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Tierkrankheiten

Wenn Hund und Katze kränkeln

25.05.2009
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Tabelle 1: Krankheitsursachen bei Haut und Haaren

Auslöser Beispiele
Ektoparasiten Flöhe, Milben, Läuse, Haarlinge, Zecken
Pilze Hefepilze, Trichophyton, Microsporum
Bakterien Streptokokken, Staphylokokken, Mykoplasmen, Pseudomonaden
Viren Kuhpocken (Zoonose!), Herpesviren, Caliciviren
Allergie Futtermittelunverträglichkeit, Umweltallergie
Systemerkrankungen autoimmunologische, endokrinologische oder angeborene Erkrankungen
äußere Einwirkungen chemisch, mechanisch

Häufigste Ektoparasiten: Flöhe

 

Der berühmteste Vertreter unter den Ektoparasiten ist der Floh, ein blutsaugendes Insekt. Es gibt viele Arten wie den Katzen-, Hunde-, Igel-, Hühner- und Menschenfloh. Der Floh ist nicht wirtsspezifisch, das heißt, dass zum Beispiel ein Katzenfloh nicht nur auf der Katze, sondern auch auf anderen Tierarten und dem Menschen zu finden ist. Erwachsene Flöhe sind seitlich abgeplattet, je nach Art einen bis sechs Millimeter groß und haben ein enormes Sprungvermögen.

 

Wenn man ein Flohproblem adäquat bekämpfen möchte, muss man sich die Populationspyramide vergegenwärtigen. Circa fünf Prozent der Flöhe sind erwachsen, nur ein Teil davon befindet sich zur Nahrungsaufnahme auf dem Wirt. Die restliche Population setzt sich aus 50 Prozent Eiern, 35 Prozent Larven und 10 Prozent Puppen zusammen. Da die Floheier nur 0,5 mm groß sind und der Floh den Kokon der Puppe aus Schmutzpartikeln aus der Umgebung spinnt, sind Eier und Puppen außerordentlich schwer zu finden. Die Flohlarven sind je nach Entwicklungsstadium 2 bis 5 mm lang und weiß bis bräunlich. Diese kann man als sehr bewegliche »Würmchen« in der direkten Umgebung des Tieres finden, zum Beispiel auf Liegeflächen, Sofa und Teppich. Dank geheizter Wohnungen ist eine Flohentwicklung ganzjährig möglich. Die Eier sind je nach Umweltbedingungen bis zu einem Jahr schlupffähig.

 

Die Symptome des Flohbefalls hängen von der Befallstärke und einer möglichen Flohspeichelallergie ab. Sie reichen von plötzlichem hektischen Beknabbern, Benagen oder Kratzen über diverse Rötungen und Pusteln bis hin zu hochgradigen Veränderungen durch Selbsttraumatisierung. Bei starkem Befall klagen auch die Besitzer über diverse Stiche, vornehmlich an den Beinen. Der Nachweis erfolgt mithilfe eines Flohkamms. Bleiben darin viele kleine schwarze Krümel hängen, so kann es sich um Flohkot handeln. Diesen kann man mithilfe des Taschentuchtricks identifizieren (Abbildung 1).

Die Bekämpfungsmaßnahmen richten sich nach Befallstärke und -dauer. Oft ist es notwendig, nicht nur das Tier dauerhaft unter einen Flohschutz zu stellen, sondern auch die Umgebung zu sanieren. Es gibt eine große Produktvielfalt auf dem Markt. Bei der Auswahl muss man stets auf die tierartbezogene Zulassung achten, da zum Beispiel einige nur für den Hund zugelassene Präparate Permethrin enthalten. Für die Katze ist das Auftragen Permethrin-haltiger Präparate tödlich. Einige Darreichungsformen, zum Beispiel viele Puder und Shampoos, töten nur die auf dem Tier befindlichen Flöhe und bieten keinen längerfristigen Schutz. Shampoo oder Spray können bei der Katze zu heftigen Abwehrreaktionen führen. Halsbänder verlieren durch Baden häufig schnell ihre Wirksamkeit. Katzen sollten wegen der Verletzungsgefahr keine Halsbänder tragen.

