Pharmazeutische Zeitung online
Tag der Apotheke

Sicher is(s)t sicher

27.05.2014  09:30 Uhr

Von Sebastian Diemert, Nina Griese-Mammen, Dorothea Strauch und Petra Zagermann-Muncke / Der Tag der Apotheke steht dieses Jahr unter dem Motto »Sicher is(s)t sicher – Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Lebensmitteln«. Zur Unterstützung des Apothekenteams dient eine Broschüre über Interaktionen von Arznei- und Nahrungsmitteln.

Mit dem Tag der Apotheke macht die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände seit 1998 jedes Jahr auf die Bedeutung der öffent­lichen Apotheken für die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung aufmerksam. Dabei stehen die Betreuung der Patienten durch das pharmazeutische Personal und das breite Leistungsspektrum der Apotheken im Fokus. Viele Apotheken nutzen den Tag der Apotheke, um ihre Kunden auf ihre besonderen Kompetenzen aufmerksam zu machen. Dabei präsentieren sich etliche Apotheken nicht nur an ihrem eigent­lichen Standort, sondern auch auf Veranstaltungen und an Infoständen in den Städten. In diesem Jahr fällt der Tag der Apotheke auf den 5. Juni.

Die Relevanz des diesjährigen Themas Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Lebensmitteln für die tägliche Beratungspraxis in der Apotheke wird durch Ergebnisse einer Umfrage zu Ernährungsgewohnheiten und Arzneimitteln deutlich. Darin gaben 95 Prozent der Bundesbürger an, in der vergangenen Woche Milch beziehungsweise Milchprodukte zu sich genommen zu haben, 17 Prozent hatten Grapefruitsaft getrunken und jeder zweite hatte in der vergangenen Woche Alkohol konsumiert. Mit diesen Nahrungs- und Genussmitteln zeigen verschiedene Arzneimittel klinisch relevante Wechselwirkungen, auf die die Apotheke im Einzelfall bei der Abgabe achten muss.

 

Die Wirkung von Arzneimitteln kann durch Nahrungsmittel verstärkt oder abgeschwächt werden, oder es können vermehrt unerwünschte Wirkungen auftreten. Zudem kann sich der Zeitpunkt des Wirkeintritts verändern. Dabei hängen sowohl der Effekt der Wechselwirkung zwischen Arznei- und Nahrungsmittel als auch der Mechanismus des Zustandekommens von verschiedenen Faktoren ab. In diesem Zusammenhang sind die physiko-chemischen Eigenschaften des Arzneistoffs und die galenische Formulierung auf der einen Seite und die Zusammensetzung der Nahrung und der Zeitpunkt der Mahlzeit auf der anderen Seite von großer Bedeutung.

 

Zur Unterstützung wurde eine Broschüre zu Interaktionen von Arznei- und Nahrungsmitteln verfasst. Darin werden in einem allgemeinen Teil die verschiedenen Interaktionsmechanismen zusammengefasst und unspezifische Einflüsse der Nahrung auf die Arzneimittelwirkung dargestellt. Des Weiteren gibt die Broschüre einen Überblick über spezifische Interaktionen zwischen Nahrungsbestandteilen und Arzneimitteln auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die Interaktionen sind in Form von Kurzmonographien aufbereitet (siehe Abbildung) und hinsichtlich der klinischen Relevanz der Interaktion in zwei Gruppen unterteilt. Neben beratungsrelevanten Interaktionen (siehe Tabelle) wurden auch Informationen zu Wechselwirkungen ohne eindeutige klinische Relevanz aufgenommen, die jedoch in der wissenschaftlichen Literatur und in den Publikumsmedien diskutiert werden und daher auch von Patienten erfragt werden könnten.

Ausführliche Hinweise zu den möglichen Wechselwirkungen mit Alkohol und Tabakrauch finden sich ebenfalls als Übersicht in der Broschüre. Sie steht für Interessierte im Passwort-geschützten Bereich unter www.abda.de/interaktionen.html zum Download bereit. Die Zugangsdaten für www.abda.de sind im Impressum dieser Ausgabe gelistet. Eine zentrale Informationsquelle für Apotheken zu Wechselwirkungen zwischen Nahrungs- und Arzneimitteln stellt die ABDA-Datenbank dar, die neben den Angaben zu Interaktionen zwischen Arzneimitteln auch wichtige Hinweise auf mögliche Wechselwirkungen zwischen Arznei- und Nahrungsmitteln enthält. Die Einstufung gemäß der ABDA-Datenbank wird für die in der Broschüre aufgenommenen Wechselwirkungen ebenfalls dargestellt.

 

Die Tabelle fasst die als Kurzmonographien aufgenommenen Wechselwirkungen zusammen; für detailliertere Informationen sei auf die vollständige Broschüre verwiesen. /

Tabelle: Beispiele für klinisch relevante Interaktionen; detaillierte Informationen sind der Broschüre zu entnehmen.

