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Prüfungsvorbereitung

Erfolg versprechende Rezepte

02.05.2017
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Von Carolin Gieck / Ein guter Lernplan, variantenreiche Lerntechniken, genügend Pufferzeiten sowie Zeit zum Wiederholen. Diese Punkte sind für eine erfolgreiche Vorbereitung auf eine Prüfung besonders wichtig. Denn spätestens im Staatsexamen wird nicht nur die Lernstrategie, sondern auch das Zeitmanagement auf eine harte Probe gestellt. Neben Fleiß, Disziplin und dem Quäntchen Glück entscheidet auch die richtige Herangehensweise über Bestehen oder Nichtbestehen.

Pharmazeuten sind es gewohnt, sich in kurzer Zeit viel Wissen anzueignen. Zwar ist es ein gängiger Vorsatz zu Semesterbeginn, den neuen Stoff bereits parallel zu den Vorlesungen aufzuarbeiten. In der Realität scheitert das Vorhaben allerdings oft an zeitintensiven Praktika, Protokollen oder dem inneren Schweinehund. Ein kurzer Lernsprint muss dann für die Prüfungen reichen. Doch spätestens bei der Vorbereitung auf die Staatsexamina ist diese Vorgehensweise bei der Fülle an Stoff kaum ausreichend. Da mehrere Fächer zeitgleich gepaukt werden müssen, wird aus dem Sprint vielmehr ein Ironman, den es gut geplant zu bewältigen gilt.

Realistisch planen

 

»Ich empfehle, dass man sich am Anfang einen Lernplan erstellen sollte«, so Kommunikationsexpertin Dr. Susanne Frölich-Steffen aus Zorneding im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung. Dabei ist es sinnvoll, sich zuerst einen Überblick über den gesamten Lernstoff zu verschaffen. Hat man auch das Lehrmaterial wie Skripte und Bücher gesichtet, kann anschließend ein Zeitplan erstellt werden. Je konkreter die Ziele und Etappen, desto besser lässt sich der Lernfortschritt kontrollieren. Allerdings sollten Studenten Lernpausen und vor allem ausreichend Pufferzeiten nicht vergessen.

 

Nimmt man die Neurowissenschaften als Grundlage, möchte das Gehirn nach etwa 20 Minuten einen »Szenenwechsel« haben. Ideal ist beispielsweise eine kleine Variation in der Lerntechnik. Natürlich kann man laut der Expertin auch länger bei einer Sache bleiben, doch biete sich nach etwa 90 Minuten eine kurze Pause an – eine Taktung, die Studenten ohnehin von der Universität kennen. Wird das Tagessoll einmal nicht erfüllt, rät Frölich-Steffen von ­einer Nachtschicht ab. Stattdessen dienen Lücken im Lernplan dazu, den Stoff nachzuholen, wenn einmal ein Tag nicht so gut läuft. »Dass man wirklich 30 bis 40 Prozent Pufferzeit einplant, ist leider realistisch, machen aber die wenigsten.« Aus ihrer Erfahrung he-raus ist dies die Hauptursache für das Scheitern von Lernplänen.

 

Prüfungsformat entscheidend

 

Grundsätzlich könne man sagen, dass der überwiegende Anteil der Prüfungsfragen aus dem Wichtigsten des Prüfungsstoffes generiert wird. Gerade unter akuter Zeitnot lautet daher Frölich-Steffens Tipp: »Man sollte versuchen, sich auf das zu konzentrieren, was am wahrscheinlichsten drankommt und am wichtigsten ist.« Alte Klausuren oder Protokolle können dabei helfen, Prioritäten zu setzen.

 

Ebenso bedeutsam ist es, die Lerninhalte sinnvoll einzuteilen. Entscheidend ist dabei, um welches Prüfungsformat es sich handelt. »Denn eine Multiple-Choice-Klausur ist immer eine mit vielen oberflächlichen Stichproben, da wird nicht so sehr in die Tiefe gebohrt«, weiß Frölich-Steffen nach langjähriger Erfahrung als Trainerin. »Eine mündliche Prüfung eignet sich hingegen besonders gut, um Verständniswissen abzufragen.« Auch die Art zu lernen sollte daran angepasst werden. Lesen und Rausschreiben sei zum Beispiel eine schlechte Vorbereitung auf eine mündliche Prüfung. Besser sei es, in Kleingruppen zu üben oder sich die Inhalte zumindest selbst immer mal wieder vorzusprechen.

In der Klausur selbst empfiehlt die Expertin, nach vorne zu schauen und sich bis zur letzten Sekunde durchzukämpfen. »Man besteht auch Prüfungen, von denen man dachte, dass man sie niemals im Leben schafft.« Besonders in der mündlichen Prüfung sollte man keinesfalls in ein Zwiegespräch mit sich selbst verfallen. Sätze wie »Mist, das hätte ich wissen müssen, das habe ich doch gelernt!« schaden eher. Leider erlebe sie immer wieder Studenten, die sich an einer falschen Antwort festbeißen, statt die Frage abzuhaken und zum nächsten Thema überzugehen. Dabei sei es explizit erlaubt, um einen Moment zum Nachdenken zu bitten und einmal durchzuatmen. Schließlich ist eine mündliche Prüfung ein Gespräch, und das schließt sämtliche Pflichten, aber auch Möglichkeiten eines Dialoges ein.

 

Die Dozenten erwarten in der Regel, dass der Prüfling das Gespräch selbst aktiv mitgestaltet und in vollständigen Sätzen antwortet. Nur Stichpunkte zu nennen, führt hingegen meist zu einer angespannten Prüfungsatmosphäre. Je nach Prüfer ist sogar ein gezieltes Lenken oder Platzieren von Themen möglich. Denn selten gehen Dozenten mit einem starren Konzept in die Prüfung. Stattdessen werten sie positiv, wenn der Student Zusammenhänge erkennt und herstellt.

 

Wie auch immer man sich letztlich auf die Prüfung vorbereitet, darf man sich von Kommilitonen nicht verunsichern lassen. Denn es wird immer jemanden geben, der früher mit Lernen begonnen hat oder auf andere Lücken hofft. /

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