 

Bewährt haben sich Spot-on-Präparate, die meistens circa vier Wochen lang schützen. Diese enthalten zum Beispiel Permethrin, Fipronil, Imidacloprid, Selamectin, Pyriprol oder Metaflumizon und sind meist apothekenpflichtig, je nach Kombination aber auch verschreibungspflichtig. Die Präparate müssen direkt auf die Haut aufgetragen werden. Nur geringe Mengen des Wirkstoffs werden resorbiert, sodass die systemische Belastung des Tieres gering ist. Die lange Wirksamkeit wird durch gute Haftung an der Haut sowie Aufnahme in Talgdrüsen und fetthaltige Epidermisschichten gewährleistet. Ein häufiger Fehler ist, dass das Fell nicht gut gescheitelt wird und die Hälfte des Arzneimittels im Fell hängen bleibt. Dann ist das Arzneimittel unterdosiert. Es gibt auch Spot-on-Kombinationspräparate mit makrozyklischen Lactonen, die zudem gegen Milben und Endoparasiten wirksam sind. Diese Präparate dürfen auf keinem Fall an Besitzer von Collies, Bobtails und deren Mischlingen abgegeben werden, da es zu Unverträglichkeitsreaktionen mit tödlichem Ausgang kommen kann.

 

Es ist ratsam, gleichzeitig die Umgebung zu sanieren. Bei mildem Befall reicht häufig gründliches Staub saugen. Hinterher muss der Staubsaugerbeutel entsorgt werden. Zusätzlich sollten Decken und andere Textilien gewaschen oder für drei bis vier Tage eingefroren werden. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, muss ein Umgebungsspray eingesetzt werden. Flöhe sind Zwischenwirte des Gurkenkernbandwurms. Daher sollte stets eine Bandwurmkur, zum Beispiel mit Praziquantel, empfohlen werden.

 

Milben bei Tier und Mensch

 

Milben sind Spinnentiere. Verschiedene Arten können Hund und Katze befallen. Der Nachweis einer Milbeninfektion gelingt oft nur über die Entnahme mehrerer Hautgeschabsel durch den Tierarzt. Einige Arten wie die Herbstgras-, Ohr- oder Raubmilbe sind mithilfe einer Lupe sichtbar. Das klinische Bild einer Milbeninfektion ist sehr vielfältig. Es reicht von einigen Kratzspuren über multipel verteilte Krusten- oder Schuppenbildung, Haarausfall und Hautrötung bis hin zu massiv veränderter krustiger, verdickter Haut mit gering- bis hochgradigem Juckreiz. Diagnostik und Therapie sollten beim Tierarzt stattfinden.

 

Fast alle Milbenarten können auf den Menschen übergehen. Hier parasitieren sie nur temporär-periodisch, weshalb Dermatologen der Nachweis einer Tiermilbeninfektion oft schwer fällt. Insbesondere Kinder und Jugendliche sind betroffen. Je nach auslösender Milbenart erscheinen kleine juckende Pickelchen, bläschenartige Erhabenheiten mit hochgradigem Juckreiz oder eine akute Dermatitis. Bei Verdacht muss die Apotheke den Kunden an den Arzt verweisen.

 

Wie sich Pilzinfektionen zeigen

 

Bei den Mykosen werden Hefepilzinfektionen (Dermatomykosen) von echten Hautpilzinfektionen (Dermatophytosen) unterschieden. Dermatomykosen treten oft im Zusammenhang mit Außenohr- und Zwischenzeheninfektionen auf.

 

Dermatophytosen werden von Microsporum- und Trichophyton-Arten bei Hund und Katze hervorgerufen und können verschiedene Hautareale, vor allem Kopf oder Pfoten, betreffen. Die Erreger der echten Hautpilzinfektion sind Sporenbildner, deren Sporen in der Umwelt bis zu 18 Monate (Microsporum-Arten) oder drei Jahre (Trichophyton-Arten) infektiös bleiben können. Diese haften an den Haarschäften der Tiere und kontaminieren deren Umgebung. Das klinische Bild variiert über symptomlose Sporenträger, fleckigen runden Haarausfall mit zum Teil schuppiger, geröteter, juckender Haut und nässenden Ekzemen bis hin zu granulomatösen Veränderungen. Die Diagnose erfolgt durch mikroskopische Untersuchung der Haare und Anlage einer Pilzkultur.

