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Bayerischer Apothekertag

Das AMNOG wirft Schatten

24.05.2011
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Von Daniel Rücker, Rosenheim / Das Arzneimittelmarkt-Neuordnungs­gesetz (AMNOG) hat die Atmosphäre zwischen Großhandel und Apotheken nicht verbessert. Das zeigte sich auch bei der Auftaktveranstaltung des Bayerischen Apothekertages in Rosenheim – obwohl die Diskutanten zwischenzeitlich ein wenig aufeinander zugingen.

Für die Apotheker läuft das Jahr 2011 bisher unter dem Titel »Chronik einer angekündigten Katastrophe«. Schon während der Beratungen zum AMNOG hatten sie vorhergesagt, der Großhandel werde seinen Sparbeitrag auf die Apotheken abwälzen. Der Vorsitzende des Bundesverbandes des pharmazeutischen Großhandels (Phagro), Dr. Thomas Trümper, hatte dies auch gar nicht bestritten. Der Großhandel könne die ihm zugedachten 200 Millionen Euro pro Jahr nicht bezahlen, weil diese Summe größer sei als der Branchengewinn, hatte er damals behauptet. Auf diese Position zog er sich auch bei der Rosenheimer Podiumsdiskussion zurück.

 

Kein Grundrecht auf Rabatte

 

Es gebe kein Grundrecht auf Rabatte, der Großhandel habe immer betont, seinen Beitrag nicht bezahlen zu können, die Bundesregierung habe dies gewusst und akzeptiert, so seine Argumentationslinie. Bei den hunderten anwesenden Apothekern machte er sich dabei nicht beliebt, aber das hatte Trümper wohl auch nicht erwartet.

Die Zahlen, präsentiert von der Geschäftsführerin der Treuhand Hannover, Ursula Hasan-Boehme, trugen auch nicht zur Stimmungs­aufhellung bei. Nach den Berech­nungen der Treuhand sinkt das verfügbare Nettoeinkommen des Leiters einer typischen Apotheke in diesem Jahr nämlich auf rund 25 000 Euro und liegt damit unter dem eines approbierten Mitarbei­ters. Um albtraumhafte 25 Prozent werde der Jahresverfügungsbetrag nach den Prognosen sinken, referierte Hasan-­Boehme.

 

Der deutliche Rückgang liege jedoch nicht allein am AMNOG. Dieses habe dem Großhandel eine Spannenkürzung um 0,85 Prozent beschert. Die Konditionen der Apo­theken seien nach Berechnungen der Treuhand aber noch deutlicher zurückgegangen. Verschlechterungen um das Doppelte seien keine Seltenheit im Markt. Hasan-Boehme kritisierte zudem die steigende Intransparenz von Großhandelsrechnungen.

 

Eine ganze Reihe neuer und bereits bekannter Gebühren wie Sortimentsstrukturausgleich oder Herstellerabschlagsausgleich machten die Rechnungen der Großhändler für Apotheker unverständlich. Oftmals werde auf diese Weise verschleiert, dass der Großhändler die mit der Apotheke ausgehandelten Konditionen gar nicht biete. Aus 6 Prozent auf den Rx-Umsatz könnten so schnell nur noch 3 Prozent werden.

 

Phagro-Chef Trümper bestätigte, dass die Kürzungen über den AMNOG-bedingten 0,85 Prozent liegen. Er verwies auf deutlich schlechtere Einkaufskonditionen für den Großhandel bei den pharmazeutischen Unternehmen aufgrund des Preismoratoriums und dem erhöhten Herstellerrabatt. Trümper forderte die Apotheker auf, gemeinsam mit dem Großhandel für Änderungen zu kämpfen. Letztlich säßen Apotheker und Großhändler doch in einem Boot.

 

So ganz wollten die Apotheker auf dieses Angebot nicht einsteigen. Der Vorsitzende des Bayerischen Apothekerverbandes, Peter Hubmann, forderte wie Hasan-Boehme mehr Transparenz bei den Großhandelsrechnungen. Auch Kammerpräsident Thomas Benkert kritisierte, die Apotheker könnten die Großhandelsrechnungen nicht mehr nachvollziehen.

