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Opioid-Abhängigkeit

Überschätzter Mythos

21.04.2009
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WHO-Stufenschema

Im Jahr 1986 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO erstmalig das Stufenschema zur Therapie von Tumorschmerzen vorgestellt (sie hat es übrigens nie für alle Schmerzen, sondern ausschließlich für Tumorschmerzen propagiert!). Es wird häufig in fünf Kernpunkten zusammengefasst: »by the mouth, by the clock, by the ladder, for individual, attention to detail«. Frei übersetzt heißt das: Schmerzmittel sind oral (oder nicht-invasiv) einzunehmen, nach einem festen Zeitschema, nach einer festen Stufenleiter (Stufe 1: nicht-opioide Analgetika, Stufe 2: schwach wirksame Opioide, Stufe 3: stark wirksame Opioide), in individueller Dosierung, Besonderheiten sind zu beachten.

 

Zwar hat das WHO-Schema zur Schmerztherapie nach wie vor seine Gültigkeit, bei Patienten mit starken Schmerzen muss die Therapie unter Umständen aber unter Umgehung von Stufe 1 und 2 sofort auf der höchsten Stufe beginnen.

 

»Start low, go slow«: Auch dieses Motto hört man häufig im Zusammenhang mit einer Schmerztherapie. Vor allem für ältere Patienten gilt, lieber mit niedrigen Einstiegsdosen zu beginnen und die Dosis langsam schrittweise zu erhöhen. Bevor ein Schmerz als opioidresistent eingestuft wird, sollte zum Beispiel die gewählte Dosierung kritisch hinterfragt werden. Starke Schmerzen machen gegebenenfalls auch hohe Dosen stark wirksamer Analgetika erforderlich. Vor einem Substanzwechsel sollte daher geprüft werden, ob nicht eine Dosiserhöhung zur gewünschten Response führt. Ist dies nicht der Fall, kann ein Wechsel auf einen anderen Wirkstoff zum Ziel führen. Denn das Rezeptorprofil von Opioiden unterscheidet sich teilweise deutlich. Zudem sollte die medikamentöse Therapie in ein multimodales Therapiekonzept eingebettet sein.

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