Nahrungsmittel Arzneimittel
Calcium-haltige Nahrungsmittel: Milch und Milchprodukte, Calciumangereicherte Fruchtsäfte und einige Calciumreiche Mineralwässer Bisphosphonate wie Alendronat
Gyrasehemmer: Ciprofloxacin und Norfloxacin
Schilddrüsenhormone wie Levothyroxin
Tetracycline wie Doxycyclin
Coffein-haltige Lebensmittel: Kaffee, Tee, Cola, Mate, Energy Drinks, größere Mengen Bitterschokolade Clozapin (atypisches Neuroleptikum)
Coffein-haltige Lebensmittel: Kaffee, Tee, Cola, Mate, Energy Drinks, größere Mengen Bitterschokolade Gyrasehemmer: Enoxacin, unter bestimmten Voraussetzungen
auch Ciprofloxacin und Norfloxacin
Fruchtsäfte wie Apfel-, Orange-, Grapefruitsaft (siehe hierzu auch Interaktionen mit Grapefruit) Aliskiren, Celiprolol, Atenolol (Antihypertensiva),
Fexofenadin, Bilastin (H1-Antihistaminikum)
Gerbstoffe (unter anderem enthalten in Kaffee, Tee) Eisenpräparate
Goji-Beeren (Bocksdornfrüchte, Lycium barbarum) und deren Zubereitungen Vitamin K-Antagonisten
(Phenprocoumon, Warfarin)
Grapefruit (Citrus paradisi L.) Früchte und deren Zubereitungen CYP3A4-Substrate Wirkungsverstärkung:
zum Beispiel Calciumantagonisten vom
Nifedipin-Typ, Cholesterol-Synthese-Enzym-Hemmer (Atorvastatin, Lova­statin und Simvastatin), Immunsuppressiva (Ciclosporin, Tacrolimus, Everolimus und Sirolimus), Ivabradin, Ivacaftor, Lomitapid, Ranolazin, Colchicin, Terfenadin Wirkungsabschwächung: OATP-Substrate: Aliskiren, Bilastin, Fexofenadin, Celiprolol (eventuell Atenolol) Bioaktivierung durch CYP3A4: Cylophosphamid, Ifosfamid
Lakritze mit hohem Gehalt an Extrakt aus der Süßholzwurzel Antihypertensiva, insbesondere kaliuretische Diuretika
Tyramin-haltige Nahrungsmittel Monoaminoxidase-Hemmer (MAO-Hemmer):
Nicht selektive MAO-Hemmer:
Tranylcypromin (Antidepressivum), Linezolid (Antibiotikum), Procarbazin (Zytostatikum) Selektive MAO-Hemmer: Moclobemid (Antidepressivum), Rasagilin und Selegilin (Parkinson-Therapeutika)
Vitamin-K-haltige Nahrungsmittel Vitamin-K-Antagonisten (Phenprocoumon, Warfarin)

Anschrift der Verfasser

ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Geschäftsbereich Arzneimittel, Jägerstraße 49/50, 10117 Berlin, arzneimittel(at)abda.aponet.de

 

Von Annette Mende / Stillen bringt für Mutter und Kind viele Vorteile, aber ein reduziertes Allergie- und Asthmarisiko gehört nicht dazu. Im Gegenteil: In ­einer großen retrospektiven Beobachtungsstudie in Großbritannien hatten Erwachsene, die als Babys gestillt worden waren, sogar etwas häufiger Allergien als nicht Gestillte.

 

Beim Asthma­risiko ergab sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen. Die Ergebnisse der Studie, die im »Journal of Allergy and Clinical Immunology« erschien, widersprechen der Annahme, dass Stillen vor Allergien schützen könnte (DOI: 10.1016/j.jaci.2017.10.022).

 

Für die Studie werteten die Autoren um Dr. Weronika Ek von der Universität Uppsala in Schweden Registerdaten von gut 336 000 Personen aus einer ­britischen Datenbank aus. Von diesen waren 71,2 Prozent als Baby gestillt worden. Außer dem Stillen bezogen die Autoren noch weitere Faktoren in ihre Analyse ein, von denen bekannt ist, dass sie das Allergierisiko beeinflussen, zum Beispiel das Körpergewicht und den Sozialstatus. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren war das Asthma­risiko in beiden Gruppen gleich, das ­Risiko für Heuschnupfen und Ekzem in der gestillten Gruppe aber leicht erhöht.

 

Die Forscher betonen, dass es zusätzlich zu den berücksichtigten Faktoren noch weitere geben könnte, die nicht erfasst wurden, aber das Ergebnis verzerrt haben. So sei es denkbar, dass etwa kranke Mütter abhängig von ihrer Erkrankung entweder zum Stillen animiert oder ihnen davon abgeraten wurde. Sie weisen auf die vielen gut belegten positiven Effekte des Stillens für die Gesundheit des Kindes hin und betonen, dass ihr Ergebnis nicht den Ausschlag geben sollte, sich gegen das Stillen zu entscheiden. »Dennoch hoffen wir, dass unsere Studie dazu beiträgt, dass frischgebackene Eltern eine korrekteres Bild von den Vorteilen des Stillens bekommen«, so Ek in einer Mitteilung der Universität. /

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