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Studie

Stillen schützt nicht vor Allergien

29.11.2017
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Von Annette Mende / Stillen bringt für Mutter und Kind viele Vorteile, aber ein reduziertes Allergie- und Asthmarisiko gehört nicht dazu. Im Gegenteil: In ­einer großen retrospektiven Beobachtungsstudie in Großbritannien hatten Erwachsene, die als Babys gestillt worden waren, sogar etwas häufiger Allergien als nicht Gestillte.

 

Beim Asthma­risiko ergab sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen. Die Ergebnisse der Studie, die im »Journal of Allergy and Clinical Immunology« erschien, widersprechen der Annahme, dass Stillen vor Allergien schützen könnte (DOI: 10.1016/j.jaci.2017.10.022).

 

Für die Studie werteten die Autoren um Dr. Weronika Ek von der Universität Uppsala in Schweden Registerdaten von gut 336 000 Personen aus einer ­britischen Datenbank aus. Von diesen waren 71,2 Prozent als Baby gestillt worden. Außer dem Stillen bezogen die Autoren noch weitere Faktoren in ihre Analyse ein, von denen bekannt ist, dass sie das Allergierisiko beeinflussen, zum Beispiel das Körpergewicht und den Sozialstatus. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren war das Asthma­risiko in beiden Gruppen gleich, das ­Risiko für Heuschnupfen und Ekzem in der gestillten Gruppe aber leicht erhöht.

 

Die Forscher betonen, dass es zusätzlich zu den berücksichtigten Faktoren noch weitere geben könnte, die nicht erfasst wurden, aber das Ergebnis verzerrt haben. So sei es denkbar, dass etwa kranke Mütter abhängig von ihrer Erkrankung entweder zum Stillen animiert oder ihnen davon abgeraten wurde. Sie weisen auf die vielen gut belegten positiven Effekte des Stillens für die Gesundheit des Kindes hin und betonen, dass ihr Ergebnis nicht den Ausschlag geben sollte, sich gegen das Stillen zu entscheiden. »Dennoch hoffen wir, dass unsere Studie dazu beiträgt, dass frischgebackene Eltern eine korrekteres Bild von den Vorteilen des Stillens bekommen«, so Ek in einer Mitteilung der Universität. /

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