an der Verbesserung der Arzneimittelversorgung orientieren. Weitere wichtige Ziele seien der Ausbau der Qualifizierung aller Apothekenberufe, die Gewinnung von Nachwuchs und die Förderung des Wiedereinstiegs.

Kiefer betonte, dass pharmazeutische Bedenken in den Apotheken bisher noch zu selten geltend gemacht werden. Deshalb will die BAK Vorschläge erarbeiten, wie in Apotheken mit pharmazeutischen Bedenken umgegangen werden soll. Auch um eine sogenannte Aut-idem-Verbotsliste und das Handling von Interaktionen wolle man sich konkret kümmern. Zudem hält es Kiefer für notwendig, organisatorische und strukturelle Voraussetzungen für ein Medikationsmanagement zu schaffen und die Kommunikation zwischen Apothekern und Ärzten zu intensivieren. Vor Ort funktioniere die Kooperation zwar oft sehr gut. Dennoch müsse man der interdisziplinären Zusammenarbeit auch auf höherer Ebene eine Struktur geben.

 

Trotz bestimmter Widrigkeiten bewertet Kiefer die neue Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) positiv, da sie die heilberufliche Kompetenz des Apothekers stärke. Diese Auffassung unterstrich Gabriele Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe und Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der BAK. Sie räumte ein, dass die ApBetrO auch Punkte enthält, mit denen man nicht zufrieden sein kann. Auf der anderen Seite gebe es aber viele Dinge, die die Position der Apotheker unanfechtbar machen und die Alleinstellungsmerkmale des Heilberufes herausarbeiten.

 

Moderatorin Karin Graf aus dem Geschäftsführenden Vorstand der ABDA stellte allerdings fest, dass nicht alle Kollegen diese Euphorie für die neue ApBetro teilen und bezog sich dabei auf Diskussionsbeiträge aus dem Auditorium und zuvor von Kongressteilnehmern eingereichte Fragen. So wurden zum Beispiel die jährlichen Kosten kritisiert, die sie den Apotheken beschert, und der »wahnwitzige« Rezepturaufwand von Apothekern. Kiefer räumte ein, dass die Rezeptur aus wirtschaftlicher Sicht leider defizitär sei, aus Patientensicht sei sie aber sehr wichtig. Am Verordnungstext werde sich auch nichts mehr ändern.

 

Als wahnwitzig wollte er die neuen Anforderungen zur Rezepturherstellung nicht bezeichnen. Er sprach stattdessen von Mehraufwand. Aus seiner Sicht ist es wichtig, dem pharmazeutischen Personal bei Problemen Hilfestellung zu leisten und Wege aufzuzeigen, wie es unter Umständen einfacher und schneller geht. Kiefer zufolge wird es im Herbst vonseiten der DAC/NRF-Kommission eine Lösung geben, die die Rezepturherstellung deutlich vereinfacht.

 

Datensicherheit der Gesundheitskarte

 

Weitere Diskussionspunkte waren auch die elektronische Gesundheitskarte (EGK) und die Datensicherheit. Die EGK werde vorangetrieben, versicherte ABDA-Geschäftsführerin Christiane Eckert-Lill und warb gleichzeitig für Vertrauen. Dem Datenschutz komme dabei hohe Priorität zu: In der Gesellschaft für Telematik-Anwendungen der Gesundheitskarte seien ausreichend Experten für Datensicherheit tätig, sagte sie. Auf massive Bedenken aus dem Auditorium, dass zentral oder in einer Cloud gespeicherte Daten nicht sicher seien, betonte Gabriele Overwiening: »Die Datenhoheit muss beim Patienten bleiben.« Es wäre eine Katastrophe, wenn »nicht legitimierte Datenjäger« auf Gesundheitsdaten zugreifen könnten.

 

Bezogen auf die Frage nach der Zukunft des Apothekerberufs bekräftigte BAK-Präsident Kiefer: »Wir wollen die patientenorientierte Pharmazie.« Die BAK werde Hilfen und Handlungsempfehlungen erarbeiten, pharmazeutische Dienstleistungen wie das Medikationsmanagement müssten dann vor Ort erbracht werden. Kiefer forderte jedoch auch wirtschaftliche Anreize für die Erfüllung dieser anspruchsvollen Aufgabe.

 

Doch längst nicht alle praktisch tätigen Apotheker haben in ihrer Ausbildung Klinische Pharmazie gelernt. Nach Angaben von BAK-Vizepräsident Thomas Benkert bieten die Landesapothekerkammern daher jetzt Fortbildungen an, in denen die Kollegen das nötige Wissen für das Medikationsmanagement erwerben können. Seiner Ansicht nach müsse jede Apotheke diese Leistung für Patienten mit Polymedikation erbringen können. Dafür seien gute Organisation und Kompetenz unerlässlich – aber auch der finanzielle Rahmen.

 

Ob die Ausbildung der Apotheker grundlegend verändert werden sollte oder muss, blieb offen. Eckert-Lill plädierte dafür, zunächst berufsintern über das Berufs- und Leitbild der Apotheker zu diskutieren. Dann erst könne man über eine etwaige Änderung des Studiums nach dem »Y-Modell« nachdenken, also einer Spezialisierung nach dem Grundstudium. Einem »Bachelor-Apotheker« erteilte sie erneut eine klare Absage. Die universitäre Qualifikation des Apothekers müsse der des Arztes entsprechen.

 

Klinische Pharmazie stärken

 

Einig waren sich die Podiumsteilnehmer, dass die Klinische Pharmazie vo­rangetrieben werden muss. Sie sollte an jeder Universität möglichst intensiv vermittelt werden, forderte Professor Ulrich Jaehde, der das Fach an der Universität Bonn vertritt. Die Stärkung der patientenorientierten Pharmazie unterstütze die universitäre Pharmazie und die Position der Apotheker. Für ihn ist klar: »Die Pharmazie gehört an die Universität.« /

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