 

Die Therapie einer Hautpilzinfektion beim Tier sollte immer zwei- oder dreigleisig erfolgen. Das heißt, dass außer der topischen und gegebenenfalls auch systemischen Behandlung des Tieres mit Antimykotika eine Umgebungssanierung notwendig ist. In der Tiermedizin ist Enilconazol (Beispiel: Imaverol®) zur topischen Behandlung für Hund und Pferd zugelassen; zur systemischen Behandlung bei der Katze ist Itraconazol (Beispiel: Itrafungol®) zugelassen.

 

Echte Hautpilzinfektionen sind Zoonosen. Auch hier sind vor allem Kinder und Jugendliche betroffen. Die Symptome reichen von kleineren runden Hautveränderungen bis zu generalisierten Formen. Die Veränderungen sind hauptsächlich an den »Kuschelstellen« wie Armen, Hals und Kopf zu finden.

 

Kleine Wunden selbst versorgen

 

Eine stumpfe quetschende Einwirkung führt zu größeren Gewebsverletzungen als ein scharfes Trauma, zum Beispiel ein Schnitt. Bei einem Biss kommt es häufig zu Schüttelbewegungen, bevor das Tier vom Gegner wieder ablässt. Dabei entstehen Zerreißungen und Kontaminationen des Unterhautgewebes. Unter einer kleinen Perforation kann sich dann eine große Tasche verbergen. Daher muss ein Tier mit Bissverletzung zum Tierarzt gebracht werden, der die Verletzung sondiert.

 

Kleinere oberflächliche Schnitt- und Schürfwunden kann der Tierbesitzer selbst versorgen. Dazu muss er auch die Wundheilung beobachten. In der Regel ist sie nach einer Woche abgeschlossen und die Wunde verfestigt sich. Auch beim Tier kann die Wundheilung durch Erkrankungen (Diabetes mellitus, Anämie, Urämie), einige Arzneimittel, Mangelernährung (Vitamin C, Zink) und Infektionen beeinflusst werden. Ob eine Wundinfektion entsteht, hängt von Art, Verschmutzungsgrad und Alter der Wunde ab. Zeichen einer Infektion sind Rötung, Schwellung, Schmerz und eventuell Störung des Allgemeinbefindens. Darauf sollte man den Tierhalter stets hinweisen.

 

Bei der Wundversorgung werden zunächst die umliegenden Haare entfernt, um eine weitere Kontamination zu verhindern. Als zweiter Schritt erfolgt die gründliche Wundreinigung mit isotonischen Lösungen wie NaCl- oder Ringer-Lactat-Lösung oder sauberem Wasser. Milde antiseptische Zusätze kann man beifügen. Als dritter Schritt wird eine Desinfektionslösung aufgetragen. Hierzu eignen sich die meisten in der Humanmedizin eingesetzten Mittel.

 

Als Tierarzneimittel sind diverse Präparate auf dem Markt. Allerdings sollte man Wasserstoffperoxid in ein- bis dreiprozentiger Lösung nicht bei Taschenwunden verwenden, da die Gefahr einer Emphysembildung besteht. Beim Einsatz von Iodophoren sollte das Tier am Belecken gehindert werden, da bei oraler Aufnahme Niere und Schilddrüse Schaden erleiden können. Zur Pflege mechanisch stark belasteter Wunde eignen sich granulations- und epithelisierungsfördernde Salben, zum Beispiel mit Dexpanthenol oder Lebertran-Zink.

