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Down-Sportlerfestival

Pitchen, Putten und Piano

30.05.2011
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Von Ulrike Abel-Wanek, Frankfurt am Main / Auf dem Sportereignis des Jahres für Menschen mit Downsyndrom drehte sich fast alles um die körperliche Bewegung. Ein weiteres Schwerpunktthema war in diesem Jahr die musikalische Förderung.

Die Teilnehmerzahlen steigen ständig: Nirgendwo kommen so viele Menschen mit Downsyndrom zusammen wie auf dem jährlich stattfindenden Sportlerfestival in Frankfurt und Magdeburg. 555 Menschen mit Trisomie 21 fanden Ende Mai den Weg in die Main-Metropole. »Wir sind bereits zum achten Mal hier«, sagte Gisela Steinig aus Aachen. »Wir reisen immer schon einen Tag vorher an und verbringen ein schönes Wochenende. Meine 23-jährige Tochter ist begeistert von dem Fest.«

Die Teilnehmer des von Hexal ausgerichteten Sportlerfestivals sind zwischen vier und 55 Jahre alt. Angefeuert von mehr als 2300 begeisterten Zuschauern, zeigten sie ihr Können beim Laufen, Springen und Werfen, Tischtennis, Fußball und Judo.

 

Aber auch Beach-Volleyball unter strahlend blauem Himmel stand auf dem Programm, und erstmals konnten die Sportler in einem Golf-Workshop ihr Glück beim Pitchen, Putten und Toppen erproben. Abschläge wurden geübt, der ein oder andere Ball sogar eingelocht.

 

Im Rahmen einer Siegerehrung bekamen alle Teilnehmer eine »Goldmedaille«, egal, ob oder wann sie durch ein Ziel kamen. Spaß und Mitmachen stehen im Vordergrund des Festivals, auf dem sich Kinder, Jugendliche, Erwachsene und ganze Familien alljährlich treffen und dabei neue Freundschaften knüpfen.

 

Die engagierten Teilnehmer und ihre Begleiter schaffen eine ausgelassene Atmosphäre im Sport- und Freizeitzentrum Frankfurt-Kalbach, die sich auf Besucher, die vielen ehrenamtlichen Helfer und Gäste überträgt: »Ich sehe überall lachende, fröhliche Gesichter«, sagte der hessische Sozialminister und Schirmherr, Stefan Grüttner, zur Eröffnung der Veranstaltung.

Downsyndrom

Bei Menschen mit Downsyndrom liegt das Chromosom Nummer 21 dreifach vor, daher spricht man auch von»Trisomie 21«. Die Bezeichnung »Downsyndrom« geht auf den englischen Arzt John Langdon Haydon Down (1828-1896) zurück, der als Erster die Besonderheiten dieser Menschen beschrieben hat. Es handelt sich dabei sowohl um körperliche als auch um geistige Abweichungen. Vor allem das geistige Potenzial ist lange unterschätzt worden, denn gibt man ihnen die Chance, sich zu entfalten, zeigen Kinder mit Downsyndrom, dass sie sehr lernfähig sind. Heutzutage besuchen die meisten von ihnen einen Regelkindergarten. Als Schulform scheinen Integrative Schulen besonders geeignet zu sein.

 

Probleme im physischen Bereich, zum Beispiel Herzfehler, Fehlfunktion der Schilddrüse, Infektanfälligkeit oder auch Abweichungen im Magen-Darm-Trakt sind heute weitgehend therapierbar und führen immer seltener zu Beeinträchtigungen. Im Kleinkindbereich ist die Sterblichkeit noch höher als bei anderen Kindern, doch insgesamt ist die Lebenserwartung deutlich gestiegen, da sich sowohl die Lebensverhältnisse als auch die medizinische Versorgung verbessert haben. Sie ist bei Europäern mit Downsyndrom von durchschnittlich 9 Jahren (1929) auf 60 Jahre (2004) gestiegen, insbesondere da Organfehlbildungen heutzutage gut behandelt werden können. Mittlerweile erreicht jeder zehnte Mensch mit Downsyndrom das 70. Lebensjahr. Trotz aller medizinischer Fortschritte ist bis heute unklar, warum Kinder mit einem zusätzlichen Chromosom geboren werden. Bekannt ist, dass die Wahrscheinlichkeit mit dem Alter der Mutter steigt.Sie liegt bei 20-jährigen Müttern bei circa 1:1900 zbd wächst bei 45-jährigen Müttern auf etwa 1:30 an.

 

Im Durchschnitt kommt auf 700 Geburten ein Kind mit Trisomie 21. In Deutschland werden jährlich etwa 1200 Säuglinge mit Downsyndrom geboren, insgesamt leben hier heute 50000 Menschen mit der genetischen Besonderheit, die nicht vererbbar, aber auch nicht heilbar ist.

Außer Wettkämpfen steht auch Weiterbildung auf dem Festival-Programm. Vorträge zu jährlich wechselnden Schwerpunktthemen bieten eine willkommene Plattform zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch von Eltern und Betreuern. Diesjähriges Thema: Musik. Angelika Jekic, Musikpädagogin aus Augsburg, arbeitet mit Kindern mit Behinderungen. »Jedes Kind hat Interesse an Musik – egal ob mit oder ohne Downsyndrom«, so ihre Erfahrung. Musik erreiche Kinder motorisch, emotional, sozial und kognitiv und fördere so die Entwicklung. »Musik wird über Hören, Bewegen und Nachahmen aufgenommen. Alle drei Wahrnehmungsebenen könnten auch von Menschen mit Downsyndrom erlebt und vertieft werden«, so Jekic. Die Kinder setzten sich gerne auf Trommeln, um den Rhythmus nicht nur zu hören, sondern auch zu spüren. Das gemeinsame Musizieren in der Gruppe und das Spüren von Melodien sei eine intensive Erfahrung für jeden.

 

Auch das Xylophon und vor allem das Klavier seien geeignete Instrumente. »Beim Klavier kann man die Tasten, anders als beispielsweise die Saiten der Gitarre, direkt von oben ansehen. Außerdem ist der Ton sofort da, wenn man ihn anschlägt.« Tasteninstrumente könne man anfangs auch ohne Daumen spielen – ein großer Vorteil bei eingeschränkter Daumen-Motorik, die bei Kindern mit Downsyndrom häufig zu beobachten sei. Neben der medizinisch-musiktherapeutischen Förderung und dem Aspekt der sinnvollen Freizeitgestaltung mache Musik aber vor allem eins: sehr viel Spaß. /

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