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Diagnostik

Neue Möglichkeiten kardialer Marker

27.04.2010
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Von Elke Wolf, Wiesbaden / Je früher Herzerkrankungen diagnostiziert werden, desto besser ist die Prognose. Mit neuen spezifischen Tests lassen sich Herzinfarktpatienten früher erkennen und auch Risikogruppen bei vermeintlich Gesunden identifizieren.

Die Messung kardialer Troponine (siehe Kasten) ist der Goldstandard für die Diagnose des Herzinfarkts. Verschiedene Fachgesellschaften haben in der Vergangenheit immer wieder gefordert, vorhandene diagnostische Tests zu verbessern, da bislang minimale Erhöhungen des Troponins nicht sicher nachgewiesen werden konnten. »Mehrere große Studien zeigen, dass bereits winzige Mengen etwa an Troponin T mit einem erhöhten kardialen Risiko assoziiert sind«, erklärte Professor Dr. Hugo Katus, Universitätsklinikum Heidelberg, auf einer von Roche Diagnostics ausgerichteten Pressekonferenz auf dem Internistenkongress.

Hintergrund

Kardiale Troponine sind Proteine, die nur im Herzmuskel vorkommen und an dessen Kontraktion beteiligt sind. Wird das Herz geschädigt, werden die Troponine I und T ins Blut freigesetzt. Dank ihrer hohen Gewebespezifität ist ihre Aussagekraft als Marker für die Diagnose des Herzinfarkts sehr groß. Je nach Herstellerfirma messen die auf dem Markt befindlichen Tests entweder den Troponin-T- oder den Troponin-I-Wert. Beide Werte haben sich als gute Anzeiger für die Risikoabschätzung, die Wahl der Behandlung und die Erfolgskontrolle der Behandlung erwiesen. Da neuere Test empfindlicher geworden sind, erhofft man sich in Zukunft vom Troponin-Wert auch Aufschluss bei chronischen Herzerkrankungen.

 

NT-proBNP steht für das N-terminale (Typ B) Natriuretische Peptid. Es ist ein Spaltprodukt von BNP, das bei kardialer Belastung durch Druck, Volumen oder eine Ischämie von den Myokardzellen des Ventrikels infolge des Dehnungsreizes in die Blutbahn abgegeben wird. Das trägt zur Senkung des Blutdrucks bei. NT-proBNP ist vor allem in Serum und Plasma zu finden. Es hat eine höhere Stabilität und längere Halbwertszeit als BNP. Da der Biomarker deshalb mit großer Genauigkeit gemessen werden kann, hat er sich unter anderem bei der Diagnose der akuten und chronischen Herzinsuffizienz und auch zur prognostischen Einschätzung etwa bei stabiler Angina pectoris oder gesicherter Lungenembolie etabliert.

Seit einigen Monaten sind nun Tests auf dem Markt, die auch geringste Mengen an Troponin im Blut mit hoher Präzision erfassen können (wie Elecsys Troponin T high sensitive). Die verbesserte Analytik zeige bereits Auswirkungen auf die Diagnosezahlen, sagte der Kardiologe. »Unter den Patienten, die mit Herzschmerzen in die Notaufnahme kommen, können durch die sensitivere Messung etwa von Troponin T 20 bis 30 Prozent mehr Patienten mit Herzinfarkt identifiziert werden als dies mit dem älteren Test möglich war.« Und: Die Herzinfarkte können nun deutlich früher nach Schmerzbeginn erkannt und behandelt werden.

Daneben hat die niedrigere Nachweisgrenze des kardialen Markers noch zusätzliche Erkenntnisse gebracht. So scheint die verbesserte Analytik auch bei der Risikoabschätzung von Patienten mit anderen Herzerkrankungen von Bedeutung zu sein. Katus stellte eine Studie mit rund 3700 Patienten mit stabiler Angina pectoris vor. Bei 21 Prozent der Teilnehmer wurden mit dem sensitiveren Test leicht erhöhte Troponin-T-Werte dokumentiert, die auf Mikronekrosen zurückgehen. Genau diese Patienten hatten in der Nachbeobachtungsphase ein erhöhtes Risiko für kardiale Ereignisse. Katus: »Inwieweit die Therapie dieser neuen Risikogruppe verändert werden muss, ist allerdings noch nicht geklärt.«

 

Minimal erhöhte Troponin-T-Werte finden sich auch bei einigen Patienten mit nicht ischämischen Herzmuskelschädigungen, wie Herzinsuffizienz, Myokarditis und einer Untergruppe von Patienten mit Lungenembolie. Auch diese Patienten weisen ein erhöhtes Risiko für kardiale Ereignisse auf. Katus empfahl hier engmaschigere Kontrollen. Und: »Selbst bei vermeintlich gesunden Personen hat man in Untersuchungen erhöhte Troponin-T-Werte gefunden. Auch deren Mortalitätsrisiko war erhöht«, informierte Katus.

 

Vorhofflimmern leichter kontrollieren

 

Einen zweiten wichtigen Labormarker in der Kardiologie stellte Privatdozent Dr. Thomas Neumann vom Kerckhoff Herz- und Thoraxzentrum in Bad Nauheim vor: NT-proBNP. Derzeit wird das natriuretische Peptid vor allem zur Diagnose aller Formen und Schweregrade von Herzinsuffizienz, zur Verlaufskontrolle und zum Therapiemonitoring dieser Erkrankung verwendet. Doch der Biomarker könnte auch für Patienten mit Vorhofflimmern interessant werden.

 

Neuman präsentierte Daten einer Pilotstudie, an der 120 Patienten mit paroxysmalem (anfallsartigem) Vorhofflimmern teilnahmen (ohne strukturelle Herzerkrankung oder Niereninsuffizienz). Deren Beschwerden wurden mithilfe eines Langzeit-EKGs über sieben Tage dokumentiert. Direkt nach Beendigung des EKGs wurde der NT-proBNP-Wert erfasst. Es ergab sich eine eindeutige Korrelation: Alle Patienten, bei denen das EKG in der zurückliegenden Woche Episoden von Vorhofflimmern aufzeigte, hatten erhöhte NT-proBNP-Werte. Die Konzentration war um das Zwei- bis Dreifache erhöht. »Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass NT-proBNP ein zusätzlicher Parameter in der Verlaufskontrolle von Vorhofflimmern werden könnte«, sagte Neumann. »Vielleicht könnte es auch das Langzeit-EKG ersetzen. Studien mit größeren Patientenzahlen werden aufgelegt, um das zu überprüfen.«  /

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