Pharmazeutische Zeitung online

Blick auf den Wandel

31.05.2010
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Apothekerinnen und Apotheker haben in unserer Gesellschaft das exklusive Privileg, apothekenpflichtige Arzneimittel – und das ist die ganz überwiegende Zahl der Produkte, die als »Arzneimittel« gekennzeichnet werden dürfen – zu verwalten und zu verkaufen. Die Basis dieses Privilegs ist das akademische Pharmazie-Studium, denn nur wer ein Pharmaziestudium mit seinen drei Staatsexamina erfolgreich absolviert hat, kann die Approbation als Apothekerin beziehungsweise als Apotheker beantragen.

 

Da ist es verständlich, dass sich die Gesellschaft einmischt, wenn es darum geht, Standards mitzubestimmen, die für ein Pharmaziestudium zu gelten haben. So legt eine Approbationsordnung den Ausbildungsrahmen fest, und zudem hat die Gesellschaft festgelegt, dass die Ausbildungsinhalte nicht etwa in Form klassischer akademischer Abschlüsse wie Diplom-, Magister-, Bachelor- oder Masterexamina, sondern in Form von Staatsexamina abschließend überprüft werden. Andererseits nimmt die Gesellschaft aber auch eine gehörige Portion Geld in die Hand. Denn dieses aufwendige, sehr kostspielige, da mit vielen praktischen Lehreinheiten unterfütterte, Studium kann man in Deutschland an 22 Standorten studieren.

 

Ein Blick hinter die Kulissen lohnt. Deshalb startet die Pharmazeutische Zeitung in dieser Ausgabe eine Serie, in der wir die verschiedenen Hochschulstandorte porträtieren (Hochschulporträt: Lehre aus Forschung). Das ist auch für uns spannend, denn es würde nicht für das Fach »Pharmazie« sprechen, wenn alles so wäre, wie es zu Zeiten war, als wir selbst einmal Pharmazie studierten. Wie alle zukunftsorientierten Wissenschaften unterliegt auch die Pharmazie einem steten Wandel.

 

Trotz einer Approbationsordnung ist die Pharmazie längst nicht mehr so »homogen« aufgestellt, wie die meisten Apotheker wahrscheinlich noch vermuten und wie das vielleicht auch einmal der Fall war. Ausdrücklich lässt die aktuelle Approbationsordnung Modifikationen in der Ausbildungsorganisation zu – Gott sei Dank, wie man sagen muss. Denn die Pharmazeutischen Institute sind heute in den modernen Lebenswissenschaften fest verankert. Und keine andere Disziplin erlebt einen solch rasanten Wissenszuwachs, wie eben diese Lebens­wissenschaften.

 

Zudem wurden mit der neuen Approbationsordnung neue Inhalte wie Molekularbiologie und Immunologie aufgenommen, und mit der Klinischen Pharmazie wurde ein fünftes Staatsexamensfach in den zweiten Ausbildungsabschnitt implementiert.

 

Auf dieser Basis beginnen sich Pharmaziestandorte mehr und mehr zu profilieren. Der Wettbewerb um die besten Studierenden hat längst begonnen. Im Erfolgsfall wird daraus eine Win-win-Situation für die Universitäten und den Berufsstand.

 

Professor Dr. Theo Dingermann

Mitglied der Chefredaktion

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