 

Husten und Schnupfen

 

Ein Tier mit einer Atemwegserkrankung muss auf jeden Fall zum Tierarzt, wenn ein oder mehrere der folgenden Befunde vorliegen: Fieber, veränderter Atemtyp oder -frequenz, hochgradiger Husten, trüber gelblich-grünlicher Schleimauswurf, Atemnot mit eventuell Backenblasen, Maulatmung, bläuliche Schleimhäute und Krankheitsdauer länger als eine Woche.

 

Normal ist bei Hund und Katze eine Brust-Bauch-Atmung (kostoabdominal) mit 15 bis 30 Atemzügen pro Minute. Die Körpertemperatur ist ein wichtiger Parameter zur Einschätzung einer Erkrankung. Die Messung sollte stets rektal erfolgen, am besten mit einem digitalen Fieberthermometer mit flexibler Spitze, auf die vorher ein Gleitmittel aufgetragen wird. Die physiologische Körperinnentemperatur liegt je nach Rasse, Alter und Aufregung des Tieres beim Hund zwischen 37,5 und 39 °C und bei der Katze zwischen 38 und 39 °C. Ab 39,5 °C spricht man bei beiden Tierarten von erhöhter Temperatur, ab 40 °C beginnt Fieber.

 

Husten und Schnupfen sind häufige Symptome bei Erkrankungen im Atmungstrakt. Schnupfen ist charakterisiert durch vermehrtes Niesen, Nasenausfluss und Verklebungen um die Nasenöffnungen. Viren, Bakterien, Pilze, Reizgase und Allergien können Auslöser sein. Bei Tumoren, Fremdkörpern oder vereiterten Zahnwurzeln besteht der Nasenausfluss meist nur einseitig.

 

Schnupfen ist bei Hund und Katze unterschiedlich zu bewerten. Beim Hund kommt ein alleiniger akuter Schnupfen nur selten vor. Oft ist er sekundär Ausdruck einer anderen Grunderkrankung. Ein Schnupfen beim Hund sollte daher tierärztlich abgeklärt werden.

 

Dagegen hat die Katze häufig Schnupfen, oft gekoppelt mit Appetitlosigkeit. Ist der Geruchssinn eingeschränkt, frisst die Katze schlechter oder gar nicht mehr. Der Schnupfen heilt nach einer Woche spontan ab. Bei sekundär bakterieller Besiedlung und einigen Viren kann sich ein chronischer Katzenschnupfen entwickeln. Bei mildem, nicht länger als eine Woche bestehendem Schnupfen helfen unterstützende Maßnahmen wie Nasenspülungen (mehrfach täglich) mithilfe einer Einmalspritze und lauwarmer isotonischer Kochsalzlösung. Oft tolerieren Katzen diese Maßnahme erstaunlich gut. Weiterhin können immunmodulierende homöopathische Komposita (Beispiele: Engystol®, Pet Mum®PLV, Echinacea composita®) gegeben werden.

 

Beim Husten liegen meist virale und/oder bakterielle Erkrankungen in Kehlkopf, Luftröhre oder Bronchien zugrunde. Es kann sich aber auch um weiterreichende Infektionen wie Staupe, Zwingerhusten oder Katzenschnupfenkomplex handeln; ferner kommen Wurmbefall, Herzinsuffizienz, Tumore, Fremdkörper und vieles mehr in Betracht. Viral oder bakteriell bedingter Husten bei Hund und Katze ist oft ansteckend.

 

Bei leichtem Husten, der nicht länger als eine Woche besteht und ohne Störung des Allgemeinbefindens und ohne Fieber einhergeht, kann der Tierhalter lindernd eingreifen. Wichtig ist eine gute Raumluft, gegebenenfalls kann man dem Hund ein Halstuch umbinden. Als Schleimlöser ist in der Veterinärmedizin Bromhexin zugelassen (0,5 bis 1 mg/kg Körpergewicht/Tag). Auch pflanzliche Hustensäfte sind für Hund und/oder Katze zugelassen. Hustentees trinken die Tiere meist nicht. Ätherische Öle dürfen nicht eingesetzt werden, da sie bei der Katze einen Laryngo-Bronchospasmus hervorrufen können.

