Pharmazeutische Zeitung online
Virologie

Antikörper gegen Henipaviren besteht Phase I

Sich rechtzeitig Gedanken um wirksame Therapieoptionen zu machen, kann auch bei bislang eher unbekannten Viren niemals ein Fehler sein. In »Lancet Infectious Diseases« hat ein Forscherteam nun die vielversprechenden Ergebnisse aus einer Phase-I-Studie mit einem Antikörper gegen Henipavirus-Infektionen vorgestellt. 
Sven Siebenand
10.02.2020
Datenschutz bei der PZ

Zu diesen RNA-Viren gehören zum Beispiel das Hendra- und das Nipahvirus. Erstgenanntes Virus hat in Australien zu Infektionen und Todesfällen geführt, beim Nipah-Virus wurden zwischen 1998 und 2018 insgesamt 373 Todesfälle in Süd- und Südostasien registriert. Wie auch beim Coronavirus scheinen bestimmte Fledermäuse als natürlicher Wirt der Viren zu dienen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft diese Viren als gefährlich ein, weil es bisher keine Impfung oder geeignete Behandlungsmethoden gibt. Zudem hätten die Viren das Potenzial, eine Pandemie auszulösen. Insbesondere das Nipahvirus zeichnet sich dadurch aus, dass es schnell mutiert und von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

In präklinischen Experimenten hat der monoklonale Antikörper m102.4 gute Ergebnisse erzielt, berichten nun Forscher um Dr. Elliott Geoffrey Playford vom Princess Alexandra Hospital in Brisbane, Australien. Der Antikörper bindet an ein Glykoprotein auf der Virusoberfläche. Danach steht dieses nicht mehr zur Verfügung, um an ein Protein auf der Oberfläche der Wirtszelle zu binden. Das Virus kann infolgedessen nicht mehr in die Zelle eingeschleust werden und sich vermehren.

Nun hat Playfords Team den Antikörper in einer Phase-I-Studie mit 30 gesunden Probanden getestet, die entweder eine Dosis des Antikörpers erhalten hatten oder zwei. Zehn Probanden erhielten eine Placebo-Injektion. Alle getesteten Dosierungen von m102.4 wurden gut vertragen. Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf, am häufigsten kam es zu Kopfschmerzen.

In Laboruntersuchungen mit Blutproben der Probanden wurde analysiert, inwieweit und wie lange der Antikörper Henipaviren neutralisieren kann. Auch Blutproben, die acht Tage nach der Injektion des Antikörpers entnommen wurden, waren demnach noch gegen das Hendra- und das Nipahvirus wirksam. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass m102.4 als Postexpositionsprophylaxe gut geeignet ist.

Weitere größere Studien müssen den möglichen Einsatz dieses Antikörpers aber nun noch weiter untersuchen. Seit 2010 steht der Antikörper in Australien im Rahmen eines Compassionate-Use-Notfallprogramms schon für Personen zur Verfügung, die Hendraviren ausgesetzt waren.

Mehr von Avoxa