Pharmazeutische Zeitung online
Erfahrungsbericht

Down Under auf Station

25.05.2010  11:06 Uhr

Von Sabine Sauer / Wie wird in Australien Krankenhauspharmazie betrieben? Um das herauszufinden, suchte ich mir kurz nach dem Dritten Staatsexamen eine Praktikumsstelle im Princess Alexandra Hospital in Brisbane.

Das Krankenhaus verfügt über 40 Stationen sowie 650 Betten und ist das zweitgrößte Krankenhaus von Brisbane. Es werden oft Patienten aus dem Umland überwiesen, da es zum Beispiel auf Organtransplantationen spezialisiert ist und über eine psychiatrische Einrichtung verfügt. Des Weiteren dient es als Lehrkrankenhaus für Studenten.

In der Krankenhausapotheke arbeiten et­wa 80 Beschäftigte: Davon einige Phar­macy Assistants, vergleichbar mit Apo­thekenhelfern, Pharmacy Technici­ans, die vergleichbar mit pharmazeutisch-technischen Assistenten sind, australi­sche Pharmaziepraktikanten und über­wiegend Apotheker. Diese sind für unter­schiedliche Stationen zuständig. Austra­lische Apotheker studieren wie in Deutsch­land acht Semester und arbeiten danach für ein ganzes Jahr in einem Krankenhaus oder in einer Apotheke.

 

Zuerst war ich in der Medikamentenaus­gabe beschäftigt. Dort werden die Medi­kamente individuell für jeden Patienten zusammengestellt, das heißt jedes Arzneimittel wird mit einem Aufkleber versehen, auf dem der Name des Pa­tienten und auch die Einnahmevorschrift vermerkt ist, zum Beispiel »Nehmen Sie zweimal täglich zwei Tabletten zum Essen ein.« Zusätzlich gibt es noch etwa 20 Aufkleber mit weiteren Warnhinweisen, etwa »Nehmen Sie dieses Medikament nicht zusammen mit Grape­fruitsaft ein.«

 

Green Card für Patienten

 

Der Arbeitsbereich der Krankenhausapotheker umfasst folgende Aufgaben: Erstellen eines Medication Reviews, Teilnahme an der Visite, Kontrolle der Laborwerte, Abgleich der Rezepte mit der Patientenkurve, Bereitstellen der Medikamente für Patienten auf Station, Schreiben von »Green Cards« für die Entlassung und Aushändigen der Entlassmedikation. Unter einer »Green Card« versteht man einen Medikamentenplan für den Patienten. Die Bezeichnung »Green Card« kommt von dem grünen Deckblatt des Medikamentenplans.

 

Als Erstes hatte ich Gelegenheit, die Arbeit auf einer orthopädischen Station kennenzulernen. Der Apotheker überprüft, ob der Patient zu seinen jeweiligen Vorerkrankungen auch die passenden Medikamente erhält. Des Weiteren ist es seine Aufgabe, die Patientenakte auf Richtigkeit der Dauermedikation, eine ausreichende Thromboseprophylaxe, geeignete Schmerzmedikamente und bei Opioidgabe auf die gleichzeitige Verordnung eines Abführmittels zu überprüfen.

 

Anschließend war ich auf der gefäßchirurgischen Station. Dort durfte ich die »Green Cards« schreiben. Darin wird auf die korrekte Einnahme und die Indikation hingewiesen. Falls Änderungen der vorherigen Dosis während des Krankenhausaufenthalts vorgenommen wurden, wird auch dies vermerkt.

 

Als Nächstes arbeitete ich auf einer Station für Nieren- und Lebertransplantation. Unmittelbar nach der Transplantation müssen die Patienten zahlreiche Medikamente einnehmen. Der Nutzen der einzelnen Substanzen wird den Patienten durch den zuständigen Apotheker erklärt. Den Patienten wird deutlich gemacht, wie wichtig die korrekte Einhaltung der Therapie ist. Sie erhalten zudem eine Dosierhilfe, um die Compliance zu erhöhen.