 

Durchfall belastet stark

 

Hauptsymptome bei Magen-Darm-Störungen sind Durchfall und Erbrechen, meist begleitet von Futterverweigerung. Im Folgenden werden das Symptom Durchfall und der häufig auftretende Wurmbefall erläutert.

 

Durchfall ist definiert als Vermehrung von Menge, Wassergehalt und/oder Häufigkeit des Kotabsatzes. Wie beim Menschen besteht die Gefahr der Austrocknung, deren Grad man mit dem Hautfaltentest grob einschätzen kann. Hierzu wird eine Hautfalte am Tier hochgezogen und wieder losgelassen. Sie sollte sofort wieder verstreichen. Verstreicht die Hautfalte nur langsam oder gar nicht, leidet das Tier unter Austrocknung. Zusätzlich kann man an der Maulschleimhaut die Feuchtigkeit und die kapilläre Rückfüllungszeit beurteilen. Wirkt die Maulschleimhaut stumpf-pappig, liegt eine Austrocknung nahe. Die kapilläre Rückfüllungszeit ist die Zeit, die die unpigmentierte Maulschleimhaut nach Druck durch einen Finger braucht, um die Farbe wieder von weiß zu rosa-rot zu wechseln. Dies sollte innerhalb von einer Sekunde geschehen. Ist die kapilläre Rückfüllungszeit deutlich verzögert, besteht ein massives Kreislaufproblem.

 

Als Faustregel: Bei einer Austrocknung unter 5 Prozent der Körperflüssigkeit sind noch keine Symptome festzustellen. Über 10 Prozent verstreicht die Hautfalte nicht mehr und über 15 Prozent ist die Austrocknung tödlich.

 

Durchfall kann vielfältige Ursachen haben (Tabelle 2). Viele Erreger können Zoonosen auslösen. Bei leichtem Durchfall, der nicht blutig ist, ohne Fieber, Austrocknung oder Störung des Allgemeinbefindens verläuft und nicht länger als zwei bis drei Tage besteht, reicht, unabhängig von der Ursache, eine Nahrungskarenz über 24 Stunden und die anschließende Gabe einer Diät über etwa fünf Tage aus.

Tabelle 2: Durchfallursachen; die meisten Bakterien und Parasiten können Zoonosen auslösen

Auslöser, Ursache Beispiele
Bakterien E. coli, Campylobacter jejuni, Salmonellen, Yersinien, Leptospiren, Staphylokokken, Clostridien
Viren Staupe, Parvo-, Corona-, Reo-, Rotaviren
Parasiten Würmer (Band-, Rundwürmer), Einzeller wie Giardien, Toxoplasmen, Isospora
Pilze Candida albicans, Aspergillus
toxische, allergische Einflüsse Vergiftungen, Futtermittelallergie
Stoffwechselerkrankungen Diabetes mellitus, Hyperthyreose, Hypadrenokortizismus, Nieren-, Leber-, Pankreasinsuffizienz
pathologisch-anatomische Veränderungen Tumore, Ulzera, Strikturen

Man kann Magen-Darm-Diäten für Hund und Katze fertig kaufen oder diese selbst anfertigen. Geeignet ist zum Beispiel Reis mit gekochter Hühnchenbrust und gekochten Möhren. Das Ganze wird püriert und in vielen kleinen Portionen lauwarm angeboten. Wenn sich der Kot normalisiert hat, wird das übliche Futter langsam beigemischt. Als Schleimhautschutz eignen sich Heilerde und Kamillentee. Karminativa wie Fenchel oder Kümmel wirken beim Tier nur schwach. Auch homöopathische Komposita sind im Einzelfall nützlich (Beispiel: Dysenteral®, Mucosa composita®).

 

Regelmäßig entwurmen

 

Wurmbefall ist ein häufiges Problem bei Hund und Katze. Im Magen-Darm-Trakt findet man zum einen Plattwürmer (Plathelminthen), zu denen die Bandwürmer (Cestoda) gehören, und zum anderen Rundwürmer (Nemathelminthen), zu denen die Spul- (Askaridideae), Haken- (Strongylideae) und Peitschenwürmer (Trichurideae) zählen. Im Folgenden werden nur die Wurmarten mit zoonotischem Potenzial erläutert.

