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Psychosoziale Belastung macht Kinder krank

27.05.2014  09:30 Uhr

Von Brigitte M. Gensthaler, München / Armut, arbeitslose Eltern, kranke Geschwister: Psychosoziale Belastungen können Kinder krank machen, konstatierte Professor Dr. Volker Mall, Ärztlicher Direktor des kbo-Kinderzentrums in München, bei einer Fachtagung der Betriebskrankenkassen zur Kindergesundheit in München.

In einer aktuellen Studie wurden 106 Geschwister von sehr kranken Kindern, die einen erhöhten Betreuungsbedarf hatten, untersucht. Die Rate für emotionale oder Verhaltensprobleme war zwei- bis achtfach höher als bei Kindern ohne krankes Geschwister, berichtete Mall und forderte: »Wir müssen das familiäre Umfeld in die Therapie einbeziehen.«

Die KiGGS-Studie, in der die Gesundheit von rund 17 640 Kindern und Jugendlichen von 0 bis 17 Jahren erfasst wurde, habe gezeigt, dass »Armut das größte Gesundheitsrisiko für Kinder« ist. In der Studie des Robert-Koch-Instituts von 2009 korrelierten psychische Auffälligkeiten stark mit dem Sozialstatus, sagte Mall. So zeigten Kinder mit niedrigem Sozialstatus fast dreimal häufiger psychische Auffälligkeiten als Kinder mit hohem Status (23,2 versus 8,1 Prozent). Kinder aus Ein-Eltern- Familien waren fast doppelt so häufig betroffen wie Kinder aus klassischen Familien (24 versus 13,3 Prozent).

 

Ein besonders starker Risikofaktor war Arbeitslosigkeit der Mutter. Starke Zusammenhänge zwischen Sozialstatus und Kindergesundheit wurden auch für ADHS ermittelt. Bei den Früherkennungsuntersuchungen für Kinder sollten psychosoziale Risikofaktoren vermehrt berücksichtigt werden, forderte Mall. Immerhin kämen 98 Prozent aller Kinder im ersten Lebensjahr zum Kinderarzt. Wichtig seien auch Eltern- und Patientenschulungen, die die Familien stärken. Am Kinderzentrum in München gebe es beispielsweise Familienschulungen für Epilepsie, Neurodermitis oder für Kinder nach Leber-, Nieren- oder Herztransplantation, berichtete der Pädiater. Auch die stationäre Eltern-Kind-Therapie solle ausgebaut werden. /

Von Daniela Hüttemann / Jeder vierte Patient, der im Alter von über 65 Jahren die Diagnose Krebs erhält, war bereits früher einmal an einer anderen Krebsart erkrankt. Bei den jüngeren Patienten sind es 11 Prozent, die zweimal ­unabhängig voneinander betroffen sind. Das legt eine aktuelle Analyse der Neudiagnosen aus den Jahren 2009 bis 2013 im US-Krebsregister SEER nahe, die im Fachjournal »JAMA Oncology« erschien (DOI: 10.1001/jamaoncol.2017. 3605).

 

Forscher um Dr. Caitlin C. Murphy vom Southwestern Medical Center der Universität Texas werteten dazu die Patientenhistorie aller 740 990 Neudiagnosen aus diesem Zeitraum aus. Meist war ein anderes Organ betroffen als bei der früheren Erkrankung. Rezidive und Spätmetastasen zählten die Forscher nicht als neue Krebserkrankung.

 

Bei der Analyse handelt es sich um eine rückblickende Beobachtungsstudie. Sie macht keine Aussage darüber, wie groß die Wahrscheinlichkeit für eine zweite Krebserkrankung nach erfolgreich behandelter Ersterkrankung ist. Dass es die Patienten zweimal trifft, kann Zufall sein, aber auch an Risikofaktoren liegen, die für mehrere Krebsarten prädisponieren, wie Rauchen oder bestimmte Genmutationen. Zudem kann auch eine vorangegangene Zytostatika- oder Strahlentherapie das Risiko für eine zweite Krebserkrankung erhöhen.

 

Da frühere Krebserkrankungen meist ein Ausschlusskriterium für klinische ­Studien sind, fehlen derzeit in der Regel Daten, wie diese Patienten am besten bei einem erneuten Tumor behandelt werden können, bemängeln die Autoren. /

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