 

Bis zu 2000 Arbeitsplätze in Gefahr

 

Allerdings musste Hubmann auch einräumen, dass viele Apotheker zu Jahresbeginn zu Großhandlungen gewechselt hätten, die zwar nominal die besten Einkaufskonditionen geboten hätten, sich aber einen guten Teil des Preisnachlasses über Sondergebühren zurückgeholt hätten. Besonders betroffen von dieser Wechselwelle war Sanacorp. Das Unternehmen hatte relativ transparente Angebote gemacht, dennoch verlor es Kunden.

 

Die extrem schwierige wirtschaftliche Lage macht es den Apothekern schwer, ihre selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Neue Angebote wie das gemeinsam von ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände und Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) entwickelte Versorgungskonzept fußen auf einer qualitativ hochwertigen Betreuung der Patienten. Das AMNOG zwingt Bayerns Apothekeinhaber aber zum Personalabbau. Nach einer Mitgliederbefragung des Bayerischen Apothekerverbandes (BAV) könnten wegen des Spargesetzes in Bayerns Apotheken bis zu 2000 Arbeitsplätze verloren gehen, sagte Hubmann in Rosenheim. Erste Ergebnisse der noch nicht veröffentlichten Umfrage bestätigten, dass die Großhandlungen ihre Belastungen tatsächlich vollständig an die Apotheker weiterreichen. Der Verbandsvorsitzende forderte deshalb den Großhandel auf, die eigenen Kosten noch stärker zu senken.

 

Gerechtes Apothekenhonorar

 

Hubmann sieht die Apotheker in einer dramatischen Situation. Auf der einen Seite sei der wirtschaftliche Druck immens, auf der anderen Seite könnten die Apotheken aber nicht auf Personal verzichten. Mit Blick auf das ABDA-KBV-Konzept sei dies ein völlig falscher Schritt, denn für die neue Aufgabe würden eher mehr als weniger Mitarbeiter gebraucht. Aus dieser Zwickmühle führt für Hubmann nur ein Weg: »Das Apothekerhonorar muss endlich dynamisiert werden.« Seit 2004 bekämen die Apotheker je abgegebener GKV-Packung 8,10 Euro abzüglich Kassenabschlag plus 3 Prozent. Dieser Betrag müsse erhöht werden. Außerdem müsse das Honorar für die Herstellung von Rezepturarzneimitteln die Kosten decken und der Kassenabschlag nach transparenten Kriterien festgelegt werden, forderte der Verbandsvorsitzende: »Die Apotheker brauchen eine gerechte und ausreichende Honorierung.«

 

Kammerpräsident Benkert macht sich Sorgen, dass manche Apotheker angesichts des großen Spardrucks falsche Entscheidungen treffen: »Apotheken dürfen nicht wie Supermärkte oder Drogerien aussehen. Und die Qualität muss stimmen.« Gleichzeitig müssten die Apotheken belegen, dass sie besser sind als andere Anbieter. Dafür sei ein Qualitätsmanagement notwendig. Zur Fokussierung auf die Qualität gibt es für den Kammerpräsidenten keine Alternative. Er warnte davor, stattdessen auf den Preis zu setzen: »Wer hohe Rabatte anbieten kann, der vermittelt den Eindruck, die Margen seien zu hoch. Dumpingangebote in der Apotheke wecken bei der Politik Begehrlichkeiten.«

 

Qualitätsmanagement als Pflicht

 

Die erheblichen Belastungen durch das AMNOG dürfen aus Benkerts Sicht keine negativen Konsequenzen für die Qualität und das Erscheinungsbild der öffentlichen Apotheken haben. Beim Bayerischen Apothekertag bekräftigte der Kammerpräsident deshalb die Forderung der Bundesapothekerkammer, Qualitätsmanagement in öffentlichen Apotheken zur Pflicht zu machen. Die öffentlichen Apotheken müssten sich von anderen Anbietern unterscheiden. / 

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