 

Ein Wurmbefall kann asymptomatisch verlaufen, aber auch Durchfall, Erbrechen, glanzloses Fell, aufgetriebenen Bauch und sogar Darmverschluss verursachen. Häufig wird eine Infektion nur über mikroskopischen Nachweis der Wurmeier im Kot erkannt.

 

Lebensgewohnheiten und Alter des Tieres, Umgang mit Kindern, Gassistrecke und Mäusejagen sind Faktoren, die die Entwurmungsintervalle beeinflussen. Die ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites) empfiehlt, erwachsene Tiere mindestens viermal jährlich mit einem Breitbandanthelmintikum zu entwurmen. Dies sind Kombinationspräparate, die zum Beispiel Benzimidazole, makrozyklische Laktone oder Pyrantel gegen Rundwürmer und Praziquantel gegen Bandwürmer enthalten. Es gibt unterschiedliche Darreichungsformen wie Tabletten und Pasten, aber auch Spot-on-Präparate. Alle Anthelminthika gegen Rundwürmer sind verschreibungspflichtig, Praziquantel-Monopräparate sind apothekenpflichtig.

 

Reine Wohnungskatzen benötigen nur zweimal jährlich eine Wurmkur gegen Rundwürmer. Freigänger hingegen, die gerne Mäuse fangen und auch mal einen Floh haben, sollten einmal monatlich gegen Bandwürmer behandelt werden. Wer nicht so häufig entwurmen mag, kann alternativ regelmäßig eine Sammelkotprobe über drei Tage zur parasitologischen Untersuchung beim Tierarzt abgeben.

 

Bandwürmer auch beim Menschen

 

Bandwürmer setzen sich aus einem Kopfteil, Halsbereich und vielen Einzelgliedern zusammen. Der Kopfteil dient als Haftorgan, aus dem Halsbereich werden immer neue Einzelglieder (Proglottiden) rekrutiert. Die Proglottiden sind Funktionseinheiten, in denen je nach Art 15.000 bis 100.000 Eier enthalten sind. Die Einzelglieder erscheinen als aktiv bewegliche »Reiskörner« im Kot, auf den Liegeflächen und im Fell. Bandwürmer benötigen einen Endwirt, in denen der adulte Wurm parasitiert, und zwingend auch einen Zwischenwirt, in denen sich die Hakenlarve (Finne) entwickelt. Es gibt viele verschiedene Bandwurmarten bei Hund und Katze, drei davon sind für den Menschen von Bedeutung.

 

Der Gurkenkernbandwurm (Dipylidium caninum) ist die häufigste Art bei Hund und Katze. Auch der Mensch ist Endwirt. Zwischenwirt ist der Floh. Schlucken die Tiere beim Beknabbern aus Versehen einen Floh ab, infizieren sie sich darüber. Beim Menschen ist es eher Zufall, wenn er einen Floh verschluckt. Kommt es dennoch zu einer Infektion, ist diese gut behandelbar.

 

Eine echte Gesundheitsgefahr für den Menschen sind der kleine Hunde- und der kleine Fuchsbandwurm. Diese Echinococcus-Arten sind sehr klein und nicht mit bloßem Auge im Kot sichtbar. Sie sind nur drei- und fünfgliedrig. Ihre Endwirte sind nur der Hund beziehungsweise Hund, Katze und Fuchs. Neben vielen anderen Tierarten kann auch der Mensch Zwischenwirt sein. Es bilden sich bis zu fußballgroße Finnen in der Leber, die im Fall des Fuchsbandwurms auch noch infiltrativ wachsen. Der Mensch infiziert sich durch orale Aufnahme von Wurmeiern, die mit dem Kot von Fuchs, Hund oder Katze ausgeschieden werden und die Umgebung kontaminieren oder im Fell hängen bleiben. Glücklicherweise sind die Echinococcus-Arten bei Hund und Katze selten. Menschen infizieren sich oft über ungewaschene Waldfrüchte.

