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Zweite Chance

24.04.2008
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Zweite Chance

Ein Jahr lang hat die Industrie alles versucht, den Rabattverträgen den Garaus zu machen, ohne Erfolg. Die Apotheker haben die Verträge zwar immer umgesetzt, geliebt haben sie sie auch nicht. Jetzt sieht es so aus, als hätten sich die Krankenkassen erst einmal durchgesetzt. In Scharen bitten die Pharmaunternehmen um Einlass in den Kreis der AOK-Partner (siehe dazu Rabattverträge: Unbeliebt aber langlebig). Die Rabattverträge, so scheint es, sind nicht unterzukriegen. Dabei sind sie nicht das beste Konzept, um die Arzneimittelausgaben zu begrenzen.

 

Die Rabattverträge haben einen entscheidenden Vorteil. Sie sind der Favorit der Krankenkassen, den stärksten Player in dem Spiel. Und sie sind schlicht gestrickt, was in diesem Zusammenhang kein Nachteil ist. Abgesehen von den immer noch nicht eindeutig geklärten juristischen Zweifeln reichen die Grundrechenarten, um ihre Wirkungen abzuschätzen - vorausgesetzt man gehört zu den wenigen Auserwählten, die Details der Vereinbarungen kennen. Die unter erheblichem finanziellen Druck stehenden Krankenkassen sehen deshalb keinen Grund, von dem einmal eingeschlagenen Weg abzuweichen. Sie setzen auf sichere Einsparungen.

 

In der Konsequenz verzichten die Kassen damit allerdings auf die intelligentere Variante, Geld zu sparen. Die von den Apotheker entwickelten Zielpreisvereinbarungen sind flexibler als die Rabattverträge und erlauben es den Apothekern Medikamente nicht nur nach fiskalischen, sondern auch nach pharmazeutischen Aspekten auszuwählen. Für die Patienten ist dies allemal besser. Hinzu kommt, dass die Zielpreise, wie die Rabattverträge, den Kassen definierte Einsparungen bieten. Der Zielpreis, den die Kassen den Apothekern vergütet, liegt grundsätzlich unter dem Durchschnittspreis. Diese Differenz ist die definierte Einsparung der Krankenkassen pro Packung. Das muss in der Summe nicht weniger sein als bei Rabattverträgen, denn die müssen auch erst einmal beweisen, dass sie die hochtrabenden Erwartungen ihrer Erfinder tatsächlich erfüllen. Doch zurzeit wollen die Kassen nicht nachrechnen.

 

Sollten die Apotheker also die Zielpreise beerdigen? Keinesfalls! Juristisch stehen die Rabattverträge noch nicht auf sicherem Fundament; die errechneten Einsparungen müssen auch erst einmal realisiert werden und die Gefahr eines von den Rabattverträgen getragenen Konzentrationsprozesses in der Generikaindustrie ist keinesfalls ein Hirngespinst. Wenn die immanenten Defizite der Rabattvereinbarungen offensichtlich werden, dann sind die Zielpreisvereinbarungen wieder auf der Tagesordnung. Dann kann es sich auszahlen, dass die Apothekern jetzt einen langem Atem haben und sich nicht von ihrem überlegenen Konzept abbringen lassen. Das Gute bekommt immer eine zweite Chance.

 

Daniel Rücker

Stellvertretender Chefredakteur

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