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Pflegereform

Bürger diskutieren im Ministerium

24.05.2011
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Von Stephanie Schersch, Berlin / Daniel Bahr (FDP) muss als neuer Gesundheitsminister die von seinem Vorgänger angestoßene Pflegereform weiterführen. Vergangene Woche sprach er mit Betroffenen, Angehörigen und Pflegekräften über die Erwartungen an das Projekt.

So sieht er also aus, der neue »mitfühlende« Liberalismus. Daniel Bahr hat den Kopf leicht zur Seite geneigt und seine Augen auf eine blonde Frau gerichtet. Sie erzählt von ihrem Vater, der plötzlich zum Pflegefall wurde und den sie nun betreut. Schwierig sei das, sagt sie, zumal sie zwei Kinder habe und natürlich ihren Job. Bahr nickt anerkennend und verständnisvoll, um ihn herum Journalisten, Fotografen, Fernsehkameras. Es sind genau die Bilder, die man zum Start als neuer Minister braucht.

Bahr muss gleich zu Beginn seiner Amtszeit das Mammutprojekt Pflegereform angehen – und dabei eine möglichst gute Figur machen. Da traf es sich ausgezeichnet, dass in das Bundes­minis­terium für Gesundheit rund 80 Bürger geladen waren, um gemeinsam über die Zukunft der Pflege zu diskutieren. Der Dialog kam gut an bei den Auserwählten. Der Gesundheitsminister bezeichnete sich selbst als »ein Teil von Ihnen« und erzählte von seinem Großvater, der nach einem Schlaganfall auf Pflege angewiesen war. Bahr war damals noch Student, auch er habe erst lernen müssen, mit der Situation umzugehen, sagte er.

 

Im Zentrum der Pflegereform sollen laut Bahr die Familien stehen. »Wir wollen die Alltagssorgen der Angehörigen lösen.« Pflegebedürftigkeit komme meist plötzlich und könne jeden treffen. »Nicht jeder hat Kinder, aber jeder von uns hat Eltern.« Das Thema müsse daher in den Mittelpunkt der Gesellschaft rücken.

 

Die Reform der Pflegeversicherung hat Bahr von seinem Vorgänger Philipp Rösler (FDP) geerbt. Dieser hatte in verschiedenen Dialogrunden bereits mit Experten und Verbänden über die mögliche Ausgestaltung der Reform gesprochen. Noch vor der Sommerpause will Bahr nun erste Eckpunkte präsentieren. / 

Offizielle Amtsübergabe

dpa / Der neue Wirtschaftsminister Philipp Rösler hat das Gesundheitsministerium am vergangenen Donnerstag offiziell an seinen Nachfolger Daniel Bahr (beide FDP) übergeben. Bahr versprach Kontinuität, sagte aber auch: »Selbstverständlich setzt natürlich auch jede Person eigene Akzente.« Eigenverantwortung der Menschen und Solidarität seien für ihn in der Gesundheitspolitik untrennbar mitei­nander verbunden. Was das negative Image vieler Gesundheitsminister betrifft, zeigte sich Bahr gelassen. »Wenn man beliebt werden wollte, wäre man nicht in die Politik gegangen.«

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