 

Rundwürmer häufig bei Welpen

 

Rundwürmer sind fadenförmig und einen Millimeter bis einen Meter lang. Weibliche Tiere können bis zu 200.000 Eier pro Tag abgeben. Rundwürmer benötigen einen Endwirt, können aber auch den Umweg über einen nicht obligaten Zwischenwirt antreten. Bei Spul- und Hakenwürmern kann auch der Mensch als Zwischenwirt fungieren.

 

Die verschiedenen Entwicklungsstadien der Spulwürmer findet man im Erbrochenen und/oder Kot der Tiere. Aus dem Ei entwickelt sich über mehrere Larvenstadien der adulte, im Dünndarm parasitierende Wurm. Nach oraler Aufnahme der infektiösen Larven sind drei Wege möglich. Schlüpft die Larve schon im Magen aus ihrer Eihülle, bildet sich nach kurzem Aufenthalt in der Magenwand der erwachsene Wurm im Dünndarm. Schlüpft die Larve erst im Dünndarm, durchbricht sie die Darmwand und wandert zur Lunge. Hier kann sie zum einen über die Lungenalveolen in die Luftröhre gelangen. Sie wandert die Luftröhre entlang bis zum Kehlkopf, wird wieder abgeschluckt und gelangt erneut in den Dünndarm, wo sie sich zum adulten Wurm entwickelt.

 

Zum anderen kann die Larve in der Lunge über die Gefäße in den gesamten Körper des Tieres gestreut werden, um sich zum Beispiel in der Milchdrüse abzukapseln und ein Ruhestadium (Hypobiose) einzulegen. Durch Hormonveränderung bei der tragenden Kätzin oder Hündin werden diese Larven wieder aktiviert und auf die Welpen diaplazentar oder galaktogen übertragen. Das ist der Grund, warum Hunde- und Katzenwelpen ab der zweiten/dritten Lebenswoche regelmäßig alle zwei Wochen mit einem Askariden-wirksamen Anthelmintikum entwurmt werden sollen.

 

Der Mensch kann Zwischenwirt werden, wenn infektiöse Larven abgeschluckt werden. Bei immunkompetenten Erwachsenen wird die Larve in der Darmwand vom Immunsystem abgefangen. Bei Immungeschwächten oder Kleinkindern kann sich aber eine Wanderlarve (Larva migrans visceralis) bilden, die sich in gut durchblutetem Gewebe abkapselt und schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen nach sich ziehen kann.

 

Hakenwürmer zählen ebenfalls zu den Rundwürmern. Sie heften sich an die Dünndarmschleimhaut und können so zu hohen Blut- und Proteinverlusten bei Hund und Katze führen. Sie werden oral und perkutan, beim Hund auch galaktogen übertragen. Die infektiöse Larve kann sich aktiv durch die Haut bohren. Das kann beim Menschen zur Hautwanderlarve (Larva migrans cutanea) führen, die eine lokale Hautentzündung hervorruft.

 

Arzneimittel für Hund und Katze

 

Bei der Arzneimittelgabe für Hund und Katze sind einige pharmakologische Unterschiede und gesetzliche Bestimmungen zu beachten. Jedes Pharmakon hat bei jeder Tierart eine sehr unterschiedliche Pharmakokinetik. Bei vielen Humanarzneimitteln wird beim Tier, besonders bei der Katze, die toxische Dosis vor der therapeutischen erreicht. Als Beispiel seien die »schwachen« Analgetika genannt.

 

Die Katze kann schlecht glukuronidieren, da ihr die Glukuronosyltransferase fehlt. NSAR werden somit nur sehr langsam ausgeschieden. Zusätzlich ist zu beachten, dass ältere Hunde und Katzen häufig unter einer kompensierten chronischen Niereninsuffizienz leiden. Daher ist vor der NSAR-Gabe auf jeden Fall eine klinische Untersuchung nötig, um sicherzustellen, dass das Tier ansonsten gesund ist und nicht gleichzeitig andere NSAR, Corticosteroide, Diuretika oder potenziell nephrotoxische Pharmaka bekommt. Weiterhin erreicht man mit den beim Menschen eingesetzten schwachen Analgetika häufig nur eine unzureichende antiphlogistische Wirkung.