 

Im Princess Alexandra Hospital gibt es eine Preadmission Clinic, eine sogenannte Prästationäre Klinik. Das heißt, Patienten werden für ein vorbereitendes Gespräch und Untersuchungen einige Tage vor der Operation in die Klinik bestellt, um eine Krankenschwester, einen Arzt, einen Anästhesisten und einen Apotheker zu sprechen. Die Aufgabe des Apothekers ist dabei das Erstellen einer vollständigen Arzneimittelanamnese. Es wird nach Schlafmitteln, Arzneimittel, die injiziert werden, Asthmainhalatoren -sprays, medizinischen Pflastern, Augen- und Ohrentropfen, Vitaminen, Spurenelementen, Schmerzmitteln, Arzneimittel gegen Sodbrennen, Verstopfung oder Diarrhö gefragt. Ebenso wird vermerkt, ob der Patient eine Arzneimittelallergie hat. Diese Patienten erhalten während ihres Krankenhausaufenthaltes ein rotes Bändchen um das Handgelenk. Zudem wird dem Patienten mitgeteilt, welche Arzneimittel er vor der Operation absetzen muss.

 

In der Kardiologie hatte ich die Möglichkeit, Patienten, die neu auf Warfarin eingestellt wurden, über ihre Arzneimittel aufzuklären. Bei den Neuzugängen verglich ich deren Krankengeschichte mit ihren zuletzt eingenommenen Medikamenten und überprüfte, ob diese den australischen Leitlinien entsprechen. Diese Therapieleitlinien werden sowohl von Ärzten als auch von Apothekern erstellt. Falls Abweichungen auftraten oder Medikamente in der Akte aufgeführt, aber nicht in die Patientenkurve eingetragen waren, habe ich mich mit dem jeweiligen Arzt in Verbindung gesetzt, um herauszufinden, ob dies beabsichtigt war.

 

Gegen Ende meines Praktikums war ich auf der inneren Station. Hier durfte ich selbstständig Arzneimittelanamnesen durchführen, die Rezepte der Ärzte mit der Patientenkurve abgleichen und die Patienten fragen, ob sie die verordneten Medikamente noch zu Hause vorrätig hätten. Andernfalls besteht die Möglichkeit, dass die vom Arzt verordneten Medikamente, etwa ein Antibiotikum oder auch eine Packung der regulären Hausmedikation durch das Krankenhaus dispensiert wird.

 

Infogespräch vor der Chemo

 

Weitere Einblicke konnte ich im Bereich der Onkologie und in der psychiatrischen Abteilung gewinnen. So wird in der Onkologie durch den Apotheker eine Schulung für Patienten, die vor einer Chemotherapie stehen, durchgeführt. Dabei werden die Patienten über die möglicherweise auftretenden Nebenwirkungen informiert. Auf der psychiatrischen Station ist der Apotheker unter anderem dafür verantwortlich, dass bei einem Wechsel von einem Antidepressivum auf ein anderes, das vorherige Medikament auch abgesetzt und nichts doppelt verordnet wird.Ich hatte auch die Möglichkeit, mit den australischen Pharmaziepraktikanten an deren Unterricht teilzunehmen. In Australien gibt es keinen Blockunterricht von jeweils zwei Wochen pro Halbjahr. Sie haben stattdessen zehn Unterrichtseinheiten pro Jahr und zusätzlich zweimal pro Woche Unterricht in der Krankenhausapotheke, wobei dieser zum Beispiel die Besprechung von Patientenfällen beinhaltet.

In Brisbane leben circa zwei Millionen Einwohner. Die Stadt liegt direkt am Brisbane River und zwischen zwei Küsten. Zum einen die touristisch wenig überlaufene Sunshine Coast mit herrlichen langen Stränden, zum anderen an der Gold Coast, die berühmt für das »Surfers Paradise« ist.

 

Zudem gibt es einige botanische Gärten, etwa die Roma Parklands und Mount Coottha Gardens, von denen man einen herrlichen Blick über die ganze Stadt hat. Von dort aus lassen sich auch kürzere Wanderungen unternehmen. Um die einheimische Tierwelt kennenzulernen ist der Lone Pine Koala Sanctuary zu empfehlen. Und auch das kulturelle Leben kommt dank einiger Museen und Theater nicht zu kurz. / 

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