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Reisen

Couchsurfing für Pharmazeuten

22.05.2012
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Von Stefan Rack / Gratis übernachten in Paris oder Moskau: Das Prinzip Couchsurfing boomt zurzeit weltweit. Wer mitmacht, nimmt Reisende bei sich auf – und schläft beim nächsten Trip selbst auf fremden Sofas. Zwei Studenten haben die Idee nun speziell für Pharmazeuten weiterentwickelt.

Einfach den Rucksack packen und los. Weltweit bei netten Menschen unterkommen, kostenlos. Dazu eine individuelle Stadtführung – das ist das Konzept des Couchsurfings. Noch schöner wird das Ganze, wenn Gast und Gastgeber dieselben Interessen haben – zum Beispiel Pharmazie.

»Warum gibt es entsprechende Angebote eigentlich nicht für Pharmaziestudierende?«, fragten sich einige Aktive und Ehemalige des europäischen Pharmaziestudierenden­verbandes und gründeten EPSA Voyage, das neue Projekt der European Pharmaceu­tical Students‘ Association (EPSA). Zwei Deutsche, ein Slowene und ein Pole, der in Großbritannien lebt, bilden das Gründerteam.

 

Zu Gast bei Freunden

 

Wie andere Couchsurfing-Portale funktioniert auch EPSA Voyage über eine Website. Wer mitmachen will, meldet sich unter epsa-online.org/voyage an – komplett mit Namen, Geburtsdatum und Universität. Jede neue Anmeldung wird von Vertretern des Studierendenverbandes des jeweiligen Landes überprüft. Im Zweifelsfall wird bei der angegebenen Universität nachgefragt, ob der Nutzer wirklich dort studiert – erst dann wird sein Profil freigeschaltet.

 

Indem befreundete Teilnehmer sich vernetzen und sich Gast und Gastgeber gegenseitig bewerten, sollen schwarze Schafe ausgeschlossen werden. Jeder ist irgendwem bekannt, täglich gibt es neue Feedbacks. So sind die Reisenden vor fragwürdigen Gestalten sicher, können sich entspannt auf einen ganz individuellen Urlaub freuen und Freundschaften in ganz Europa aufbauen.

 

Daniela Kolberg, Mitglied des Gründerteams und Studentin im siebten Semester an der Philipps-Universität Marburg, hat viel zum Start des Projekts beigetragen. Durch Kongresse, Social Media und Mund-zu-Mund-Propaganda gab es bereits Hunderte Anmeldungen in den ersten Wochen. Stefan Rack kümmert sich vor allem um die Technik dahinter und war ebenfalls von Anfang an dabei. Er studierte in Münster und ist jetzt im Praktischen Jahr.

EPSA Voyage funktioniert europaweit. Von Portugal bis Finnland, von Glasgow bis Istanbul versammelt die Homepage bereits Dutzende Angebote zum Übernachten. Neben typischen Urlaubszielen sind auch weniger bekannte Schönheiten aus ganz Europa zu entdecken – wie wäre es zum Beispiel mit einem Trip ins rumänische Cluj?

 

Der Vorteil des Couchsurfens: Die Reisenden kommen bei Einheimischen unter und lernen Land und Leute direkt kennen. Auch wer keine Gäste bei sich einquartieren möchte, kann über die Homepage zum Beispiel eine Stadtführung anbieten oder Besuchern bei einem Kaffee etwas mehr zum Ort erzählen.

 

Wer möchte, lädt die Gäste zu sich ein. Er kann dabei klare Angaben machen, wer wann kommen darf und auf der Homepage deutlich machen, was die Gäste erwartet: Ob er zum Beispiel nur den Boden für die ISO-Matte zur Verfügung stellt oder weitere Betreuung bietet. Auf der Website werden die Angebote veröffentlicht und Kontakte ermöglicht. Was letztlich daraus wird, entscheiden die Nutzer unter sich.

 

Labore hier und dort

 

Durch den persönlichen Kontakt entwickelt sich ein neuer Zugang zum besuchten Land – und zur Wissenschaft der Pharmazie. Neben Gemeinsamkeiten können die Reisenden einen Eindruck davon gewinnen, wie der Alltag an Schreibtisch und Labor in anderen Ländern aussieht – und vielleicht einige Anregungen mit nach Hause nehmen. Dahinter steht der Gedanke, dass die Pharmazie kein nationales Projekt ist, sondern jedes Land seine eigene pharmazeutische Kultur entwickelt hat. Der deutsche Weg, das deutsche Studium ist nur eine von vielen Möglichkeiten, Pharmazie zu gestalten. Es kann für alle nur von Vorteil sein, beieinander abzugucken.

 

Mit EPSA Voyage soll das Pharmaziestudium internationaler, persön­licher, offener werden. Und vielleicht kann es einen Teil dazu beitragen, dass zukünftige Apotheker ihren Beruf mit etwas anderen Augen sehen. Alle Studierenden sind herzlich eingeladen: plan your holidays with EPSA! / 

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