 

Bei Paracetamol ist die Vergiftungsgefahr bei Hund und Katze aufgrund von Leberschädigung und Methämoglobinbildung schon bei geringer Dosierung sehr hoch. Acetylsalicylsäure wird gelegentlich zur antithrombotischen Therapie eingesetzt, hat aber häufig starke gastrointestinale Nebenwirkungen. Auch Diclofenac verursacht schon bei geringer Dosierung häufig schwere gastrointestinale Nebenwirkungen.

 

Die in der Veterinärmedizin eingesetzten NSAR sind meist mehr oder weniger ausgeprägt COX-2-selektiv. Es gibt verschiedene für Hund und/oder Katze zugelassene Wirkstoffe aus der Gruppe der Oxicame, Coxibe, Anthranilsäure-, Pyrazolon- und Arylpropionsäurederivate, die bestimmten Indikationen zugeordnet und allesamt verschreibungspflichtig sind.

 

Nach dem Arzneimittelgesetz unterliegen Tierarzneimittel den gleichen Zulassungsbestimmungen wie Humanarzneimittel. Bei der Abgabe und Anwendung von Arzneimitteln am Tier kommt der Paragraf 56 a, Absatz 1 und 2, zum Tragen. Laut Paragraf 56 a, Absatz 1, dürfen apotheken- und verschreibungspflichtige Medikamente bei Tieren nur angewendet werden, wenn sie für das Anwendungsgebiet und die Tierart zugelassen sind. Da sich nicht für jede Indikation und jede Tierart ein passendes Medikament finden lässt, hat der Gesetzgeber den Absatz 2 hinzugefügt. Hiernach darf man »umwidmen«, wenn kein für die Tierart und Indikation zugelassenes Medikament verfügbar ist und die notwendige arzneiliche Versorgung des Tieres ernstlich gefährdet ist, also ein Therapienotstand besteht. Die Umwidmungsweise ist klar in einer Kaskade (Kasten) geregelt. Für lebensmittelliefernde Tierarten gelten noch weitere Bestimmungen.

Umwidmungskaskade

Nur wenn kein passendes Tierarzneimittel auf dem Markt ist, darf nach einem passenden Medikament aus der Humanmedizin gesucht werden. Folgende Kaskade ist zu beachten: Das Therapieziel wird erreicht mit

 

Tierarzneimittel mit anderer Indikation,

Tierarzneimittel mit Zulassung für eine andere Tierart,

in Deutschland zugelassenes Humanarzneimittel oder in der EU zugelassenes Tierarzneimittel,

in der Apotheke hergestelltes oder verdünntes Arzneimittel.

 

Zusammenfassung

 

Parasitäre Erkrankungen sind häufig und oft besteht zoonotisches Potenzial. Zudem sind noch mehr als 200 weitere Zoonosen bei Hund und Katze bekannt. Viele treten glücklicherweise nur sehr selten auf. Durch Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen, frühzeitiges Entfernen des Kots und Vermeiden eines zu engen Schmusekontakts sind viele Zoonosen vermeidbar. Bei der Arzneimittelwahl sind die tierartlich unterschiedlichen Stoffwechselwege, die unterschiedliche Pharmakokinetik und die gesetzlichen Bestimmungen zu beachten.

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Der Autor

Barbara Kuhnke studierte Veterinärmedizin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover und erlangte 1995 die Approbation. 1999 wurde sie im Anatomischen Institut der Tierärztlichen Hochschule Hannover promoviert. Sie ist seit 1997 als praktische Tierärztin tätig und arbeitet seit 2006 in der Tierarztpraxis Gehrke in Hannover. Dr. Kuhnke ist auch als Referentin für verschiedene Apothekerkammern tätig.

 

 

Anschrift der Verfasserin:

Dr. Barbara Kuhnke

Im Moore 29

30167 Hannover

schultz(at)htp-tel.de

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