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Interview

»Kommen Sie nach Meran!«

04.05.2010  15:21 Uhr

PZ  / Vom 30. Mai bis 4. Juni findet der 48. Pharmacon-Kongress in Meran statt. Professor Dr. Theo Dingermann von der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main und Moderator der Veranstaltung nennt im Gespräch mit der PZ zahlreiche Gründe, warum sich die Anmeldung allemal lohnt.

PZ: Herr Professor Dingermann, in knapp vier Wochen beginnt der Pharmacon Meran. Was könnte Unentschlossene dazu motivieren, sich doch noch anzumelden?

Dingermann: Prinzipiell gilt natürlich, dass jede Fortbildung ihren Wert hat. Hinzu kommt, dass wir in diesem Jahr aber auch ein besonders attraktives Programm zusammengestellt haben.

 

PZ: Was zum Beispiel?

 

Dingermann: Zum einen sind da natürlich die Programmpunkte, wo wir mit Protest rechnen müssten, wenn diese nicht mehr im Programm auftauchen würden. Dazu zählen zum Beispiel die kritische Durchsicht der neuen Arzneimittel des Jahres 2009 von Professor Morck oder die Vorstellung von Innovationen durch Professor Schubert-Zsilavecz. Zum anderen sind es aber auch die Themenblöcke Immunologie und Autoimmunerkrankungen, Schmerz sowie Doping und Sucht, die pharmazeutisch extrem wichtig und zudem hochaktuell sind.

 

PZ: Befürchten Sie nicht, dass sich viele Apothekerinnen und Apotheker von einem so komplexen Thema wie »Immunologie« eher abgeschreckt als angezogen werden?

 

Dingermann: Das hoffe ich doch wohl nicht! Warum denn auch? Natürlich ist die Immunologie in der Pharmazie ein relativ neues Fach. Andererseits ist es aber auch so, dass man die Mehrzahl der Arzneimittel heute nicht mehr verstehen kann, wenn man nicht ein Basiswissen in Immunologie besitzt. Die Betonung liegt hier auf Basiswissen! Der Rest kommt ganz von alleine, wenn man fortbildungsaktiv ist. Hier bietet sich Immunologie als Quelle für eine Metapher förmlich an: Wer nach Meran kommt, kann sich gewissermaßen die Grundimmunisierung abholen. Das Boostern kommt dann mit jeder weiteren Exposition. Und mit Frau Professor Vollmar und Frau Dr. Zündorf haben wir zwei Referentinnen eingeladen, die sich auch didaktisch mit diesem komplexen Thema auseinandergesetzt haben. Sie sind Autorinnen des einzigen derzeit verfügbaren Immunologielehrbuches, das speziell für den pharmazeutischen Bereich konzipiert und geschrieben wurde.

 

PZ: Ist auch der Praxisbezug gegeben?

 

Dingermann: Nach den beiden Basisvorträgen kann das Gelernte gleich eingesetzt werden, wenn wir uns mit den Krankheiten näher beschäftigen, bei denen das Immunsystem für die Betroffenen zum Problem wird: bei rheumatoider Arthritis, bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, bei Multipler Sklerose und beim Typ-I-Diabetes.

 

PZ: Sicherlich eingängiger ist da das Thema Schmerz?

 

Dingermann: Mag sein, dass das Thema Schmerz spontan ein wenig populärer klingt als das Thema Immunologie. Aber darauf kommt es nicht an. Wichtig sind beide Themen. Hier wird Professor Geisslinger die Basis legen. Er ist Arzt und Apotheker und viele Stammbesucher der Pharmacon-Kongresse kennen ihn als exzellenten Referenten. Auch dieses Thema wird dann vertieft durch einen Vortrag zur Schmerztherapie in der Palliativmedizin und durch einen Vortrag, bei dem die Arzneiformen unter den Schmerzmitteln im Zentrum steht.

 

PZ: Interessant klingt auch das Thema Doping und Sucht.

 

Dingermann: Das haben wir uns im Wissenschaftlichen Beirat auch gedacht. Denn leider werden Arzneimittel nicht nur legal und bestimmungsgerecht, sondern immer häufiger auch illegal und missbräuchlich verwendet. Hierüber müssen Apothekerinnen und Apotheker Bescheid wissen, und zwar deutlich über den Level hinaus, der den Stoff für Schlagzeilen liefert. Schnell geht hier ein anfängliches Unrechtsbewusstsein verloren, und viel zu schnell wird der Missbrauch zur selbstverständlichen Routine. Wie eine solche Routine in Krankheit umschlagen kann und welche Konsequenzen sich daraus ergeben, erfahren wir dann in den beiden letzten Vorträgen »Arzneimittelabhängigkeit und Sucht« und »Missbrauch von Rauschdrogen im Jugendalter«.

 

PZ: Gibt es für Sie ein persönliches Highlight auf dem Kongress?

 

Dingermann: Ein Highlight wird sicherlich der Vortrag von Professor Kroemer werden. Der Titel: »Personalisierte Medizin 2010: Möglichkeiten und Grenzen«. Dies ist ein hochaktuelles Thema, das auch mit vielen Phantasien behaftet ist. Herr Kroemer wird die Phantasien mit Sicherheit auf das Machbare und Sinnvolle eindampfen. Für mich ist dieses Thema in höchstem Maße attraktiv. Schließlich habe ich im letzten Jahr selbst einen Vortrag zur personalisierten Medizin gehalten. So freue ich mich nicht nur darauf, mir den Vortrag von Herrn Kroemer anzuhören, sondern auch darauf, mit meinem Kollegen in Wissenschaftlichen Beirat zu diskutieren. /

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