Pharmazeutische Zeitung online
Nachgefragt

...zu den Testkäufen der Stiftung Warentest

27.04.2010
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Von Brigitte M. Gensthaler und Stefanie Schersch, Würzburg  / Was halten Apotheker von Untersuchungen der Stiftung Warentest? Die PZ hat nachgefragt bei Besuchern des Bayerischen Apothekertages in Würzburg.

Ich finde die Testkäufe in Apotheken von Stiftung Warentest sehr problematisch. Generell ist bei Stiftung Warentest häufig unklar, was genau getestet wird und wie die Endnote, die schließlich vergeben wird, zustande kommt. Auch bei den Apotheken-Tests sind die Kriterien, die bei der Bewertung angesetzt wurden, sehr undurchsichtig. Mich würde zum Beispiel interessieren, in welcher Situation und unter welchen Bedingungen der Testkauf durchgeführt wurde und ob diese Beratungssituation in der Apotheke überhaupt realistisch ist.

 

Monika Beck-Weigand, Apothekerin aus Friedberg

Ich bin sauer, dass unser Berufsstand so schlecht dargestellt wird. Es wurden zu wenig Apotheken befragt und die Ergebnisse verallgemeinert. Außerdem zeigt die Befragung deutlich, dass Versandapotheken in puncto Beratung schlechter abschneiden als Präsenzapotheken. Was aber nie thematisiert wird: Eine qualitativ hochwertige Beratung kostet viel Zeit und damit Geld. Und wenn wir einen Patienten ausführlich beraten, dürfen die anderen, die in der Offizin warten, nicht vernachlässigt werden. Wir sind eine sehr beratungsaktive Apotheke und besuchen regelmäßig Fortbildungen. Das Problem ist wirklich die Finanzierung. Ein noch größerer Aufwand ist bei der derzeitigen Honorierung der apothekerlichen Leistungen einfach nicht machbar.

 

Sigrid-Renate Drasch, Inhaberin der Allacher-Apotheke, München

Prinzipiell ist es gut, dass Apotheken getestet werden, das finde ich sehr wichtig. Viele nehmen die Studie von Stiftung Warentest jetzt wieder zum Anlass, Kritik an den öffentlichen Apotheken zu üben. Was aber eigentlich ganz besonders auffällt, ist das schlechte Abschneiden der Versand­apotheken. Dieses Ergebnis bestätigt einmal mehr, dass der Versandhandel bei der Beratung einfach nicht punkten kann. Und das wird sich im Vergleich zur öffentlichen Apotheke auch niemals ändern.

 

Gracia Kukielka, Pharmaziestudentin

Solche Veröffentlichungen nehme ich als Ermahnung, noch aufmerksamer auf jeden einzelnen Patienten zu achten. Neben der Fortbildung finde ich das Selbststudium und den Austausch in Qualitätszirkeln sehr nützlich. Das bringt noch mehr, als nur Vorträge zu hören. Empfehlenswert ist es, in Teamschulungen die selbst erarbeiteten oder gehörten Inhalte den Kollegen vorzustellen und miteinander zu diskutieren. Dann haftet das Wissen besser und die Kollegen profitieren auch noch davon.

 

Silvia Gödel, Apothekerin aus Aschaffenburg

Wir greifen negative Anstöße auf und setzen sie ins Positive um. Konkret bedeutet dies, dass wir diese Veröffentlichung als Anregung sehen, in unserem Bemühen um Fortbildung und eine gute Beratung unserer Kunden und Patienten nicht nachzulassen. Meine Mitarbeiter sind sehr fortbildungsfreudig. Dies finde ich sehr wichtig, denn nur eine optimale Beratung bindet die Menschen auf Dauer an die Apotheke. Neben gutem Fachwissen sind auch kommunikative und menschliche Fähigkeiten nötig, um dem Kunden ein gutes Gefühl zu geben. Daran arbeiten wir jeden Tag neu.

 

Sabine Kast-Wölfer, Inhaberin der Kur-Apotheke in Bad Reichenhall

Ich nehme die Testergebnisse nicht zum Anlass, jetzt eine Pflichtfortbildung zu fordern. Zunächst muss man ja fragen, ob die Fortbildungsaktivität überhaupt mit der Qualität der Beratung korreliert. Es gibt deutschlandweit mannigfache Fortbildungsangebote, die von den Kollegen sehr rege genutzt werden. Eine Pflichtfortbildung müsste für das gesamte pharmazeutische Personal gelten, also nicht nur für Apotheker, sondern auch für Pharmazie-Ingenieure und PTA. Außerdem müsste man Konsequenzen definieren – sowohl in positiver wie in negativer Richtung. Sonst ist die Pflicht ein zahnloser Tiger.

 

Ronald Schreiber, Präsident der Landesapothekerkammer Thüringen

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