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Blutdruckmessgeräte

Genau oder ungenau – das ist die Frage

Wie gut sind Messgeräte, mit denen Patienten zu Hause ihren Blutdruck bestimmen können? Bei den meisten hapert es laut Stiftung Warentest an der Messgenauigkeit. Stimmt nicht, sagt dagegen die Deutsche Hochdruckliga. Sie hat wiederum an der Testweise von Stiftung Warentest etwas auszusetzen.
Annette Mende
25.10.2018  12:22 Uhr

Geht es nach dem Urteil der Stiftung Warentest, waren die Weiterentwicklungen der letzten zwei Jahre bei Blutdruckmessgeräten eher Rückschritte. Im aktuellen Test schnitt nur eines der 14 getesteten Geräte knapp gut ab, alle anderen erhielten schlechtere Noten. 2016 hatte es im Test dagegen noch dreimal die Schulnote gut gegeben – und die Sieger aus dem Vortest bleiben ungeschlagen.

2016 erhielten die beiden Handgelenk-Messgeräte Omron RS2 für 26 Euro und Boso Medistar+ für 25 Euro sowie das Oberarm-Gerät Boso Medicus X für 50 Euro die besten Noten im Test. Alle diese Geräte sind noch im Handel und laut Stiftung Warentest besser als die meisten der aktuell geprüften. Mithalten kann von diesen als einziges das Oberarm-Gerät Braun ExactFit 5 für 65 Euro.

Wichtigstes Kriterium für die Gesamtnote ist laut Stiftung Warentest die Blutdruckmessung, die mit 60 Prozent zu Buche schlägt. Die Messgenauigkeit wurde pro Gerät sechsmal an je 16 Frauen und Männern mit niedrigem bis hohem Blutdruck ermittelt. Als Vergleich diente die Messung per Doppelstethoskop und Quecksilber-Blutdruckmessgerät. Die Wiederholgenauigkeit wurde zusätzlich an einem Simulator getestet.

Auch die Nutzerfreundlichkeit ist aus Sicht von Stiftung Warentest wichtig für die Beurteilung der Geräte. Daher wirkte sich die Handhabung mit 30 Prozent auf die Gesamtnote aus. Erfasst wurden etwa die Verständlichkeit der Gebrauchsanleitung, die Bedienung im täglichen Gebrauch, die Anzeigen und Bedienelemente sowie die Batterielaufzeit. Last but not least wirkte sich auch die Störanfälligkeit mit 10 Prozent auf die Gesamtbeurteilung aus. Hierfür wurde die Genauigkeit bei fehlerhafter Bedienung der Geräte erfasst und die Robustheit: Die Tester ließen die Geräte zwölfmal aus Tischhöhe zu Boden fallen und untersuchten die entstandenen Schäden.

Solche weichen Kriterien, die alles in allem also 40 Prozent der Gesamtbewertung ausmachten, lenken aus Sicht der Deutschen Hochdruckliga aber vom harten Kriterium der Messgenauigkeit ab. Ein Gerät, das nicht ganz so genau misst, aber eventuell einen Sturz vom Tisch gut übersteht und vom Tester als sehr bedienungsfreundlich eingestuft wird, könnte im Gesamtergebnis noch relativ zufriedenstellend abschneiden, heißt es in einer Mitteilung der Hochdruckliga. Umgekehrt sei es möglich, dass messgenaue Geräte wegen einer schlechteren Beurteilung der Handhabung und Störanfälligkeit nur im Mittelfeld landen.

»Für uns Mediziner ist die Messgenauigkeit das wichtigste Kriterium«, sagt Professor Dr. Bernhard Krämer, Vorstandsvorsitzender der Hochdruckliga. Diese verleiht Blutdruckmessgeräten auf Antrag der Hersteller ein Prüfsiegel für Messgenauigkeit. Die Geräte werden dafür an mindestens 96 Personen, aber nicht an einem Patientensimulator getestet. Die unterschiedlichen Bewertungskriterien seien der Grund, warum einige Geräte, die im aktuellen Test der Stiftung Warentest lediglich das Qualitätsurteil befriedigend oder ausreichend erhalten haben, dennoch das Prüfsiegel der Hochdruckliga tragen.

»Wir sehen uns nicht im Prüfwettbewerb mit der Stiftung Warentest, sondern freuen uns darüber, dass sie auch Blutdruckmessgeräte testet. Denn dadurch wird die Blutdruckmessung in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gelenkt. Das bei Weitem größte Problem ist schließlich, dass auch heute noch zu wenig Menschen ihre Blutdruckwerte kennen und selbst Menschen mit zu hohen Werten nicht regelmäßig unter standardisierten Bedingungen ihren Blutdruck messen«, so Krämer.

Foto: Fotolia/one

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