Pharmazeutische Zeitung online
Berufsstand

Neue Aufgaben für Apotheker

05.02.2014  10:00 Uhr

Von Sven Siebenand, Davos / Die öffentlichen Apotheken bilden eine eigenständige Säule im Gesundheitswesen. Das betonte Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), beim Fortbildungskongress Pharmacon in Davos. Er ist davon überzeugt, dass Apotheken zukünftig weitere Aufgaben in der Arzneimittelversorgung übernehmen können und nannte wichtige Voraussetzungen dafür.

»Weiterentwicklung ist das, was ich mir für den gesamten Berufstand wünsche«, sagte Kiefer. Grundvoraussetzung dafür sei aber, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen. Die Arzneimitteltherapiesicherheit weiter zu verbessern, müsse wichtigstes Anliegen der Apothekerschaft sein. Ein Ziel sei dabei, das Medikationsmanagement flächendeckend als Regelleistung einzuführen.

 

Therapeutisches Team

 

In diesem Zusammenhang ging Kiefer auch auf eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Apothekern und Ärzten ein. Er sprach von einem therapeutischen Team, das sich zum Nutzen des Patienten ergänzt. Das sei zielführend, denn Ärzte hätten bei der Arzneimitteltherapie andere Aufgaben und durch ihre Ausbildung auch einen anderen Blickwinkel als Apotheker. »Für unsere apothekerliche Sichtweise brauchen wir die komplette naturwissenschaftliche Ausbildung als Basis unserer Berufsausübung«, fuhr der BAK-Präsident fort. Die breite naturwissenschaftliche Ausbildung durch das Pharmaziestudium müsse daher erhalten bleiben. Kiefer räumte aber ein, man müsse sich hinsichtlich eines Leitbildes für Offizinapotheker auch die Frage der Ausbildung stellen.

 

Das Studium müsse den Apotheker auch zukünftig für die verschiedenen Tätigkeitsbereiche qualifizieren. Dennoch könnten Anpassungen der Ausbildungsinhalte notwendig werden. Diese wolle die BAK aber nur zusammen mit den Hochschullehrern der pharmazeutischen Institute erarbeiten. Auch der dritte Ausbildungsabschnitt, also das praktische Jahr, muss nach Ansicht von Kiefer aufgepeppt werden.

 

Die Weiterentwicklung des Apothekerberufs ist eng verknüpft mit dem richtungsweisenden Leitbild für Offizinapotheker, das beim Deutschen Apothekertag im kommenden September vorgestellt werden soll. In seiner Rede sagte Kiefer, dass die angestoßene Leitbilddiskussion zu Irritationen geführt habe. Warum ein Leitbild nur für den in der öffentlichen Apotheke tätigen Apotheker? Warum nicht eines für alle Apotheker in den verschiedenen Tätigkeitsbereichen? Nicht die Tatsache, dass rund 80 Prozent aller Approbierten in der öffentlichen Apotheke arbeiten, sei der Grund dafür. Vielmehr sei es so, dass in den öffentlichen Apotheken wohl die größten Veränderungen in der praktischen Berufsausübung zu erwarten sind, so Kiefer.

 

Zudem sei der Versorgungsauftrag der öffentlichen Apotheken immer an die gesellschaftliche Wahrnehmung geknüpft. Der Stellenwert der öffentlichen Apotheken definiert sich Kiefer zufolge dadurch, dass sie für die flächendeckende und hochwertige Arzneimittelversorgung rund um die Uhr verantwortlich sind.

 

Eigenständige Notdienste

 

»Die Anordnung des Notdienstes durch die Apothekerkammern funktioniert«, betonte Kiefer in diesem Zusammenhang. Weiße Flecken in der Arzneimittelversorgung gebe es nicht. Dieses System gelte es zu stabilisieren, auch wenn sich das Umfeld ändere. Der Forderung, dass zukünftig in unmittelbarer Nähe jeder ärztlichen Notdienstzentrale auch eine Apotheke ständig notdienstbereit ist, erteilte der BAK-Präsident eine klare Absage: »Es ist nicht im Sinne der Menschen, wenn wir uns an den ärztlichen Notdienst dranhängen. Die Bürger wollen auch im Notdienst ihre Apotheke um die Ecke und nicht in 50 Kilometer Entfernung, nur weil dort zufällig die ärztliche Notfallpraxis ist.«

 

Kiefer erinnerte daran, dass knapp die Hälfte der Patienten, die eine Notdienstapotheke aufsuchen, dies ohne Verschreibung der Notdienstpraxis tun. Für ihn ein gutes Beispiel dafür, dass Apotheken eine eigenständige Säule im Gesundheitswesen bilden. »Wir müssen überall transparent und deutlich machen, dass Apotheken nicht nur aus eigener Sicht, sondern gerade aus Sicht der Patienten als eine solche wahrgenommen werden«, so Kiefer. /

Mehr von Avoxa