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Ventrikuläre Arrhythmie

Azithromycin und Amoxicillin im Vergleich

19.04.2017  10:39 Uhr

Von Sven Siebenand / Die Einnahme des Makrolid-Antibiotikums Azithromycin erhöht das Risiko für ventrikuläre Arrhythmien nicht stärker als eine Amoxicillin-Gabe. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Fachmagazin »Canadian Medical Association Journal« veröffentlichte Untersuchung (DOI: 10.1503/cmaj.160355).

 

Die ventrikuläre Arrhythmie ist eine Herzrhythmusstörung, die in das gefährliche Kammerflimmern übergehen und zum plötzlichen Herztod führen kann. Frühere Untersuchungen hatten widersprüchliche Ergebnisse ergeben, ob die Einnahme des Makrolid-Antibiotikums mit einem erhöhten Sterberisiko aufgrund von Herzrhythmusstörungen verbunden ist.

Vor diesem Hintergrund werteten europäische Wissenschaftler in der aktuellen Studie Daten von insgesamt 29 Millionen Patienten aus Italien, Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden und Dänemark aus. 14 Millionen dieser Patienten waren neue Antibiotikum-Anwender, 0,1 Prozent (12874 Patienten) von ihnen entwickelten eine ventrikuläre Arrhythmie. 30 dieser Patienten hatten Azithromycin bekommen. Im Vergleich zu Patienten, die stattdessen das Betalaktam-Antibiotikum Amoxicillin erhalten hatten, war das Risiko für die Herzrhythmusstörung nicht erhöht. Allerdings war das Risiko dafür im Vergleich zu jenen Patienten erhöht, die gar kein Antibiotikum bekommen hatten.

 

»Das Risiko für ventrikuläre Arrhythmien ist eher bedingt durch einen schlechten Gesundheitszustand und verursacht durch die Infektion und nicht durch Azithromycin als solches«, so der Erstautor der Studie, Dr. Gianluca Trifirò von der Universität Messina. Die Wissenschaftler betonen, dass ihre Ergebnisse nur für den niedergelassenen Bereich gelten und nicht einfach auf den Krankenhaussektor übertragen werden können, da sich der Gesundheitszustand der Patienten und die Verwendung von Antibiotika dort unterscheiden. /

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